Hummelsbüttler Müllberge sollen grün bleiben

HummMüllbergeIn der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) gibt es Pläne zur Genehmigung für eine Deponie der Klasse I für kontaminierten Erdaushub an den „Hummelsbüttler Müllbergen“ im Norden der Hummelsbüttler Feldmark . Die zukünftige Deponie an der Westseite der „Müllberge“ soll innerhalb von elf Jahren eine Gesamthöhe von 40 Metern über Bodenniveau erreichen.

 

Die bisher als Schmittsche Koppel benannte Fläche liegt direkt an der Glashütter Landstraße – von dieser nur abgetrennt durch eine Baumreihe. Nach elfjähriger Auffüllung würde die Deponie eine Fläche von 40.000 Quadratmetern bedecken.

Die Interessengemeinschaft „Grüne Zukunft für die Hummelsbüttler Müllberge“ lehnt die Deponiepläne aufgrund der Altlasten aus den Altdeponien und der neuen Gefahren für die Umwelt rund um die Müllberge ab. Ihre Stellungnahme hat sie als offene Briefe an alle Fraktionen der Bürgerschaft sowie der Bezirke Wandsbek und Hamburg-Nord geschickt.
Newsletter-1-Muellberge-2013
Newsletter-2-Muellberge-2013
Newsletter-3-Muellberge-2013
Newsletter-4-September-2013
Inzwischen hat die private Betreiberfirma im Juli die vollständigen Pläne bei der Planfeststellungsbehörde eingereicht. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass die Deponie der Hummelsbüttler Müllberge nicht noch erweitert wird, da u.a. nicht abzusehen ist, welche Gefahr von den bestehenden Deponien bisher schon ausgeht und welche Gefahren eine weitere Aufschüttung mit sich bringt.
Die Bezirksämter Nord und Wandsbek sowie die dazugehörenden Bezirksversammlungen haben kein Mitspracherecht. Das liegt allein bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). Der Umweltausschuss der Bezirksversammlung Wandsbek wurde daher am 22. Januar 2013 nur informiert: Protokoll-Umweltausschuss-Jan2013-Bodendeponie-Hummelsbuettel

Eine erste Information von kompetenter Stelle bekamen Interessierte am 16. und 23. August in der BSU in Wilhelmsburg: BSU-Praesentation-Deponie-Hummelsbuetterl-2013-08-16

Hummelsee

Blick über den Hummelsee nach Süden

Planfeststellungsverfahren/Auslegungsfrist/Einwendungen
Im Amtlichen Anzeiger www.luewu.de/anzeiger/2013/index.php Nr. 66, Seite 1384 wurde das Planfeststellungsferfahren bekannt gemacht. Die Einwendungsfrist ist am 10. Oktober abgelaufen.
Insgesamt sind bei der BSU 9.543 Einwendungen eingegangen. Davon 9.385 Unterschriften auf Sammeleinwendungen und 158 individuelle Einwendungen.
Die zuständige Behörde muss jetzt jede Einwendung prüfen, bewerten und erörtern und über jede Einwendung entscheiden. Sie muss auch alle Stellungnahmen von beteiligten Fachbehörden und am Verfahren beteiligten Naturschutzverbänden prüfen. Die Prüfung der Einwendungen muss bis zum Erörterungstermin stattgefunden haben. Der soll dann innerhalb von drei Monaten nach Ablauf der Einwendungsfrist abgeschlossen werden.

Siehe auch WUZ 77 Seite 3 und WUZ 79 Seite 1+4 (Ausgaben-Archiv)

Weitere Infos bekommt man über das Infoportal der Bezirksversammlung Wandsbek: http://ratsinformation.web.hamburg.de:86/bi/allris.net.asp (Beim Punkt: Textrecherche den Begriff „Bodendeponie Hummelsbüttel“ eingeben) und über die Homepage der Initiative: www.muellberge-hummelsbuettel.de

Info der Initiative:

Blick nach Poppenbüttel

Blick nach Poppenbüttel

Gutachten der Hamburger Umweltbehörde aus dem Jahr 1986 über die Hummelsbüttler Feldmark
„Aus den Planungsansätzen und Kriterien der Beurteilungsmöglichkeiten von Altlasten wird klar ersichtlich, daß jede weitere Deponieanlage egal mit welchen Stoffen und unter welchem Namen (Hausschutt, Baustellenabfälle, Hafenschlick […]) im Planungsraum Hummelsbütteler Feldmark nur abgelehnt werden kann.
Insbesondere ist aufgrund der leicht durchlässigen Sande in diesem Gebiet, selbst bei einer relativ „dichten“ Grundabdeckung, mit zusätzlichen Gefahren für Boden und Grundwasser und mit einer großräumigen Verbreitung von Schadstoffen zu rechnen. Es würde damit eine weitere potentielle Gefahrenquelle in der Hummelsbütteler Feldmark zugelassen, ohne die vielen anderen bereits bestehenden Verdachtsflächen vorher auf ihre Gefährlichkeit hin detailliert untersucht und wenn nötig saniert zu haben“
Gutachten Landschaftsplan zum Achsenzwischenraum „Hummelsbütteler Feldmark“ unter Einbeziehung des gesamten Stadtteils Hummelsbüttel, April 1986, hrsg. v. Umweltbehörde, Amt für Landschaftsplanung Hamburg, in Zusammenarbeit mit der Gartenbauabteilung mit Naturschutzreferat Hamburg-Wandsbek. Bearbeiter: Dipl. Ing. Susanne Hardt, Hans-Detlef Schulze und Hans-Rainer Bielfeldt.

Die Vergangenheit
Ende der 1960er Jahre wurden Sandgruben im Norden der Hummelsbüttler Feldmark erwiesenermaßen über mehrere Jahre legal und illegal mit Haus- und Sondermüll verfüllt.

1986 der Donnerschlag. Das Wasser der Trinkwasserbrunnen der nördlichen Feldmark ist so stark belastet, dass die Brunnen über Nacht geschlossen werden. Es beginnt eine bis heute nicht abgeschlossene Suche nach den Verursachern der Schadstoffemissionen, obwohl die ersten Mutmaßungen und auch Gutachten der Umweltbehörde (1986) sowie der GAL/Uni HH (1988) eindeutig auf die alten Bodendeponien hindeuten.

Die Gegenwart
Die Anfang der 1990er Jahre aufgesattelten Hummelsbüttler Müllberge sind mit aktuell 70 Metern über NN bzw. 40 Metern über Bodenniveau eine der höchsten Erhebungen in ganz Hamburg. Wie Wächter thronen die Müllberge am nördlichsten Ende der Feldmark über den Hummelsee, die Kleinmoor-Biotope und der neuen Streuobstwiese des BUND.

Die halb renaturierten Müllberge mit ihrem phantastischen Weitblick über die einzigartige Kulturlandschaft der Hummelsbüttler Feldmark und der Hummelsee im Süden ziehen inzwischen sommers wie winters Tausende Erholungssuchende an. Spazieren gehen, Drachen steigen lassen, picknicken, im Hummelsee schwimmen, Hunde und Pferde ausführen, Rodeln, Sylvesterfeuerwerk genießen – Die Müllberge bieten seit Jahren einen unschätzbaren Beitrag zur Naherholung für alle nördlichen Stadtteile und Besuchern aus weiter entfernt liegenden Gegenden.

Die Zukunft …  wie sie die Stadt plant
Einrichtung einer Bodendeponie zwischen Glashütter Landstraße und der westlichen Seite der Müllberge auf der sogenannten Schmittschen Koppel. Auffüllung sowie Anflankung von ca. 300.000 m³ kontaminierten Bodenaushub auf einer Gesamtfläche von 40.000 m² innerhalb von 11 Jahren.

Aussichten:
Veränderung der hydrogeologischen Begebenheiten vor Ort. Verschärfung des Altlastenproblems. Gefährliche Ausblutung des Deponiekörpers. Neue Gefährdung des ersten und zweiten Grundwasserleiters in der Deponieumgebung. Auswaschung der neuen Bodenaushubschadstoffe bei Starkregen. Kontaminierter Feinstaubniederschlag auf die landwirtschaftlichen Flächen und die Gärten in unmittelbarer Nähe zur neuen Deponie. Aussetzung der Naherholungsnutzung der Müllberge für mehr als ein Jahrzehnt usw.

Die Zukunft …  wie wir sIMG_0017kleinie sehen
Prüfung auf Sanierung, dabei u.a. auch eine endgültige Klärung der Schadstoff-Verschmutzungsfahne im oberen Grundwasserleiter zwischen Altdeponien und den nordwestlichen Siedlungen. Komplette hydrogeologische Bestandsaufnahme der gesamten Gegend rund um die Müllberge.

Aussichten:
Gestaltung einer attraktiven ökologisch geprägten Nutzung der Müllberge an einem Runden Tisch unter Beteiligung der Politik, der Fachbehörden, den Naturschutzverbänden und der Anwohner in den Stadtteilen Langenhorn, Hummelsbüttel und Poppenbüttel.
Ideen gibt es genug:  Aussichtsplattform auf dem Hügel, Bepflanzung mit attraktivem heimischen Vogelnährgehölz,  Schmetterlingswiese auf der Schmittschen Koppel (aktuell eine Wildblumenwiese und geplantes Deponiegelände)  usw.

Weitere Infos: www.muellberge-hummelsbuettel.de
hier gibt es u.a. auch das Gutachten der Umweltbehörde von 1986 (unter Quellen) und viele Hintergrundinfos über die Geschichte, die Natur und die Gefahr, die von den Müllbergen ausgeht

Foto ganz oben: Blick zum Erweiterungsgelände nach Nord-Westen
Alle Fotos (c) WUZ

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