NABU-Volksinitiative gegen Grünflächenverlust + Reaktionen

Mit großer Mehrheit stimmten am 27.4.  NABU-Mitglieder auf der jährlichen Mitgliederversammlung dem Antrag zur Prüfung für eine neue Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ zu.

 

Alexander Porschke, 1. Vorsitzender des NABU Hamburg, erklärt: „Hamburgs Natur steht unter wachsendem Druck. Wir wollen Hamburg als grüne Stadt erhalten und deshalb dem Flächenfraß etwas Wirksames entgegen setzen. Ich freue mich, dass der Antrag zur Prüfung der Volksinitiative von unseren NABU-Mitgliedern so zahlreich unterstützt wird.“

Hamburgs Grün- und Baumverluste haben sich durch den Wohnungsbau gerade in den letzten fünf Jahren zugespitzt. So gab es im Zeitraum von 2011 – 2016 einen Grünflächenverbrauch für Neubauten von 246 ha, insgesamt 110 Bebauungspläne und fast 2900 Bäume, die demzufolge aus dem Stadtbild verschwunden sind. Die zukünftigen Pläne des Hamburger Senats weisen in eine dramatische Dimension. Mit dem „Bündnis für das Wohnen“ sollen jedes Jahr 10.000 neue Wohnungen entstehen, für die im Vertrag des Bündnisses allein schon 67 ha Flächenbedarf veranschlagt werden. Es klingt deshalb nach einer leeren Floskel, wenn Senatorin Stapelfeldt verkündet: „Wir achten sorgfältig darauf, dass Hamburgs Charakter als grüne Stadt bewahrt bleibt.“ Denn Fakt ist: Werden jedes Jahr 100 ha der im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Siedlungs- und Verkehrsfläche verbaut, sind diese in 10 Jahren verbraucht.

Im November 2016 machte Stapelfeldt deutlich, dass 80% der Wohnungen durch Innenverdichtung entstehen sollen. Jedoch 20% der Wohnungen werden an „anderen Orten“ gebaut – im Klartext heißt das „Bauen auf der grünen Wiese“. Drei geplante Großprojekte zeigen wohin die Reise geht: 11 ha Grünlandfläche für das Projekt Billstedt113 in Öjendorf, 80 ha landwirtschaftliche Fläche für das Gebiet Fischbeker Reethen und gleich 100 ha für den neuen Stadtteil Oberbillwerder.

Es ist altbekannte Salamitaktik, die der Hamburger Senat hier anwendet. In den Sonntagsreden wird die grüne Stadt gelobt. Tatsächlich werden jedoch wertvolle Grünflächen in den Landschaftsachsen Stück für Stück abgeschnitten: hier eine Ecke vom Landschaftsschutzgebiet abgetrennt, dort eine Feuchtwiese zubetoniert. Einzeleingriffe werden bagatellisiert, aber es ist die Summe der einzelnen Teile, die zum Problem geworden ist. Dem Druck auf die StadtNatur wollen wir eine Grenze setzen und entsprechend mit unserer Volksinitiative den Druck an die Politik zurückspielen“, kündigte Porschke nach der Mitgliederversammlung an.

Auf der gestrigen Versammlung wurde deutlich, welch wichtigen Beitrag alle NABU-Mitglieder und Ehrenamtliche durch praktische Arbeitseinsätze für den Erhalt der Natur beitragen. Allein im letzten Jahr fanden über 120 Arbeitseinsätze statt, darunter Biotoppflegeeinsätze, Bach- und StadtNatur-Aktionstage. Dazu Porschke: „Wir Naturschutzmacher arbeiten seit Jahrzehnten praktisch für die Verbesserung der Natursituation in Hamburg. Jetzt setzen wir auf die politische Unterstützung der Menschen in Hamburg, dass dabei nicht an anderen Stellen Grün zerstört wird und Hamburg immer grauer wird.“

Der NABU will sich mit der Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ zum Ziel setzen, Hamburgs Grün nach Fläche, Volumen und Naturwert mindestens zu erhalten. Mit der Unterstützung von aktuell über 22.000 Mitglieder sieht der NABU da gute Chancen. Für eine erfolgreiche Volksinitiative müssen innerhalb von sechs Monaten 10.000 Unterschriften gesammelt werden.

Weitere Informationen unter: www.NABU-Hamburg.de/gruen-erhalten

Pressemitteilung NABU Hamburg 28.4.

Thering: Keine weiteren Grünflächen vernichten
Die CDU Alstertal und der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Thering fordern, keine weiteren Grünflächen im Alstertal und den Walddörfern für den Wohnungsbau zu opfern und stattdessen den grünen Charakter in Hamburgs Norden zu erhalten. Heute hat sich die Volksinitiative „Hamburg Grün erhalten“ gegründet. Diese hat nach eigenen Angaben zum Ziel, den Flächenfraß in Hamburg zu stoppen.
Dennis Thering, CDU-Wahlkreisabgeordneter für das Alstertal und die Walddörfer und Vorsitzender der CDU Alstertal: „Der Flächenfraß des rot-grünen Senats macht vor keiner Grünfläche halt. Selbst in Landschaftsschutzgebieten wie der Hummelsbüttler Feldmark wird jetzt Wohnungsbau betrieben. Seit Jahren spricht sich die CDU Alstertal gegen die Erschließung und Bebauung immer neuer Grünflächen aus. Wir können doch nicht alle Flächen versiegeln und dann noch von einer besonders lebenswerten Stadt sprechen. Es wird Zeit, dass wir zu einer Politik der maßvollen Nachverdichtung zurückkehren und den rot-grünen Kahlschlag stoppen.“

Pressemitteilung CDU Bürgerbüro Alstertal 29.4.

CDU fordert den Erhalt von Grünflächen im Bezirk
Ende April hat sich die NABU-Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ gegründet. Diese hat zum Ziel, Hamburgs Grünflächen zu erhalten und vor der weiteren Vernichtung durch überdimensionierten Wohnungsbau zu schützen. Auch die CDU-Bezirksfraktion Wandsbek fordert, dass keine weiteren Grünflächen im Bezirk für den Wohnungsbau geopfert werden. Stattdessen soll der grüne Charakter erhalten bleiben und der Wohnungsbau durch angemessene Maßnahmen der inneren Verdichtung erfolgen.
Philip Buse, CDU-Fachsprecher für Planung: „Immer mehr Grünflächen fallen der Wohnungsbaupolitik des rot-grünen Senats zum Opfer. Auch macht der Senat vor Landschaftsschutzgebieten nicht halt. Als Fraktion haben wir uns schon frühzeitig gegen die Bebauung immer neuer Grünflächen ausgesprochen. Je mehr Flächen bebaut werden, desto mehr geht uns der grüne Charakter unserer Stadt verloren. Wir wollen der Grünflächenvernichtung auch im Bezirk wirksam entgegentreten und unterstützen daher die Ziele der Volksinitiative nachdrücklich. Die Zerstörung von immer mehr Grünflächen muss gestoppt werden!“

Pressemitteilung CDU Bezirksfraktion Wandsbek 9.5.

WUZ-Info zum Grünflächenverbrauch:

Sowohl unter den alten und neuen SPD geführten Senaten als auch unter dem CDU geführten Senat (2001-11) wurden Grünflächen vernichtet. Die SPD nennt es jetzt „Vertrag für Hamburg“ oder „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ bei der CDU hieß es „Wachsende Stadt“. Die einen wollten vor allem Einfamilienhäuser bauen, die anderen Mietwohnungsbau. Grünflächen haben sie alle in Anspruch genommen.
Am 19.9.2007 kritisierte der NABU den Flächenverbrauch des CDU-Senats: „Anlässlich der heutigen Vorstellung des Berichts „Monitor Wachsende Stadt – Bericht 2007“ durch Senator Jörg Dräger kritisiert der Naturschutzbund NABU den wachsenden Flächenverbrauch in der Stadt Hamburg. Dem Monitor zufolge errechnet sich seit dem Jahr 2002 ein durchschnittlicher Flächenverbrauch von 364 Hektar pro Jahr. In den 1990er Jahren lag der Flächenverbrauch im Durchschnitt noch bei 140 Hektar pro Jahr. 2001 waren es sogar nur 41 Hektar pro Jahr. Diese Entwicklung wirke sich negativ auf die Artenvielfalt, auf den Wasserhaushalt und die Hochwasserschutzfunktion von Freiflächen sowie auf die CO2-Bindung des Bodens aus, so der NABU.“
Und darüber hinaus werden neben der Grünflächenvernichtung die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen nicht umgesetzt. So warten die Volksdorfer bereits seit 1994 auf den Grünflächenausgleich für den Bau der Großsiedlung am Moorbekring (Volksdorf 32).

hier einige Beispiele:

– Wohldorf-Ohlstedt 13/Hoisbüttler Straße 1990 B-Plan durch Gericht aufgehoben. Neuer Plan 2002: Erfolgreiches Bürgerbegehren, Evokation. 220 WE geplant (beschlossen 2008) – noch nicht gebaut, aber auch nicht vom Tisch (Wiesen- und Ackerflächen, Landschaftsschutzgebiet – LSG)
– B-Plan Bergstedt 23/Immenhorstweg 150 WE (2006). Erfolgreiches Bürgerbegehren (2002), zwei Evokationen. Ursprünglich waren mehr als 800 WE geplant. Fertiggestellt (Wiesen- und Ackerflächen, LSG)

Diverse Bebauungspläne wurden auch durch die CDU sowie die SPD in der Bezirksversammlung Wandsbek auf den Weg gebracht. Fast alle Flächen waren einmal Landschaftsschutzgebiete, sodass sich bei den Initiativen der traurige Satz verfestigte:
„Landschaftsschutzgebiete sind Bauerwartungsland“:

– Hotel- und Golfplatzerweiterung Treudelberg (B-Pläne) Protest durch Heimatbund (Acker- und Wiesenflächen)
– Bredenbekkamp/Ohlstedt 68WE, Bürgerbegehren (verwildertes Grundstück) in der Planung
– B-Plan Lemsahl-Mellingstedt 14/Hinsenfeld (Ackerfläche) 160 WE+25 WE auf dem Gelände des früheren Asylbewerberdorfs. Proteste des Heimatbundes Lemsahl-Mellingstedt und der Naturschutzverbände – durch Verhandlungen mit Initiative verlegt zum Spechtort (Acker mit Weihnachtsbäumen)
– Streuobstwiese Pfefferkrug/Lemsahl-Mellingstedt Erfolgreiches Bürgerbegehren. Trotzdem wurden von den geplanten 40 WE 18 erstellt (Obstwiese)
– B-Plan Poppenbüttel 39/Strengesweg Initiative kämpfte seit 2001 für den Erhalt der alten Arbeitersiedlung. Erfolgreicher Bürgerentscheid gegen den Plan, 125 WE dazu zubauen. Trotzdem wurde begonnen (Bebauung in ehemaligen Gärten)
– B-Plan Bergstedt 24/Kirchenkoppel 2006 26 WE geplant, erfolgreiches Bürgerbegehren. Bisher nicht gebaut (Wiesen+Weidefläche)
– B-Plan Bergstedt 19/Twietenkoppel 330 WE in Mehrfamilien-, Reihen, Doppel- und Einzelhäusern. Führte zusammen mit Bergstedt 20 zur Gründung der BIN-Bürgerinitiative für Naturerhalt Bergstedt (1989). Inzwischen fertig (Acker- und Wiesenflächen)
– B-Plan Bergstedt 20/Lottbeker Weg 120 WE geplant. BIN verhinderte den B-Plan, so dass „nur“ 13 DH und drei EFH nach Baustufenplan entstanden (Pferdewiese)
– B-Plan Bergstedt 18/Plaggenkamp 7,5 ha Gewerbegebiet nördlich und südlich der Bergstedter Chaussee. Erfolgreiches Bürgerbegehren. Bisher nur in geringem Umfang realisiert (Acker- und Wiesenflächen)
– B-Plan Volksdorf 32/Buchenkamp-Ost. BI Buchenkamp-Ost kämpfte viele Jahre für den Erhalt der Grünflächen am Tonrads- und Kiebitzmoor. Ohne Erfolg. Wegen der Nähe zur U-Bahn befürwortete auch die GAL die Bebauung mit 310 WE. Siedlung fertig. (Acker- und Wiesenflächen)
– Volksdorf 34/Meienredder Bebauung mit 150 WE samt neuer Grundschule. Proteste durch BI Buchenkamp haben nichts genützt. (Acker- und Wiesenflächen)

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