Forderungen des BBU zum Weltwassertag

Der diesjährige Weltwassertag (22. März) steht unter dem Motto „Abwasser“. Aus diesem Anlass warnt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) vor der Verlagerung von Gewässerverschmutzungen in asiatische Länder sowie vor den konkreten Gefahren für das Grund- und Trinkwasser durch Fracking.

 

Die Flüsse in der Bundesrepublik Deutschland sind größtenteils wieder einigermaßen sauber. Selbst der Lachs lässt sich wieder in Rhein und Elbe blicken. Die Investition von Milliarden Euro in den Bau von Kanalnetzen und Kläranlagen hat sich ohne Zweifel gelohnt. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit: Denn unsere Flüsse sind auch deshalb wieder sauberer geworden, weil die deutsche Wirtschaft viele Grundchemikalien
nicht mehr in Deutschland herstellt – sondern in Indien oder China zu billigsten Weltmarktpreisen einkauft.

Der Erfolg von vergleichsweise geringen Konzentrationen an
Industriechemikalien in unseren Fließgewässern hat damit eine Kehrseite:
Hohe Konzentrationen an Problemchemikalien finden sich jetzt in den
Flüssen der Schwellenländer. Udo Buchholz, Pressereferent des BBU, nennt
noch ein besonders krasses Beispiel: „In der Bundesrepublik werden kaum
noch Antibiotika hergestellt. Die deutschen Krankenkassen kaufen aus
Kostengründen inzwischen neben vielen anderen Pharmawirkstoffen auch die
Antibiotika in Indien und China. Aus den dortigen Pharmafirmen gelangen
mit den Fabrikabwässern Antibiotika-Wirkstoffe in derart hohen
Konzentrationen in die Flüsse, dass sich massenhaft
antibiotikaresistente Bakterien entwickeln.“.

Und noch ein weiteres Beispiel hat Buchholz parat: „Bei uns werden
vermehrt in die Kläranlagen „vierte Reinigungsstufen“ eingebaut, um
möglichst die letzten Reste von Mikroschadstoffen aus dem Abwasser
herauszuholen. Die „vierten Reinigungsstufen“ werden u.a. mit Aktivkohle
betrieben. Und wie könnte es anders sein – auch die Aktivkohle kommt
inzwischen aus Indien und China. Der Herstellungsprozess der Aktivkohle
führt dort zu einer enormen Luft- und Wasserverschmutzung. Während es
hierzulande gelingt, die letzten Mikrogramm und sogar Nanogramm aus dem
Abwasser zu eliminieren, findet sich der Dreck im Tonnenmaßstab in den
Flüssen in Indien und China.“

Das sarkastische Fazit von BBU-Pressereferent Udo Buchholz: „Es ist uns
gelungen, den Gewässerschmutz erfolgreich zu exportieren.“ Umso
wichtiger sei es jetzt, dass sich die deutsche Industrie und die Politik
endlich zu ihrer Verantwortung bekennen: Bei der Beschaffung von
Rohstoffen, Grundchemikalien und Pharmawirkstoffen darf nicht allein der
Preis zählen. Öko- und Sozialdumping darf nicht mehr länger die Basis
für die Einkaufspolitik der deutschen Industrie darstellen, so eine
Kernforderung des engagierten Bundesverbandes Bürgerinitiativen
Umweltschutz zum diesjährigen Weltwassertag.

Fracking ausnahmslos verbieten

Und ein weiteres Thema bewegt den BBU: Fracking. Gerade mit Blick auf
mögliche Verunreinigungen des Grund- und Trinkwassers warnt der BBU
weiterhin vor den Gefahren des Fracking. Der bundesweit aktive Verband
kritisiert massiv das im Februar erfolgte Inkrafttreten der Änderungen
des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Der BBU bezeichnet die neu in das WHG
eingefügten Bestimmungen als einen Freibrief für ein flächendeckendes
Fracking in Niedersachsen und die Vorbereitung für Schiefergasfracking
in ganzDeutschland ab 2021.

Dem oft beschworenen Schutz des Grundwassers hat die Große Koalition
nicht viel

Aufmerksamkeit geschenkt, kritisiert der BBU. So ist es nach wie vor
möglich, dass Stoffe in einer Frackflüssigkeit enthalten sind, die nach
dem europäischen Chemikalienrecht als gefährlich eingestuft sind. Und
das Stoffregister für Frackflüssigkeiten wird zwar im Gesetz erwähnt,
Schritte zu seiner Einrichtung sind jedoch nicht erkennbar. Der BBU
fordert ein ausnahmsloses Fracking-Verbot, das im Bundesberggesetz
festgeschrieben werden muss.

Auch international lehnt der BBU Fracking ab.

Der BBU ruftzum Schutz von Flüssen und anderen Gewässern interessierte
Bürgerinnen und Bürger zur Mitarbeit in Umweltschutz-Bürgerinitiativen
oder direkt zur Mitgliedschaft im BBU auf.

Weitere Informationen:

http://www.akwasser.de
http://www.vsr-gewässerschutz.de
http://www.gegen-gasbohren.de
http://bbu-online.de

Pressemitteilung BBU

Foto: in Hamburg gibt es die Kanalisation seit Mitte des 19. Jahrhunderts (C) WUZ

Dieser Beitrag wurde unter Klima / Energie / Umwelt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.