Studenten sollen zu Flüchtlingen ziehen

Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und das Studierendenwerk Hamburg haben sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt, um die Durchmischung der neuen Quartiere zu unterstützen, die im Rahmen des Senatsprogramms Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen entstehen. Ziel ist es, einen Teil der Wohnungen ab dem kommenden Jahr an Studierende und Auszubildende zu vermieten. Voraussetzung für dieses neue Wohnangebot ist, dass die Eigentümer an den jeweiligen Standorten zustimmen und dass das dafür erforderliche Planrecht vorliegt.

 

 

Anlässlich der Unterzeichnung des „Letter of Intent“ erklärte Staatsrat Matthias Kock: „Mit dieser Vereinbarung haben Senat und Studierendenwerk einen wichtigen Schritt gemacht, um zur Durchmischung und Stabilisierung der neuen Quartiere im Sinne der Bürgerverträge beizutragen. Nun geht es darum, möglichst schnell mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen und gemeinsam mit dem Studierendenwerk die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.“

Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer Studierendenwerk Hamburg: „Wir freuen uns sehr darüber, mit dieser Erweiterung unseres Angebotes die Wünsche von Studierenden nach Wohnformen, die den ganz unterschiedlichen jeweiligen Lebenssituationen gerecht werden, noch besser erfüllen zu können. Insbesondere Studierende, Auszubildende und Doktorandinnen und Doktoranden mit und ohne Familie haben andere Wohnbedürfnisse als Studierende, die z. B. als Single in der Anfangsphase des Studiums in einer Studierendenwohnanlage wohnen. Mit der Vereinbarung erhöhen wir die Attraktivität des Hochschulstandorts Hamburg auch für internationale Studierende besonders in Masterprogrammen und für Doktoranden; auch sie sind auf preisgünstigen Wohnraum angewiesen.“

Die Standorte am Hörgensweg und am Mittleren Landweg eignen sich besonders gut für eine Kooperation mit dem Studierendenwerk, da sie in unmittelbarer Nähe zu Hamburger Hochschulen liegen und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Vom Hörgensweg sind es bis zur Universität Hamburg (Dammtor-Bahnhof) rund 15 Minuten mit Bus und Bahn, vom Mittleren Landweg rund 10 Minuten mit der S-Bahn bis zur Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Haltestelle Berliner Tor).

Derzeit streben die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und das Studierendenwerk am Mittleren Landweg und am Hörgensweg eine Größenordnung von jeweils 50 Haushalten an. Voraussetzung dafür ist, dass die Eigentümer zustimmen und an den jeweiligen Standorten bauplanungsrechtlich das Wohnen zulässig ist. Mit der sogenannten Vorweggenehmigungsreife des Bebauungsplans ist für beide Standorte ab 2018 zu rechnen.

In den kommenden Monaten strebt das Studierendenwerk mit Unterstützung der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Kooperationsvereinbarungen mit den Eigentümern an. Während sich die Behörde bei den Eigentümern um die Kooperation und bei den zuständigen Bezirksämtern um den Zugang zu den Sozialwohnungen für die Studierenden kümmert, ist das Studierendenwerk für die Vermittlung der Wohnungssuchenden an die Eigentümer verantwortlich.

Um in eine der öffentlich geförderten Wohnungen einziehen zu können, müssen die Studierenden einen Wohnberechtigungsschein vorlegen. Ausländische Promovierende mit Aufenthaltserlaubnis hingegen werden vom jeweiligen Bezirksamt eine sogenannte Freistellungsgenehmigung von der Belegungsbindung benötigen.

Jürgen Allemeyer vom Studierendenwerk: „Wir werden die Standorte bei wohnungssuchenden Studierenden bewerben und bieten so nicht nur preisgünstige Wohnmöglichkeiten, sondern tragen auch zu einer sozial ausgewogenen Stadtteilentwicklung bei. Ein Zusammenleben von Studierenden und Menschen mit Fluchthintergrund bietet für beide Gruppen Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten.“

Staatsrat Matthias Kock: „Ich bin überzeugt, dass alle Seiten von dieser Kooperation profitieren werden: Studierende und Auszubildende ebenso wie die Geflüchteten und die bereits dort lebenden Anwohnerinnen und Anwohner. Nicht zuletzt kommen wir den Vereinbarungen aus den Bürgerverträgen nach und unterstützen damit die Entwicklung einer lebendigen Nachbarschaft.“

Hintergrund:

Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen

Das Senatsprogramm Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen ist im November 2015 beschlossen worden, um für die große Zahl der schutzsuchenden Menschen ausreichende und angemessene Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Bei den Unterkünften handelt es sich um Festbauten im normalen Standard des geförderten Wohnungsbaus, also um Wohnungen mit eigenen Küchen und Bädern. Die Wohnungen sollen zunächst Flüchtlingen und später, soweit das dafür erforderliche Planrecht vorliegt, dem regulären Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen.

Von den zwölf Standorten der Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen sind die Unterkünfte am Mittleren Landweg (Billwerder) und Elfsaal (Jenfeld) bereits in Betrieb. Acht Vorhaben sind im Bau bzw. es finden bauvorbereitende Maßnahmen statt und für zwei Standorte werden derzeit die Bauanträge vorbereitet. Geplant sind insgesamt etwa 2.500 Wohneinheiten mit rund 9.000 Plätzen.

Wohnen in einer Wohnanlage für Studierende (und Azubis) des Studierendenwerks Hamburg

Das Studierendenwerk Hamburg ist der größte Anbieter möblierten Wohnraums in Hamburg. Rund 3.950 Studierende leben in den 23 Wohnanlagen des Studierendenwerks Hamburg zu günstigen Mieten ab 233 Euro brutto warm bzw. 355 Euro in Neubauten im möblierten Standardzimmer (inkl. schnellem Internet, Kabelfernsehen, Reparaturservice, Gemeinschaftsräumen). In zwei bestehenden und einer im Bau befindlichen Wohnanlage ist außerdem ein Kontingent von insgesamt bis zu 140 Plätzen für Auszubildende vorgesehen. Preisgünstiger Wohnraum wird auf dem studentischen Wohnungsmarkt auch weiterhin nachgefragt. Neben der Sanierung bestehender Wohnanlagen leistet das Studierendenwerk Hamburg einen Beitrag zu preisgünstigen Mieten, indem es sein Angebot um rund 640 Plätze in den kommenden Jahren bedarfsgerecht erweitert, und unterstützt so Studieninteressierte dabei, unabhängig vom Familieneinkommen ein Studium aufzunehmen. Als Partner der Studierenden und Hochschulen sorgt das Studierendenwerk für die soziale Infrastruktur, die zum Studium gehört, u. a. mit Mensen und Cafés, Studienfinanzierungsberatung und BAföG-Auszahlung, Beratungsangeboten in schwierigen Lebenssituationen und Kinderbetreuung für Studierende mit Kind.

Pressemitteilung der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen

Gemischte Quartiere fördern die Integration
Aus geplanten Flüchtlingsunterkünften werden neue Wohnungen für Studierende und Auszubildende

Der rot-grüne Senat hat heute eine Kooperation mit dem Hamburger Studierendenwerk bekanntgegeben. Ab 2018 sollen Wohnungen aus dem Projekt „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ am Mittleren Landweg und Hörgensweg auch an Studierende und Auszubildende vermietet werden. Damit soll die Durchmischung der Quartiere im Sinne der abgeschlossenen Bürgerverträge gefördert werden.

Dazu Anjes Tjarks, Vorsitzender der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Die Kooperation zwischen Studierendenwerk und Stadtentwicklungsbehörde bringt eine tolle Win-win-Situation für Hamburg. Wir bieten Studierenden ein zusätzliches Wohnangebot auf dem umkämpften Hamburger Wohnungsmarkt an und steigern so die Attraktivität Hamburgs als Hochschulstandort. Gleichzeitig verbessern wir damit die Erfolgschancen von Integration in Hamburg erheblich. Wir wissen, dass in gemischten Quartieren die Einbindung von zu uns geflüchteten Menschen am besten funktioniert. Dazu werden die Studierenden beitragen und die Viertel noch ein bisschen bunter machen. Das ist eine tolle Umsetzung im Sinne der mit den Initiativen abgeschlossenen Bürgerverträge.“

Dazu SPD-Fraktionschef Andreas Dressel: „Wir halten Wort: Die neuen Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen werden wie versprochen von Anfang an zu gemischten, integrationsfreundlichen Quartieren entwickelt. Genauso haben wir es in der Verständigung mit der Volksinitiative ‚Hamburg für gute Integration‘ festgeschrieben. Es freut uns, dass diese Ideen aus den vielen Gesprächen nun in die konkrete Umsetzung gehen: Die Vereinbarung zwischen Stadtentwicklungsbehörde und Studierendenwerk für die Standorte Mittlerer Landweg und Hörgensweg ist hier ein weiterer wichtiger Schritt zur Umsetzung der Bürgerverträge vor Ort. Gerade das Wohnen von jungen Leuten wie Auszubildende oder Studierende stellt für die neuen Quartiere eine enorme Bereicherung dar.“

Pressemitteilung der rot-grünen Bürgerschaftskoalition

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