GRÜNE fordern Radbeschleunigung durch Fahrradampeln

Der Senat behandelt Radfahrerende wie Fußgänger und zwingt ihnen an vielen Ampeln damit unnötige Wartezeit auf. Denn wo das Auto noch Grün hat, darf das Rad oft nicht mehr über die Kreuzung und bis zur nächsten Grünphase warten. Das bremst den Radverkehr unnötig aus. Die Grünen fordern ein Radbeschleunigungsprogramm mit deutlich mehr Fahrradampeln.

 

Dr. Till Steffen, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion, erklärt: „Unnötiges Warten nervt – vor allem, wenn der Autoverkehr nebenan flüssig durchbraust und man mit dem Rad an der Fußgängerampel steht, obwohl man fast genauso schnell sein könnte. Dabei ist die Lösung des Problems einfach: eigene Ampeln für Räder. Damit können auf wertvolle Minuten Wartezeit eingespart werden, wie beispielsweise von der Alster bis nach Barmbek. Und verglichen mit der Busbeschleunigung, wo die Busse für stolze 259 Millionen Euro und jede Menge Baustellenärger um wenige Minuten beschleunigt werden, sind Fahrradampeln vergleichsweise günstig für rund 10.000 Euro zu haben. Mehr Radampeln würden den Radfahrerinnen und Radfahrern ihre Wege erleichtern und verkürzen – ganz im Gegensatz zur Busbeschleunigung dürfte die Maßnahme daher auf viel Gegenliebe stoßen.

Leider zeigt der Senat beim Einsatz von Fahrradampeln wenig Elan und behandelt Radfahrende wie Fußgänger. Nicht einmal neun Prozent der Ampeln haben eine eigene Fahrradschaltung. Laut Senatsplanung kommt bis 2016 nicht mal ein Prozentpunkt hinzu. Das geht gar nicht, hier muss der Verkehrssenator dringend nachbessern. Die Ampeln sind ein wichtiger Baustein, um Hamburg zur Fahrradstadt zu machen.“

Hintergrund

Die Gesetzeslage sieht seit 2013 vor, dass die allgemeinen Verkehrsampeln für den Radverkehr gelten, die Städte haben bis Ende 2016 Zeit, die Kreuzungen entsprechend zu regeln. Hamburg zeichnet sich eher durch den massenhaften Einsatz sogenannter kombinierter Streuscheiben aus, die den Radverkehr an den Fußgängerüberweg fesseln. So wird dem Radfahren Spaß und Attraktivität genommen und Radfahrende werden ausgebremst. Derzeit gibt es 1.730 Ampeln, davon sind 139 mit Fahrradampeln (8%) ausgestattet. 2014 hat der Senat 16 neue Fahrradampeln eingerichtet. Geplant ist für 2014/15 noch die Anlage von weiteren 17 Fahrradampeln. Damit würde sich die Quote auf neun Prozent erhöhen.

Als durchgängig beampelte Anfangsrouten eignen sich beispielsweise eine 2,5 km Strecke von der Alster bis Barmbek (Schwanenwik/Buchtstraße, Mundsburger Damm, Hamburger Straße/Oberaltenallee, Barmbek Markt) mit sieben großen Kreuzungen, wo der Radverkehr stadtauswärts komplett über Fußgängerampeln geführt wird. Stadteinwärts gibt es anderthalb Kreuzungen mit Fahrradampeln.

Und von der Innenstadt bis Altona 5 km (Messberg/Willy-Brandt-Straße, Ludwig-Erhart-Straße, Millerntorplatz, Budapester Straße, Stresemannstraße bis Knoten Holstenstraße, 15 große Kreuzungen, wo der Radverkehr über 12 Fußgängerampeln und 3 Fahrradampeln geführt wird).

Eine Fahrradampelanlage (vier kleine Lichter mit Fahrradsymbol), die direkt am Ampelmast installiert ist, kostet 10.000 Euro, wenn der Radverkehr mit den Autos gemeinsam geführt werden kann, kostet die Umprogrammierung etwa 6.000 Euro.
Die Grüne Bürgerschaftsfraktion hat zu dem Thema Fahrradampeln zwei Schriftliche Kleine Anfragen gestellt (Drs.Nr. 20/12364 und 20/7377). Ein Antrag mit der Forderung nach mehr Fahrradampeln wurde von der SPD im April 2013 abgelehnt.
Pressemitteilung Grüne Bürgerschaftsfraktion

Pochnicht zum Thema Radverkehr: „Engagement der Grünen kommt reichlich spät“

Pochnicht_LarsLars Pochnicht, Radverkehrsexperte der SPD-Fraktion zu den Vorschlägen der Grünen zum Radverkehr: „Wir freuen uns, dass sich die Grünen ausdrücklich zu mehr Fahrradampeln bekennen, das war unter Verkehrssenatorin Hajduk leider noch nicht so. 2010 hatte sie sich in unserer Großen Anfrage dazu noch sehr zurückhaltend geäußert (vgl. Drs. 19/5353). Es zeigt aber auch, dass es den Grünen immer leicht fällt, Forderungen aufzustellen – dass sie sich aber schwer tun, ihre Vorschläge auch konsequent umzusetzen, wenn sie es in der Hand haben. Dies hatte seinerzeit auch der ADFC bemängelt.“

Pochnicht weiter: „Der Radverkehr gehört auf die Straße. Das ist am sichersten, und Extra-Ampeln sind dann oft gar nicht notwendig. Dort, wo der Radverkehr eigene Spuren auf der Straße hat, etwa auf Radfahrstreifen oder bei der „Berliner Lösung“, erhält der Radverkehr eigene Ampelsignale. Es ist richtig, dass an vielen Kreuzungen eine bessere Radverkehrsführung machbar wäre. Das wissen wir, und der Senat geht diese Aufgabe auch konsequent an, wie die vielen Verbesserungen im Rahmen von Sanierungen und Umbaumaßnahmen im gesamten Stadtgebiet zeigen.

Die Bürgerschaft beschloss bereits im letzten Jahr einen SPD-Antrag (20/7741) zur Verbesserung der Radverkehrsführung an Kreuzungen über einen verstärkten Einsatz der sogenannten „Berliner Lösung“, bei der der Radverkehr im Kreuzungsbereich über Schutzstreifen auf die Fahrbahn und dann fahrbahngleich über die Kreuzung geführt wird.
Pressemitteilung SPD-Bürgerschaftsfraktion

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