Hamburg wird Fahrradstadt

Die Grünen wollen Hamburg zur Fahrradstadt machen. Sie haben heute einen umfassenden Antrag mit 20 Maßnahmen für den Radverkehr in Hamburg eingereicht. Dieser soll am 24./25. September in der Bürgerschaft beraten werden.

 

Ziel ist es, den Anteil des Radverkehrs bis 2025 zu verdoppeln – auf dann 25 Prozent. Die Grünen fordern den Bau von Fahrradschnellstraßen und schlagen ein konkretes Routennetz vor. Der Radverkehr soll mehr Platz bekommen und Investitionsschwerpunkt des Senats werden.

till-steffenDr. Till Steffen, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, sagt dazu: „Wir wollen Hamburg zur Fahrradstadt machen. Wenn die Politik jetzt die Weichen stellt, kann das klappen. Um den Ausbau des Radverkehrs zu beschleunigen, haben wir heute einen Antrag mit 20 Maßnahmen eingereicht.

Einer unserer Vorschläge lautet: Fahrrad-Schnellstraßen bauen. London hat sie, Kopenhagen auch und sogar das Ruhrgebiet. Auf diesen Routen können Radfahrerinnen und Radfahrer zügig und fast störungsfrei rollen. Wir schlagen ein Routen-Netz vor, das Stadtteile flott und sinnvoll miteinander verbindet. Zum Teil führen diese Wege an Hauptverkehrsstraßen, zum Teil greifen sie auf die Infrastruktur der Velorouten zurück. Auf diesen Wegen soll der Radverkehr wo immer möglich Vorfahrt haben. Das bedeutet, dass querende Autofahrer zum Beispiel Grünphasen nur bei Bedarf haben. Wir wollen, dass das Radfahren hier künftig Spaß macht und Vorfahrt bekommt. Hamburg soll zu einer Fahrradstadt werden. Radschnellwege sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg dorthin.

Wir wollen außerdem, dass Hamburg sich ein neues Ziel setzt: Den Ausbau des Radverkehrsanteils auf 25 Prozent am Gesamtverkehr bis spätestens 2025. Wenn jede vierte Strecke mit dem Rad zurückgelegt wird, wäre das ein sehr großer Beitrag zur Stauvermeidung, für Klima, Umwelt und Lebensqualität in unserer Stadt. Für Hamburg, wo der Radverkehr 2008 bei 12 Prozent lag, ist das ein ambitioniertes, aber erreichbares Ziel.

Hamburg hat viel Potential, zu einer Fahrradstadt zu werden. Die Menschen wollen das. Jetzt sind die Politik und die Verkehrsplanung am Zug. Sie müssen sich das ambitionierte Ziel setzen, Hamburg zu einer echten Fahrradstadt zu machen. Vieles können wir uns dabei von der dänischen Hauptstadt Kopenhagen abschauen, die binnen eines Jahrzehnts zu einer echten Fahrradmetropole geworden ist. Dazu wollen wir die Förderung des Radverkehrs in Hamburg zu einem Investitionsschwerpunkt machen. Die Politik muss das Rad Verkehrsmittel gleichrangig mit Auto, Bus und Bahn behandeln – und entsprechend fördern. Das bedeutet auch, dass wir an manchen Stellen die Verkehrsflächen neu verteilen müssen – zum Beispiel in dem aus Autoparkplätzen Fahrradspuren werden.

Damit der Radverkehr flüssig rollt, müssen wir ihm an vielen Stellen Vorfahrt einräumen. Das geht zum Beispiel auf den Velorouten, die schnell und konsequent ausgebaut werden müssen. Vorfahrt bedeutet, dass auf Velorouten und Fahrradstraßen der querende Verkehr an der Radroute warten oder an Ampeln per Kontaktschleife grün anfordern muss. Deutlich flüssiger würde der Radverkehr rollen, wenn es mehr Radstreifen auf den Straße gäbe – diese sind außerdem erwiesenermaßen sicherer als Radwege am Fußweg.“
Pressemitteilung GRÜNE Bürgerschaftsfraktion

Pochnicht: „Grüne sind in Sachen Radverkehr nicht auf der Höhe der Zeit“

Lars Pochnicht, Radverkehrsexperte der SPD-Fraktion, hat sich kritisch zu den Pochnicht_LarsVorschlägen der Grünen geäußert: „Die Grünen sind beim Radverkehr nicht auf der Höhe der Zeit, das zeigt der heutige Vorstoß einmal mehr. Was uns hier als vermeintliche Innovationen vorgestellt wird, ist vielfach bereits Senatshandeln oder durch Bürgerschaftsbeschlüsse auf den Weg gebracht. Und wie weit wir denken, hat die gestrige Senatspräsentation zur Olympiabewerbung gezeigt, die auf das Fahrrad als zentrales Olympia-Verkehrsmittel setzt. Die eindrucksvollen Fortschritte bei der Weiterentwicklung des Hamburger Radverkehrs in den letzten Jahren belegt auch die jüngst beantwortete Große Anfrage. Wurden unter der damaligen Verkehrssenatorin Hajduk nur 350 Meter Radfahrstreifen auf die Straße gebracht, waren es unter Frank Horch schon mehr als 12 Kilometer. Wenn also jemand beim Thema Radverkehr geschlafen hat, waren es die Grünen in ihrer Regierungsverantwortung. Wir wollen mit attraktiven Angeboten für den ÖPNV und den Radverkehr werben. Aktuellstes Beispiel ist die vergangene Woche angekündigte neue Wegeführung für Radfahrende an den Landungsbrücken und der Helgoländer Allee. Statt mit Zwangsmaßnahmen den Autoverkehr zu vergraulen, fördern wir den Umstieg auf das Rad durch gute Alltagsrouten. Das alles zeigt: Nachhilfe von den Grünen hat der SPD-Senat nicht nötig.“
Pressemitteilung SPD-Bürgerschaftsfraktion

 

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