Statt Betonwüste: Hamburgs Grün erhalten

Mit der offiziellen Anmeldung im Hamburger Rathaus geht die Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ morgen an den Start. Vom 1. Dezember 2017 bis längstens zum 31. Mai 2018 läuft die Unterschriften-Aktion, bei der insgesamt 10.000 gültige Unterschriften gesammelt werden müssen.

 

Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg: „Es ist an der Zeit, den fortschreitenden Grünverlust in unserer Stadt nicht nur zu beklagen. Mit der Volksinitiative schlagen wir einen Weg ein, mit dem wir dem ungebremsten Flächenverbrauch eine deutliche Grenze setzen wollen. Eine große Stadt im Zentrum einer Metropolregion braucht ein Umdenken hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dazu gehört eine Planung, die Grenzen berücksichtigt, anstatt unbegrenzten Wachstumsphantasien freien Lauf zu lassen. Wir brauchen ein gutes Stadtklima und grüne Lebensräume für Menschen und Tiere im Einklang mit Siedlungsentwicklung und durchdachter Infrastruktur.“

Die NABU-Volksinitiative verfolgt das Ziel, dass der Wille der Hamburger Bürger, ihr Grün zu schützen, anstatt es weiteren Bauvorhaben zu opfern, größtmögliche rechtlich zulässige Priorität bekommt. Wir wollen eine politische Debatte, die sich damit auseinandersetzt, wie Hamburgs Grün auch in Zukunft erhalten bleibt.

Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg: „Wenn Bürgermeister Scholz sagt, er wolle mit dem Bau von Wohnungen nie wieder aufhören, klingt das für mich mehr nach einer Drohung als nach einer Lösung. Wo und wie dauerhaft 10.000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden sollen, bleibt das Geheimnis des Senats. Unsere Initiative fordert nicht den Baustopp von Wohnungen. Vielmehr geht es uns darum, bestehende Potentiale zu nutzen, statt eine Grünfläche nach der nächsten zu betonieren.“

Nach Senatsangaben wurden seit 2001 im Mittel 186 Hektar pro Jahr für den Bau von Wohnungen, Gewerbegebieten und Verkehrsinfrastruktur verbraucht. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, steuert die noch grüne Stadt Hamburg in Richtung Betonwüste. Der NABU appelliert deswegen an die Politik, schon heute nachhaltig zu planen und bereits versiegelte Flächen (wie Supermarktparkplätze oder stillgelegte Gewerbeflächen) effektiver zu nutzen. Außerdem sollten Häuser entlang der Hauptverkehrsachsen aufgestockt und gleichzeitig lärmsaniert werden. Eine Kernforderung der Initiative ist, die Zwischenräume nach dem Achsenmodell von Fritz Schumacher für eine gute Durchlüftung der Stadt freizuhalten.

Für Alexander Porschke hängt unsere Lebensqualität vom Grün der Stadt ab: „Eine Großstadt wie Hamburg kämpft mit Lärm- und Luftbelastungen. Außerdem hat nicht jeder einen eigenen Garten vor der Tür. Umso wichtiger ist, dass wir das öffentliche Grün bewahren. Auch die verantwortlichen Politiker müssen verstehen, dass in einer begrenzten Stadt das Wachstum nicht grenzenlos sein kann. Unterstützen Sie unsere Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“.“

Wortlaut der Forderung der NABU-Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“
„Ich fordere Bürgerschaft und Senat auf, darauf hinzuwirken, den Anteil des Grüns in Hamburg zu erhalten, wobei Hamburgs Grün der gesamten gemeinsamen Fläche von Grünanlagen, Kleingärten, Friedhöfen, Parkanlagen, Naturnahen Landschaften, Wäldern, Landwirtschaftlichen Kulturlandschaften sowie Gewässerlandschaften und Auenentwicklungsbereichen (Milieus laut Hamburger Landschaftsprogramm) entspricht und der Anteil sich auf die Gesamtfläche Hamburgs zum Stichtag 01.06.2018 bezieht.“

Begründung der NABU-Volksinitiave „Hamburg Grün erhalten“
„Hamburgs Grün erfüllt wichtige ökologische und soziale Funktionen. Es bietet Kindern und Erwachsenen Erholung, verbessert Luftqualität und Klima und ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ setzt sich für eine moderne Stadtentwicklung ein, so dass Hamburgs Grün erhalten bleibt. Der geforderte Grünerhalt bezieht sich dabei auf das Landschaftsprogramm der Freien und Hansestadt Hamburg. Die im Landschaftsprogramm aufgeführten Planungskategorien für Hamburgs Grün – dort als „Milieus“ bezeichnet –sind: Grünanlagen, Kleingärten, Friedhöfe, Parkanlagen, Naturnahe Landschaften, Wälder, Landwirtschaftliche Kulturlandschaften sowie Gewässerlandschaften und Auenentwicklungsbereiche. Der Senat und die Bürgerschaft sollen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten darauf hinwirken, den Flächenumfang des Hamburger Grüns zu erhalten.“

Ab dem 01. Dezember können Unterschriftenlisten telefonisch angefordert werden unter 040 – 6970890 oder stehen als Download auf der Website www.NABU-Hamburg.de/unterschreiben zur Verfügung.
Im Dezember wird die Initiative in der Innenstadt zwischen Mönckebergstraße und Jungfernstieg präsent sein, um Unterschriften zu sammeln und für ihr Ziel zu werben.

Nabu_Gruen-erhalten-Flyer

Pressemitteilung NABU HH


Nabu-Volksinitiative: Es geht um eine kluge Stadt- und Grünflächenentwicklung

Der Naturschutzbund Nabu hat heute (30.11.) die Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ angemeldet. Die Grüne Bürgerschaftsfraktion unterstützt die Zielrichtung, Hamburg als grüne Großstadt zu erhalten. Dennoch muss mit Blick auf den Wohnungsbau ein genauer Abwägungsprozess stattfinden.

Dazu Anjes Tjarks, Vorsitzender der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Klar ist, dass wir als Güne mit dem Nabu übereinstimmen, Hamburg als grüne Großstadt zu erhalten und zu entwickeln. Deswegen haben wir auch drei große neue Naturschutzgebiete eingerichtet und den Naturcent als zusätzliche Einnahmequelle für mehr Grün installiert. Mit dem kürzlich vorgestellten Projekt `Natürlich. Hamburg` bringen wir Parks und Naturschutz dichter zusammen und holen die Natur in die Stadt zurück. Mit Blick auf den Wohnungsbau ist unsere Linie klar: Es geht vorrangig um die Nachverdichtung im Innenstadtbereich und nicht auf der grünen Wiese. Deswegen haben wir dafür gesorgt, dass Hamburg mit dem Sprung über die Elbe auf den Grasbrook in der inneren Stadt wächst und dabei sogar Flächen in einem großen Umfang entsiegeln wird. Allerdings müssen wir mit Blick auf den stetigen Zuzug von neuen Bürgerinnen und Bürgern auch darauf achten, dass es bei der Schaffung von Wohnraum um Abwägungsprozesse geht – vor allem was günstigen Wohnraum betrifft. Diese Abwägungsprozesse sind für eine kluge Stadt- und Grünflächenentwicklung unabdingbar.“

Dazu Ulrike Sparr, umweltpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Die Diskussion über das Stadtgrün ist wichtig und richtig. Hamburg ist sich seiner Verantwortung in diesem Bereich bewusst und bleibt nicht tatenlos. So haben wir im vergangenen Jahr neue Naturschutzgebiete eingerichtet und mit dem Naturcent ein zusätzliches Finanzierungsinstrument eingeführt. Auch mit dem neuen und langjährig angelegten Projekt `Natürlich Hamburg!` wird viel für die naturnahe Fortentwicklung unseres Grüns getan.

Das Thema Flächenschutz reicht jedoch weit über Hamburg hinaus. Denn auch im Speckgürtel und weiten Teilen der Metropolregion steigen die Einwohnerzahlen und Flächen werden versiegelt. Es ist also nur begrenzt sinnvoll zu sagen, die Menschen sollen doch ins Umland ziehen. Das Grundproblem scheint mir vielmehr zu sein, dass eine verhängnisvolle negative Dynamik in den Flächenländern entstanden ist. Arbeitsplatzverluste und Vernachlässigung der Infrastruktur haben dazu geführt, dass immer mehr Menschen in die Städte ziehen. Damit wächst der Druck auf die Flächen und das Grün. Mit innerstädtischer Nachverdichtung lässt sich dieser teilweise auffangen, aber auch das stößt oft auf Kritik der bereits Ansässigen. Umgekehrt kann in einigen ländlichen Bereichen kaum noch eine sinnvolle Infrastruktur für Verkehr, Gesundheit, Bildung, Kultur aufrechterhalten werden, was zu weiteren Fortzügen führt. Was wir brauchen, ist eine ganzheitliche Diskussion in der gesamten Republik und wahrscheinlich auch Hilfen für die Flächenländer, um die Attraktivität ihrer Regionen wieder zu erhöhen. Diese Diskussion ist nun eröffnet. “

Pressemitteilung GRÜNE Bürgerschaftsfraktion Hamburg


NABU-Volksinitiative – Wohnungsbau und Grünerhalt nicht gegeneinander ausspielen

Heute hat der Naturschutzbund (NABU) eine Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ eingereicht. Aus Sicht der SPD-Bürgerschaftsfraktion geht es darum, beim Wohnungsbau und der Flächennutzung weiter auf einen Interessenausgleich zu setzen, der die ökologischen und sozialen Belange berücksichtigt. Eine behutsame Innenentwicklung und eine Stadterweiterung mit Augenmaß sind dabei die Richtschnur.

Dazu Monika Schaal, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Mit ihrem Engagement für Hamburgs Grün greift die Initiative ein wichtiges Thema auf, dem wir uns ebenso verpflichtet fühlen. Tatsache ist: Keine deutsche Großstadt hat mehr Grünflächen als Hamburg. Über neun Prozent der Landesfläche sind als Naturschutzgebiete besonders geschützt, 20 Prozent als Landschaftsschutzbiete ausgewiesen, darüber hinaus haben wir über 69 unterschiedlich große Parks überall in der Stadt. Kleingärten, landwirtschaftliche Flächen, Wald sowie Wasserflächen und 245.000 Straßenbäume prägen außerdem das grüne Erscheinungsbild Hamburgs. Das gerade erst in dieser Woche vorgestellte Projekt ‚Natürlich Hamburg‘ sorgt mit erheblichen Mitteln des Bundes dafür, dass Parks und Naturschutzgebiete enger zusammenwachsen können, ebenso wird die Sicherung des Biotopverbundes gerade abgeschlossen. Mit dem Naturcent hat Hamburg ferner zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, weitere Mittel für die Pflege der Stadtnatur zu bekommen. All das trägt dazu bei, den grünen Charakter der Metropole Hamburg zu erhalten – trotz des anhaltenden Zuzugs und Wachstums der Stadt und des Neubaus von 10.000 Wohnungen pro Jahr. Ein vernünftiger Ausgleich zwischen dem notwendigen Wohnungsbau und dem berechtigten Anliegen des Grünerhalts ist Kernanliegen unserer Koalition. Ein Einfrieren der Flächennutzung, wie es die Initiative fordert, würde dagegen in jeder Hinsicht Stillstand bedeuten, denn damit dürften nicht nur für Neubauten keine Freiflächen mehr in Anspruch genommen, sondern umgekehrt auch keine weiteren Flächen für neue Parks, Kleingärten, Landschafts- oder Naturschutzgebiete ausgewiesen werden.“

Dazu Dirk Kienscherf, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Ziel unserer nachhaltigen Stadtentwicklung ist es, dass Hamburg eine grüne und lebenswerte Metropole am Wasser bleibt. Wohnungsbau und Grünerhalt gegeneinander auszuspielen bringt uns nicht weiter und geht an der Realität vorbei. Wir setzen beim Wohnungsbau und der Flächennutzung weiter auf einen vernünftigen Ausgleich, bei dem die ökologischen Interessen mit den sozialen Belangen klug und im Einzelfall abgewogen werden. Nur so bewältigen wir die Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen dringend benötigtem Wohnraum und sozial-ökologisch ausgewogenem Bauen. Behutsame Nachverdichtung und Grünentwicklung in den Quartieren gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern voranzubringen, ist Kern unserer Politik.“

Pressemitteilung SPD-Bürgerschaftsfraktion

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