Viele Fragen zur Bebauung am Buchenkamp

Am Buchenkamp soll beim Buchenkamp-V2-3-2015Ferck’schen Hof auf Flächen gebaut werden, die in einem Landschaftsschutzgebiet1 liegen. Eine Bebauung ist hier rechtlich nicht zulässig. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden vor einigen Jahren von einem Investor, der „Ökologischen Wohnungsbau Genossenschaft“ (einer geschlossenen 4-Personen-Gesellschaft), gekauft, um sie für eine Wohnbebauung zu entwickeln.

Bald darauf wurde ein Wohnbauprojekt am Buchenkamp in das Wohnungsbauprogramm Wandsbek aufgenommen, der Koalitionsvertrag SPD-Grüne Wandsbek vom 27.08.14 sieht eine Bebauung mit ca. 60 Wohneinheiten am Buchenkamp vor. Eine mögliche Bebauung des Geländes ist umseitig abgedruckt (Unterlage aus der Sitzung des Planungsausschusses der Bezirksversammlung am 24.03.2015 – siehe Foto-Ausschnitt).
Frage: Ist die Bebauung hier wirklich zwingend nötig?
Besser als der Verbrauch von Naturflächen ist die Verdichtung in den vorhandenen Wohngebieten! – Öko-Landbau statt „Öko“-Wohnungsbau!
Falls dennoch gebaut wird:
• Die Beeinträchtigung der Naturflächen ist zwingend auszugleichen!
Welche Ausgleichsmaßnahmen sind geplant? Wer stellt die Umsetzung sicher?
(Wir haben festgestellt, dass die Ausgleichsmaßnahmen für die Bebauung des angrenzenden Wohngebietes Moorbekring (Bebauungsplan Volksdorf 32 vom 16.08.1994) nach nunmehr 20 Jahren nur unzureichend umgesetzt wurden!)
• Das Bauvolumen des Koalitionsvertrages ist nicht zu überschreiten!
Die vorgesehene soziale Einrichtung (Dementen-WG mit 602 bzw. 25-303 Wohnplätzen) ist bei dem Maximalvolumen von 60 Wohneinheiten einzurechnen!
• Das Projekt verschärft die Verkehrssituation im Buchenkamp drastisch!
Trotz der gern genannten guten U-Bahn-Anbindung ist ein Verkehrsnotstand auf dem Buchenkamp und an der Kreuzung Buchenkamp/Eulenkrugstrasse zu erwarten (Busse, zusätzliche Pkws der neuen Anwohner sowie Besucher der Sozialeinrichtungen etc.)! Die Straße Buchenkamp ist nicht für den zunehmenden Verkehr ausgelegt. Wer trägt die Kosten für die notwendige Anpassung der Verkehrs-Infrastruktur? Die Anwohner? Der Investor?

1 Landschaftsschutzgebiet „Duvenstedt, Bergstedt, Lemsahl-­Mellingstedt, Volksdorf und Rahlstedt“
2 Planungsausschuss-Sitzung am 7.10.2014
3 Planungsausschuss-Sitzung am 24.03.2015
Grafik: Büro für Projektplanung und Kommunikation im Bauwesen/Prokom
Flugblatt von Klaus Huck (Bürgerverein Walddörfer), Bernt Matthes (NABU Walddörfer) und Adam Szablowski (Dipl.-Ing. Architekt), verteilt auf der Veranstaltung „Bürgerbeteiligung vor Ort“ Rahmenbedingungen für eine verträgliche Bebauung am Buchenkamp (26.Mai) des Bezirksamtes
__________________________________________________________________________

Volksdorfer gegen Bebauung am Buchenkamp

Das Bezirksamt Wandsbek hatte gestern zur ersten Bürgerbeteiligung zu den Bauplänen am Buchenkamp eingeladen. Die Gutachter des Büro für Projektplanung und Kommunikation im Bauwesen /Prokom und vom Büro Greuner-Pönicke (Landschaftsplanung) stellten die Pläne vor. Fragen beantworteten auch der Vorsitzende des Wandsbeker Planungsausschusses Frank Rieken (SPD) sowie Thorsten Graefe vom Fachamt Landschaftsplanung des Bezirksamtes.

Wie schon bei den vorhergehenden Veranstaltungen des Investors kam es fast gar nicht zu einer Diskussion über die eigentlichen Planungen. Die anwesenden Bürger machten hingegen sehr deutlich, dass sie gegen diese Bebauung sind. Sie warfen der Politik vor beim „Zockermodell“ des Investors mitzumachen, das die Wohnungsnot in Hamburg nicht lösen wird, da hier nach ihrer Meinung kein bezahlbarer Wohnraum entstehen würde. Stattdessen würde einer weiteren Bebauung, die noch mehr Fläche verbrauchen wird, Tor und Tür geöffnet.
Sorgen machten sich die Anwesenden auch über die Knicks am Buchenkamp. Die Häuser seien viel zu nahe am Knick geplant; die geplanten Tiefgaragen und Keller würden die Bäume schädigen; die Häuser würden z.T. in den Kronenbereich der Bäume hineinreichen: das alles könnte dazu beitragen, dass der Knick langfristig absterben würde. Da es sich bei den Flächen um Landschaftsschutzgebiet handele, müsse dies aufgehoben werden, erklärte Graefe. Das kann nur per Verordnung der zuständigen Behörde geschehen – anders als bei B-Plänen, bei denen Bezirksversammlung bzw. Bürgerschaft entscheiden könnten bzw. Einfluss haben. Viele der Anwesenden waren sich einig, dass ein Bürgerbegehren her müsse, um die Bebauung zu verhindern.
Außerdem wollten die Bürger wissen, warum es keine Verkehrsuntersuchung gegeben habe, obwohl die Eulenkrugstraße und der Buchenkamp vor allem in den Morgenstunden regelmäßig unpassierbar seien. Laut Koalitionsvertrag sollen 60 Wohneinheiten am Buchenkamp entstehen. Dass die Dementen WG immer aus den Zahlen herausgerechnet würde, sei nicht in Ordnung: auch bei einer Dementen-Einrichtung gibt es Pkw-Verkehr vor allem von Besuchern.
Thema waren auch immer wieder die Ausgleichsflächen des Bebauungsplanes Volksdorf 32 (Moorbekring), die u.A. auf der Ferck’schen Fläche umgesetzt werden sollten, aber nie realisiert wurden. Thorsten Graefe erläuterte, dass das Amt hier Lehrgeld bezahlt habe, da die Ausgleichsflächen z.T. auf privatem Grund liegen, so dass eine Umsetzung nicht erzwungen werden konnte. Lediglich die Ausgleichsmaßnahmen z.B. an der Moorbek seien ausgeführt worden, da es sich dort um städtische Flächen handelt. Absprachen mit dem neuen Eigentümer der Ferck’schen Flächen für die Umsetzung der noch ausstehenden Maßnahmen gäbe es nicht. Das Bezirksamt arbeite aber daran, dass dies zeitnah geschehe.
Thorsten Graefe stellte abschließend fest, dass alle Anwesenden gegen eine Bebauung der Ferck’schen Flächen seien.

Diese Planung/das Gutachten und auch die Ergebnisse der Veranstaltung mit den Bürgern werden am 9.6. im Planungsausschuss diskutiert, am 30.6. soll im Planungsausschuss das Abschlussergebnis vorgestellt werden.
INFO: Das Grundstück Buchenkamp/Ecke Eulenkrugstraße gehört nicht zum Planungsgebiet Ferck’scher Hof (anderer Eigentümer) (du)
____________________________________________________________________________

aus der WUZ 93 vom April 2015
Neuer Entwurf für Buchenkamp-Bebauung

„Viel zu viele Stellplätze“

Im Planungsausschuss der Bezirksversammlung Wandsbek am 24. März wurde von der Verwaltung die überarbeitete Studie zur Bebauung am Buchenkamp vorgestellt. Nach den zwischenzeitlichen Erkenntnissen kann das angestrebte Wohnungsbauvolumen von ca. 60 Wohneinheiten auch in komprimierter, flächensparender Weise straßenparallel auf den Flächen des ehemaligen Ferck’schen Hofes realisiert werden, ohne hierfür die südlich angrenzenden Grundstücksflächen beanspruchen zu müssen. Auch die Wiese/Acker des Tonradsmoores gegenüber der Bebauung am Tunnkoppelring bleibt frei.

Die Gutachter halten vier Stadtvillen mit 32 Wohneinheiten sowie zwei Reihenhausblocks mit 12 WE direkt an der Straße Buchenkamp zwischen dem Fußweg Tonradsmoor und dem Knick südlich des ehemaligen Hofes für möglich. Zwei weitere Stadtvillen mit je acht WE könnten in zweiter Reihe gebaut werden. Das Gebäude mit der so genannten Dementen WG schließt die Lücke zur vorhandenen Bebauung im Norden.

GRÜNE und SPD waren mehr oder weniger einverstanden mit dem Entwurf. Positiv sei, dass es nur einen Knickdurchbruch gebe. Oliver Schweim (GRÜNE) kritisierte jedoch die beiden Gebäude in zweiter Reihe, ebenso wie die vielen geplanten Stellplätze und Tiefgaragen, die in direkter Nachbarschaft zu einer U-Bahnstation nicht notwendig seien, während Claus-Thomas Heins (CDU) die zahlreichen Pkw-Stellflächen gut hieß. Die Grünen fordern auch, dass die Erschießungsstraße wasserdurchlässig wird und dass der Investor Null-Energie-Häuser baut.

Im nächsten Schritt soll die Öffentlichkeit vor Ort im Rahmen einer Veranstaltung in die Planungen einbezogen werden. (du)

Weitere Artikel zum Thema finden sich in den WUZ-Ausgaben 60, 62, 65, 80, 89
________________________________________________________________________

Die nächsten Sitzungen des Planungsausschusses finden am 9.6., 30.6., 1.9., 22.9., 10.11. und 1.12. statt. Der Planungsausschuss tagt immer öffentlich im Wandsbeker Bürgersaal neben dem Bezirksamt, Am Alten Posthaus 4. Tagesordnungen und Dokumente sind unter: https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/allris.net.asp zu finden. Vor und nach der Sitzung können sich die Bürger zu Wort melden.

Dieser Beitrag wurde unter Bauen / Verkehr, Natur, Walddörfer veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.