Flughafen: „Profitstreben gegen Fluglärmschutz“

Während der Flughafen seine Jahresbilanz bei Sekt BAW-Logound Kaviar feiert und seine Rekorde und Gewinne bejubelt müssen die Piloten bei schwerem Orkan mit Gefahr für Leib und Leben der Passagiere in Hamburg landen um eben für diesen Erfolg zu sorgen.

Das Wachstum des Flughafens wird auf dem Rücken der Anwohner und Fluglärmbetroffenen bereitet. Rund 100.000 Bürger sind in Hamburg von Fluglärm betroffen. Doch die zweifelhafte Bilanz des Flughafens hat auch noch eine Kehrseite. Wachstum und Rekorde auch an anderen Stellen. Nicht nur die Anzahl der abgefertigten Passagiere ist gestiegen auch die Anzahl der Flugbewegungen hat mit 7 Prozent deutlich zugelegt. Dieser Trend setzt sich auch in 2015 fort. In den ersten beiden Monaten sind die Flugbewegungen weiter um mehr als 5 Prozent angestiegen. Auch gab es noch nie so viele Beschwerden, noch nie derart viel Verspätungen und Nachtflüge. Mit fast 6.600 Flügen in der Zeit von 22:00 bis 6:00 hat der Flughafen in 2014 ein Sechsjahreshoch erreicht. Und auch hier setzt der Flughafen seiner Entwicklung fort. Von Januar auf Februar sind die Verspätungen um über 26 Prozent gestiegen. Lediglich ein Drittel dieser Verspätungen sind nachvollziehbar begründet. Zwei Drittel, mithin 65 Prozent, sind vermeidbare, unbegründete oder dem Flughafen schlicht unbekannte(!) Verspätungen. Der erschreckende Vorjahrestrend setzt sich konsequent fort und der Anteil der kalkulierten Verspätungen steigt fortwährend. Besonders in den vergangenen Tagen hat es eine deutliche Zunahme der Verspätungen gegeben. In den letzten drei Tagen wurden in der Zeit ab 22 Uhr über 69 Landungen gezählt, davon die Hälfte in der Zeit weit nach 23 Uhr.

Schon jetzt ist deutlich, dass die „Verschärfung“ der Verspätungsentgelte seit Januar 2015 keine Wirkung zeigt. Das ebenfalls im Januar neu aufgelegte Rabatt- und Wettbewerbsprogramm des Flughafen mit der Befreiung und hohen Rabattierungen von Landeentgelten zeigt dagegen deutliche Wirkung. Bis Februar hat der Flughafen mit diesem Programm bereits annähernd 10.000 zusätzliche Flugbewegungen „gekobert“. Dabei handelt es sich in der Regel um Billig- und Billigstfluggesellschaften, die mittlere und kleine Flugzeuge einsetzen, angesiedelt in den oberen lauten Lärmklassen. Die Ankündigung von Flughafen-Chef Eggenschwiler mehr Passagiere mit weniger Flugverkehr durch größere Flugzeuge bleibt so jedenfalls ein löchriger Schweizer Käse.

Während Eggenschwiler Millionen Euro in den Ausbau der Infrastruktur zur Steigerung der Passagierabfertigung steckt, bleiben so dringend wichtige Investitionen in die Technik aus. Seit August 2014 ist ein Funkfeuer an der Alsterdorfer Piste (RWY 33) außer Betrieb. Der Schaden ist irreparabel. Der dringend notwendige Austausch wird nicht vorgenommen und ist auch mittelfristig nicht geplant. Gleiches gilt für die Installation eines automatisierten Instrumenten-Landeanflug-Systems nach dem modernsten Standard CAT III. „Fluglärmschutz darf nicht an der mangelhaften technischen Ausrüstung des Flughafens scheitern!“, mahnt Martin Mosel, Sprecher der BAW.

Der Flughafen, so Eggenschwiler, will durch neue Anflugrouten Abhilfe beim Fluglärm schaffen. „Dieser Sinneswandel ist sehr zu begrüssen“, so Mosel. Sind es doch der Flughafen, die Deutsche Flugsicherung und die zuständigen Behörden gemeinsam gewesen, die bis in die Diskussion um den 16-Punkte-Konsens der Bürgerschaft im Januar diesen Jahres konsequent die Forderungen der BAW nach neuen Anflugrouten bekämpft haben. Und auch das Wiederholen des ständigen Wunsches nach „leiseren“ Flugzeugen wird nichts daran ändern, der Einsatz in Hamburg bleibt nur eine frommer aber unerfüllter Wunsch. Die sogenannten Airbus „NEO“ fliegen an Hamburg vorbei und werden in der Heimat von Eggenschwiler, in der Schweiz, dank dortiger strengerer gesetzlichen Fluglärmauflagen von der Swiss, einem Tochterunternehmen der Lufthansa, eingesetzt werden. Für den Einsatz in Deutschland bleiben von den georderten Maschinen leider keine über. „Und wenn denn tatsächlich ein Flugzeug davon in Hamburg eingesetzt werden sollte, dann ist das ein Tropfen im Wasserglas. Leiser wird es davon in Hamburg bestimmt nicht“, so Mosel weiter.

„Auf Hamburg kommen Stürmische Zeiten zu“, ist sich Mosel sicher. “Die Hamburger Politik muss jetzt konsequent für die ihr auferlegte Pflicht, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden, eintreten und den mühevoll erarbeiteten Fluglärmkonsens mit 16 Punkten umsetzen. Dieses Rumgeeier um den dringend erforderlichen Fluglärmschutz passt vielleicht in die Osterzeit, den betroffenen Bürgern reißt aber langsam der Geduldsfaden. Der 10-Punkte-Plan aus dem letzten Jahr ist kläglich am Veto der Flugsicherung gescheitert. Der diesjährige Konsens scheitert nicht, dafür treten wir ein. Und wir nehmen jeden der daran Beteiligten ins Wort!“ mahnt Mosel.

Zwischenzeitlich gibt es auch eine Initiative von Bündnis 90/Die Grünen „Fluglärm wirksam reduzieren“ (http://on.fb.me/1Hr5g73) im Bundestag. Die Initiative der Bundestagsfraktion ist inhaltlich deckungsgleich mit wesentlichen Forderungen aus der Fluglärmschutzaktionsplanung „FLAP 2015“ der BAW (http://bit.ly/flap2015) und bestätigt diese daher eindrucksvoll. „Wir unterstützen diesen politischen Vorstoß voll umfänglich und es entspräche auch dem Willen des erzielten Fluglärm-Konsens, wenn sich Hamburg einbringen würde und hier die aktive Unterstützung aussprechen würde“, konstatiert Mosel.

Hintergrund:

Der Luftverkehr ist nach dem Straßenverkehr die bedeutendste verkehrsbedingte Ursache für Lärmbelästigungen. Die regelmäßig durchgeführten, repräsentativen Umfragen des Umweltbundesamtes zeigen: bundesweit fühlt sich fast jeder Dritte durch Fluglärm belästigt. Viele Menschen im Umland deutscher Flughäfen und Flugplätze sind hohen Lärmbelastungen ausgesetzt und fühlen sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Tagsüber stört der Lärm so sehr, dass ein Aufenthalt im Freien kaum möglich ist und nachts wird erholsamer Schlaf verhindert. Die Klagen aus der Bevölkerung sind begründet, denn Fluglärm stört nicht nur, er gefährdet die Gesundheit, weil unser Körper darauf mit Stress reagiert.
Pressemitteilung BAW Bürgerinitiative Alstertal/Walddörfer/Ahrensburg
für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein

Gutes Ergebnis und ein neuer PassagierrekordVorfeld_JetsVorfeld

Hamburg Airport schließt das Geschäftsjahr 2014 mit Gewinn ab

Hamburg Airport hat das Geschäftsjahr 2014 wirtschaftlich positiv abgeschlossen. Mit 40,2 Millionen Euro hat der Flughafen ein gutes Ergebnis erzielt. Im Jahr 2013 waren es 37,3 Millionen Euro. Der Umsatz beträgt 271,3 Millionen Euro (2013: 254,5 Millionen Euro). Im Jahr 2014 nutzten 14,76 Millionen Fluggäste Hamburg Airport. Das ist ein Plus von 9,3 Prozent und ein neuer Passagierrekord für den Flughafen.

„Hamburg Airport hat das Jahr 2014 mit Erfolg gemeistert. Die Fluggesellschaften haben den starken Hamburger Markt für sich erkannt und ihr Engagement in der Hansestadt verstärkt. Das spiegelt sich in einem guten Ergebnis wider“, sagte Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport, auf der Bilanzpressekonferenz. „Hamburg Airport ist eine feste Größe im Streckennetz vieler Fluggesellschaften. Wir konnten im Jahr 2014 insgesamt 44 Erstflüge feiern – so viele wie nie zuvor. Das bedeutet Vielfalt im Hamburger Flugplan und eine stetig wachsende Auswahl für alle norddeutschen Passagiere.“

Die aufgehellte Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich positiv auf die Luftverkehrsbranche ausgewirkt. Die niedrige Arbeitslosigkeit führte zu einer wachsenden Konsum- und somit auch Reisefreudigkeit. Mit Investitionen von 51,8 Millionen Euro (+30,2 Prozent) hat der Flughafen auch seine Zukunft fest im Blick: Die größten Projekte waren das Parkhaus P1 und der Ersatzbau des Luftfrachtzentrums.

14,76 Millionen Fluggäste – ein neuer Rekord

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet Hamburg Airport 2014 ein Passagierwachstum von 9,3 Prozent auf 14,76 Millionen Fluggäste. Die Zahl der Flugbewegungen ist im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 153.876 gestiegen. Dank einer effizienteren Auslastung der Flugzeuge liegen die Flugbewegungen damit auf dem Niveau des Jahres 1997, als ca. 8,7 Millionen Passagiere ab Hamburg Airport geflogen sind. Die Zahl der Passagiere pro Flug liegt bei rund 107 Gästen, im Jahr 1997 waren es noch 71 Gäste pro Flugzeug. Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport, weist auf den guten Weg hin, auf dem sich der Flughafen bei der Lärmentwicklung befindet: „Besser ausgelastete, größere und modernere Flugzeuge haben eine positive Wirkung auf die Lärmbelastung der Umgebung. Im Vergleich zum Jahr 1997 verzeichnete das vergangene Jahr 35 Prozent weniger Lärm bei 70 Prozent mehr Passagieren und gleicher Anzahl an Flugbewegungen. Das ist eine durchaus beeindruckende Zahl.“

Im Durchschnitt nutzten im Jahr 2014 täglich rund 40.400 Passagiere den Hamburger Flughafen, die Starts und Landungen lagen bei durchschnittlich 422 pro Tag (je 211 Starts und 211 Landungen täglich). Die geflogene Luftfracht legte um 2,3 Prozent auf rund 28.948 Tonnen zu, während die LKW-Luftfracht um 34 Prozent auf 24.770 Tonnen zurückgegangen ist. Grund dafür ist die Standort-Verlagerung der Lufthansa nach Norderstedt.

Streckennetz: Wachstumstreiber sind Easyjet, Germanwings und Germania
Die Fluggesellschaft Easyjet setzt ihre Expansion in Hamburg fort: Während des Sommerflugplans 2015 wird die Airline sechs neue Ziele anfliegen: Heraklion, Thessaloniki, Pisa, Paris Orly, Alicante und Bologna. Easyjet bietet damit ab dem Sommer 28 Ziele mit zwei stationierten A319 und einer A320 an. Außerdem werden die Flugfrequenzen nach Athen, Genf, Mailand, Nizza, Split und Palma de Mallorca erweitert.

Auch Germanwings macht das Hamburger Streckennetz noch vielfältiger. Neu sind die Ziele Bari und Izmir. Zudem wird die Fluggesellschaft auf vielen bestehenden Strecken wie Budapest, Stockholm und Madrid die Kapazitäten durch den Einsatz von größerem Fluggerät erhöhen. Insgesamt fliegt Germanwings ab Hamburg 50 Ziele an.

Germania zählt ebenfalls zu den Wachstumstreibern am Hamburg Airport. Die Fluggesellschaft hat Maschhad im Iran, Tel Aviv und Paphos auf Zypern neu ins Programm aufgenommen. Es folgen Santorini (Griechenland) und Beirut.

Zudem ist die spanische Fluggesellschaft Iberia wieder in Hamburg am Start und fliegt norddeutsche Passagiere viermal wöchentlich nach Madrid. Intersky hat das Ziel Memmingen übernommen und fliegt diese Strecke montags bis freitags. Auch die belgische Fluggesellschaft VLM wird ab April neue Ziele ab Hamburg anbieten: Rotterdam und Antwerpen mit Weiterflug nach Southampton. Neu am Hamburg Airport ist Air Lituanica. An drei Tagen in der Woche fliegt die litauische Airline von Hamburg nach Vilnius. Die Hauptstadt von Litauen wird immer dienstags, donnerstags und sonntags angeflogen.

Ausblick auf das Jahr 2015: weiteres Wachstum und mehr Vielfalt

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport, blickt optimistisch auf das Jahr 2015:

„Das neue Geschäftsjahr wird viel Positives bringen: Für die Fluggäste gibt es zahlreiche neue Strecken und somit mehr Auswahl. Die Nachbarn können weiterhin auf die Verlässlichkeit und Transparenz des Flughafens zählen. Hamburg Airport ist bereits gut ins Jahr 2015 gestartet, denn in den ersten beiden Monaten ist die Zahl der Passagiere um 6,3 Prozent gewachsen. Insgesamt rechnet der Flughafen mit über 15 Millionen Passagieren in 2015.“
Pressemitteilung Flughafen HH

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