Neuer Verein zum Erhalt der Hummelsbüttler Feldmark

Im Zuge der Flächensuche des Senats Macht keinen Mist 02.02.16kleinfür großflächigen Wohnungsbau für Folgeunterkünfte für Flüchtlinge unternimmt der Hamburger Senat den Versuch, die nördliche Klimaachse Hamburgs zu bebauen. Der Bezirk Wandsbek hat dafür zwei Flächen in der Hummelsbütteler Feldmark vorgeschlagen und das Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Ohne nachzuweisen, dass es im zweitgrößten Bezirk der Stadt keine alternativen Flächen gibt, die besser geeignet sind, ohne Rücksicht auf die ökologischen Folgen für die ganze Stadt und ohne ein transparentes Vergabeverfahren zur Bebauung durchzuführen.

 

 

Vielmehr scheint es, dass der Bezirk darauf verzichtet hat, weitere Flächen eingehend zu prüfen. Die nun zur Bebauung vorgesehenen Flächen wurden augenscheinlich gewählt, da sie einfach an Investoren vermittelt werden können, für diese profitabel sind und die Möglichkeit bieten, weitere Flächen zu bebauen. Schon werden erste Gedanken geäußert, nicht nur einen Teil, sondern die gesamte Feldmark zu bebauen.

Die Wahl dieser Flächen verstößt gegen einen jahrzehntelangen Konsens in der Stadtplanung, verstößt gegen das Wissen zum Stadtklima und verstößt auch gegen die Kriterien, nach denen die Bezirke zur Flächensuche für festen Wohnraum für Schutzsuchende aufgefordert wurden. Diese waren unter anderem: ökologische Wichtigkeit der Flächen, vorhandene Infrastruktur und Möglichkeiten der Integration in die Bevölkerung des Bezirks. Statt die Unterbringung der Flüchtlinge gesamtgesellschaftlich lösen zu wollen, scheint es eher darum zu gehen, Flächen auszuweisen, die möglichst am Rande des Bezirks liegen. Die Vollendung dieser Absicht findet sich im an der Grenze des Bezirks zum Bezirk Nord und zu Norderstedt liegenden Flurstück 21 mit nur zwanzig Wandsbeker Einwohnern in der Nähe.
Um sich dieser wenig vorausschauenden Stadtentwicklungspolitik entgegenzustellen, hat sich im Dezember 2015 der „Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark“ gegründet.

Die ökologische Funktion der Hummelsbütteler Feldmark
Die Wiesen und Äcker der Feldmark sind ein Kaltluftentstehungsgebiet. Durch Verdunstung hat die Luft die Möglichkeit, sich abzukühlen – klare, saubere und kühle Luft wird dann über die direkte Verbindung mit dem Alsterlauf bis in die Mitte Hamburgs transportiert.
Dadurch erfolgt ein zur Temperaturreduzierung in der dicht bebauten Metropole maßgeblich beitragender Luftaustausch
Besonders angesichts des aktuellen Klimawandels mit einer in der Stadt bereits bis zu 10 °C höheren Temperatur als im Umland sind die wenigen Klimaachsen Hamburgs von großer Bedeutung.
Aber auch schon vor 80 Jahren wusste man von dieser Relevanz. Schon Hamburgs bekanntester Stadtplaner Fritz Schumacher hob die Funktion der Strömungskorridore für Hamburg hervor. Somit wurde das Tabu, in der Hummelsbüttler Feldmark zu bauen, in den letzten 80 Jahren nicht gebrochen.
Der Wortbruch des Hamburger Senats
Auch Hamburgs heutiger Regierung ist das Wissen um die Klimaachsen bekannt und sie hat die Wichtigkeit der Stadtbelüftung stets bekräftigt. So hat sie im Koalitionsvertrag 2015 – 2020 Folgendes festgehalten:

Seite 61
„Die Koalitionspartner erkennen an, dass für eine ökologisch verträgliche Stadtentwicklung der Schwerpunkt auf einer Innenverdichtung liegen muss, bei der Landschaftsachsen, … erhalten und weiterentwickelt werden.“
Im Folgenden heißt es:
„Um die Lebensqualität der wachsenden Stadt auch zukünftig zu erhalten, müssen die Grün- und Erholungsanlagen zudem ausgebaut und die Landschaftsachsen erhalten und ökologisch aufgewertet werden.“
Seite 64
„Landschaftsachsen …, … sind keine Wohnungsbauflächen und sollen erhalten bleiben …“
Seite 70
„Die Koalitionspartner einigen sich darauf, … das Freihalten von Frischluftschneisen, … in der Stadtplanung in zunehmendem Maße einzubeziehen.“
Im Klimaplan der Stadt für den Zeitraum bis 2050, von dem Hamburger Senat in Auftrag gegeben, der die Klimaachse in Hummelsbüttel dichtbauen will, heißt es auf Seite 12:
„Für die Anpassung Hamburgs an den Klimawandel ist es daher sehr wichtig, diese Grün- und Freiflächen zu sichern und zu begrünen …“ und einen Satz später, „Zudem sollten kühlende Kaltluftbahnen wie insbesondere die Landschaftsachsen von Bebauung freigehalten werden.“
Alle diese Ziele und Versprechen von SPD und Grünen spielen offenbar heute keine Rolle mehr.

Konzepte
Auch in Zeiten hohen Zuzugs müssen neben der Anzahl geplanter Wohnungen alle anderen Aspekte des gesellschaftlichen Lebens ebenfalls beachtet werden. Es gilt auch in dieser Situation zukunftsweisend und vorausschauend zu handeln und die Lebensqualität dieser Stadt zu erhalten – für alteingesessene und für neue Bürger. Es gilt die belastete Luft aus der Innenstadt ableiten zu können und durch saubere, schadstoffarme Luft zu ersetzen. Besonders für ältere Menschen und Kinder gilt, das Stadtklima auch an heißen Sommertagen erträglich zu halten. Es gilt, Naturräume zur Erholung und Entschleunigung für die Städter zu erhalten und zu stärken, und es ist auch wichtig, gewachsene Kulturräume in der Stadt zu erhalten, zu stärken und folgenden Generationen erlebbar zu machen.

Das Vorgehen von Bürgermeister Olaf Scholz ist doppelt schädlich: für die Integration und für den Natur- und Klimaschutz. Wir fordern den Senat auf, seine auf schnelle politische Erfolge ausgelegte Strategie zu ändern und Alternativen ernsthaft zu prüfen und zu fördern:
Die Stadt muss ausreichend Personal bereitstellen, um eine Verteilung der gewünschten 5600 festen Folgeunterkünfte in kleinen Einheiten über alle Stadtteile sicherzustellen, nur so kann Integration gelingen. Hierfür muss eine Planungsgesellschaft gegründet werden.
Statt sich in Rechtsstreitigkeiten mit den Initiativen aufzureiben, muss der Senat auf diese zugehen und die Angebote für den Bau von durchmischten Wohngebieten annehmen, um mit dem Bau erster Wohnungen beginnen zu können.
Der Senat muss alle Möglichkeiten der Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge fördern, wie z. B. private Unterkünfte, in Wohnungen, umzubauende Bürogebäude, Nutzung von Restflächen in der Stadt für anspruchsvolle Modulbauten.
Der Senat muss ein Fördermodell entwickeln, bei dem Privatleute gefördert werden, wenn sie Hausanbauten oder kleine Modulhäuser auf ihren Grundstücken für Flüchtlinge errichten.
Der Senat muss die Metropolregion Hamburg stärken und ein Stadtentwicklungskonzept mit den umliegenden Gemeinden entwickeln, um Antworten auf den stetigen Wohnungsmangel zu finden. Der Nahverkehr ist hier stark einzubeziehen.

Tätigkeiten und Ziele des Vereins
Der „Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark“ wird von einer breiten gesellschaftlichen Beteiligung getragen. Erstes Ziel ist die Verhinderung von Bebauung in der Frischluftschneise. Hierzu haben wir folgende Wege beschritten und geplant:
Kontaktaufnahme mit den führenden Politikern des Bezirkes und des Senats.
Sammeln und sondieren von Informationen, wie es zur Wahl der Grundstücke in der Feldmark kam.
Weitertragen von Informationen an die Bevölkerung vor Ort, um für die Wichtigkeit des Engagements und für Unterstützung zu werben.
Aufforderung an die Behörden, Informationsveranstaltungen zu den Bebauungen zu machen.
Aufforderung an die Politiker, von ihrem bisherigen Vorhaben Abstand zu nehmen.
Aufzeigen von Alternativen und Aufforderung an die Stadt, diese zu fördern.
Information der Medien über die Ereignisse vor Ort.
Eintritt in den Dachverband der „Initiativen für erfolgreiche Integration Hamburg“.
Prüfung und Anwendung von Rechtsmitteln gegen die Entscheidung des Bezirks, wenn dieser an seinen Plänen festhält.
Der Impuls für die Vereinsgründung ist die akute Gefährdung der Hummelsbütteler Feldmark. Ist die geplante Bebauung verhindert, wird es Ziel und Arbeit des Vereins sein, die Qualität und den Wert der Feldmark für ganz Hamburg zu stärken, zu fördern und über die Grenzen der anliegenden Stadtteile hinaus bekannt zu machen. Ziel muss es sein, künftige Bebauung auszuschließen und die Klimaachse für die Stadtbelüftung zu erhalten.

Weitere Informationen: www.feldmark.info

Pressemitteilung Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark (i.G.)

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