Abrisskultur in Hamburg

Hamburg ist eine Stadt, in der wir gerne wohnen. Dazu tragen die Klinkerbauten und das viele Grün an den Straßen wesentlich bei: eine einzigartige -typisch norddeutsche- Kombination von Natur und Stadt. Doch seit dem der Senat begonnen hat, sein ehrgeiziges Wohnungsbauprogramm durchzusetzen, wird dieses Lebensgefühl und das Stadtbild Stück für Stück zerstört.

Viele Hamburger Wohnungsgenossenschaften beteiligen sich am Bauprogramm. Die als Selbsthilfeorganisation gegründeten Gemeinschaften werden nun zum Ausführungsorgan der Wohnungsbaupläne des Senats und verfolgen die rigorose Politik der Abriss- und Neubaukultur.
Das letzte und bisher drastischste Beispiel dafür ist die Vereinigte Hamburger Wohnungsgenossenschaft und ihr Wohnblock am Elisabethgehölz. Hier wurde allen Hamburgern vorgeführt, wie machtlos selbst eine gut vernetzte Initiative gegenüber ihrer eigenen Genossenschaft und der Hamburger Politik ist.
Trotz erwiesener Sanierbarkeit, trotz positiver fachlicher Stellungnahmen aller namhaften Gesellschaften, die sich für den Schutz und den Erhalt Hamburger Klinkerbauten engagieren, trotz vorliegender Sanierungsplänen, trotz konstruktiver Lösungsangebote wie den Kauf durch die Mietergenossenschaft, oder das Kaufangebot eines Investors – der den Bau erhalten wollte, trotz Unterstützung vieler Bürger und Initiativen, war es nicht möglich, dieses stadteilprägende, historische und architektonisch wertvolle Gebäude zu erhalten.

Stattdessen soll nun für 20 Mio. Euro neu gebaut werden, statt für 2 Mio. saniert, und im Ergebnis werden es weniger Wohnungen sein als vorher. Gentrifizierung und Segregation sind die Folgen.
Staatlich geförderter Neubau ist betriebswirtschaftlich für den Eigentümer eben wesentlich günstiger attraktiver, als überwiegend selbst finanzierte Sanierung mit geringeren Zuschüssen: Mieter sind ersetzbar, entgangene Rendite nicht.

Elisa zeigt, wie die Hamburger Wohnungspolitik fehlläuft: falsche Anreize schafft, die letztlich Bestand vernichten, Mieter verdrängen und gerade auch Wohnungsgenossenschaften zu renditeorientierten, ihren Mitgliedern gegenüber zu rücksichtslosen Wohnungsbauunternehmen macht.
Die beispielhafte Zusammenarbeit von Genossenschaft und Politik in diesem Fall sollte allen Genossenschaftsmitgliedern Hamburgs zu denken geben.

Auch wir in Berne leben in Doppelhäusern einer Gartenstadtsiedlung, die in den 20ger Jahren in Selbsthilfe errichtet worden sind. Auch wir sind Teil einer Genossenschaft. Auch unsere Genossenschaft behauptet, unsere Häuser seien unwirtschaftlich, auch unsere Genossenschaft ist interessiert an Neubauten mit mehr und größeren Wohnungen, auch unsere Genossenschaft betrachtet kleine Wohnungen als nicht „rentabel“ genug, auch unsere Genossenschaft ist damit letztlich mehr an der erzielbaren Rendite denn an dem Erhalt des Bestandes interessiert.

Werte wie eine historische und kulturell herausragende Bedeutung, gewachsene Strukturen, der Denkmalwert, in der Siedlung Berne und anderswo, haben keine Lobby im wachsenden Hamburg.
Wir sind in großer Sorge.
Mehr Infos: www.initiative-siedlung-berne.de
Pressemitteilung der Initiative-Siedlung-Berne:

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