Gesegnete Ruhestörung durch Motorradgottesdienst

Unter dem Motto „Segen tanken“ fuhren Laermschutz-pixabayam Sonntag Zehntausende Teilnehmer des Motorradgottesdienstes knatternd und qualmend durch Hamburg. Motorräder und Motorroller sind, zum Leidwesen von Anwohnern und Besuchern der Stadt, die stärksten Lärmquellen und größten Luftverpester auf unseren Straßen. Der NABU Hamburg kritisiert das jährliche Großevent mit seiner großflächigen und in der Summe unnötigen Lärm- und Abgasbelästigung für die Hamburgerinnen und Hamburger.

 

„Dieser Sonntag war für viele Hamburger weder segensreich noch erholsam, sondern laut und gesundheitsgefährdend“, so Alexander Porschke, 1. Vorsitzender des NABU Landesverbandes Hamburg.

Lärm ist eine der größten Umweltbelastungen der heutigen Zeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Lärm als das zweitgrößte Gesundheitsrisiko nach schlechter Luftqualität ein. Beim jährlichen Motorradgottesdienst treffen bis zu 35.000 Teilnehmer mit ihren lärmenden und stinkenden Maschinen in der Stadt zusammen. Das sind mehr Menschen als zum Beispiel die Insel Sylt Einwohner hat.

„Der Motorradgottesdienst hat weniger mit christlichem Glauben als mehr mit Stadtmarketing zu tun. Dass am Tag des Herren mit kirchlichem Segen und behördlicher Genehmigung vielen Hamburgerinnen und Hamburgern eine völlig entbehrliche Verlärmung durch mehrere Tausend Motorräder zugemutet wird, ist angesichts der bekannten gesundheitlichen Risiken völlig unverständlich“, sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg. Eine vergleichsweise kleine Minderheit von motorisierten Zweitradfahrern lebe ihre Leidenschaft auf Kosten der Gesundheit ihrer Mitmenschen und der Umwelt aus. „Der ohnehin wenig ambitionierte Lärm-Aktionsplan der Stadt Hamburg wird mit solchen Veranstaltungen weiter unterhöhlt“, so Siegert.

Fast 140.000 Hamburger Bürgerinnen und Bürger sind tagsüber von übermäßigem Straßenlärm betroffen, nachts immer noch 120.000. Dazu kämen weitere rund 50.000 durch Schienen- und 40.000 durch Fluglärm Betroffene. Die Stadt unternimmt nach Einschätzung des NABU zu wenig, um ihre Einwohner effektiver vor Lärm und seinen negativen Folgen zu schützen. Auch die Tierwelt leidet unter zahlreichen lärmbedingten Einflüssen. Beispielsweise stellen empfindliche Fledermäuse, die sich anhand von Ultraschall orientieren, bei übermäßigem Lärm die Jagd nach Insekten ein, andere Arten entwickeln eine innere Unruhe durch ständige Alarmbereitschaft.

Übrigens: Bereits Ende Juni kommen zu den Harley Days weitere 50.000 Biker in die Stadt. Es wird ein lauter Monat.

Pressemitteilung NABU Hamburg

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