Raser und andere Ruhestörer

Umfrage Lärmaktionsplanung: Zu viel Lärm in den Straßen – Nachtflugverbot begrüßt
Mehr als 4.300 Hamburgerinnen und Hamburger haben sich im Rahmen der Lärmaktionsplanung in Hamburg an einer Umfrage über Lärm in ihrem Wohnumfeld beteiligt. Die zentrale Erkenntnis der Umfrage: der Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es zu laut. Insgesamt sprechen sich 90 Prozent für eine Reduzierung des Lärms im eigenen Wohnumfeld aus.

 

Die EG-Umgebungslärmrichtlinie fordert, dass die Lärmaktionspläne unter Beteiligung der Öffentlichkeit überprüft und fortgeschrieben werden. Die Befragung kommt dieser Pflicht nach. Sie stellt den Auftakt zur Fortschreibung des zweiten Lärmaktionsplanes der Freien und Hansestadt Hamburg dar, der für die kommenden fünf Jahre Gültigkeit haben wird. Die Ergebnisse fließen in die Fortschreibung des bestehenden Plans ein, der im Rahmen eines behördenübergreifenden Prozesses erstellt und umgesetzt wird.

Umweltsenator Jens Kerstan: „Die hohe Resonanz auf die Umfrage zeigt: Lärm ist ein Umweltproblem von starker Relevanz, das in der Politik bisher unterschätzt wurde. Es treibt die Menschen in dieser Stadt um. Rücksichtnahme ist dabei ein wichtiger Aspekt. So zeigen die Ergebnisse, dass Raser und andere individuelle Ruhestörer einen großen Einfluss auf die Lärmbelästigung der Hamburgerinnen und Hamburger haben. Das muss nicht sein ! Jeder kann durch eine angepasste Fahrweise einen positiven Beitrag zur Lärmreduzierung leisten. Schließlich ist Lärm nachgewiesener Maßen gesundheitsschädlich.“

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben an, sich insbesondere des Nachts von Rasern und lauten Motorrädern in ihren Straßen gestört und belästigt zu fühlen. Tagsüber sind Busse und Lkws die größten Störfaktoren. Dass zu viel Lärm gesundheitsschädlich sein kann, ist der Wissenschaft lange bekannt. Entsprechend machen sich auch rund zwei Drittel der Befragten wegen des Lärms Sorgen um ihre Gesundheit. Ebenso viele sehen ihren Schlaf durch den Straßenlärm gestört. Fast jeder Vierte sagt zudem, schon einmal aus Lärmgründen in Hamburg umgezogen zu sein. Um bei solchen Lärmbelastungen Abhilfe zu schaffen, hat die Umweltbehörde unter anderem ein Programm zur Förderung passiver Schallschutzmaßnahmen aufgelegt. Sechs Millionen Euro stehen dafür bereit und können abgerufen werden.

Eindeutig ist die Ansicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage auch zum Thema Nachtflugverbot. Dreiviertel der Befragten wünscht sich eine konsequente Unterbindung des Flugverkehrs nach 23.00 Uhr.

Die Befragung stand den Bürgerinnen und Bürgern vom 22. Mai bis 19. Juni 2018 im Internet zur Verfügung.

Der Abschlussbericht ist im Internet unter https://www.hamburg.de/oeffentlichkeitsbeteiligung-zur-fortschreibung-laermaktionsplan/ abrufbar.

Pressemitteilung der Behörde für Umwelt und Energie


Fluglärm: Hamburg wünscht sich mehr Ruhe

Die Hamburger Umweltbehörde (BUE) hat die Ergebnisse der Befragung im Rahmen der aktuellen Lärmschutzaktionsplanung ausgewertet: Mehr als 4.300 Menschen haben sich an dieser umfassenden Umfrage beteiligt. Resultat: 90 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger ist es an ihrem Wohnort zu laut. Besondere Belastungsträger sind dabei der Straßen- und Fluglärm.

Mit einem deutlichen Votum haben sich die Befragten zur Reduzierung des Fluglärms für eine konsequente Nachtruhe am innerstädtisch gelegenen Hamburger Verkehrsflughafen ausgesprochen. Drei von vier Befragten fordern im Rahmen der gültigen Betriebserlaubnis des Flughafens nach 23 Uhr keine Starts und Landungen mehr. Für den grünen Ressortchef Jens Kerstan zeigt sich in der Umfrage die hohe Relevanz der Lärmproblematik bei der Bevölkerung. Damit stimmt er mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überein. Diese beziffert Lärm nach der Luftverschmutzung als größte Umweltbelastung weltweit.

Dazu Martin Mosel, Sprecher der Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW): „Das Umfrageergebnis ist ein klarer Auftrag an die Politik endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden und dem Schutz der Bevölkerung vor unzumutbaren Fluglärm eine hohe Priorität beizumessen. Es bestätigt sich insbesondere das Anliegen der Volkspetition des BUND Hamburg für ein konsequentes Nachtflugverbot ab 22 Uhr, für das fast 15.000 Menschen unterschrieben haben. Jetzt, kurz vor der Entscheidung des Senats, wie der Petitionsauftrag umgesetzt werden soll, appelliere ich an den regierenden Senat und alle Parteien der Hamburgischen Bürgerschaft das Schutzanliegen der Menschen ernst zu nehmen und für eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in den An- und Abflugschneisen sowie im Flughafennahbereich einzutreten. Nur ein konsequentes Nachtflugverbot im Rahmen der gesetzlichen Nachtruhe zwischen 22 Uhr und 6 Uhr verhindert gesundheitliche Schadwirkungen durch fehlenden Schlaf an Körper und Geist.“

Pressemitteilung Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW)


Lärmschutz – eine Daueraufgabe der Politik

Anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse zur Umfrage zur Lärmaktionsplanung durch die Umweltbehörde erklärt Monika Schaal, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Die Senatsumfrage bestätigt: Lärm ist eines der größten Umweltprobleme. Darum ist Lärmschutz eine Daueraufgabe der Politik. Beim Lärmschutz fangen wir auch nicht bei Null an: Viele Maßnahmen sind bereits – auch vom rot-grünen Senat – angeschoben und eingeleitet worden.“

Eines der größten und teuersten Lärmschutzprojekte, so Schaal, ist die Überdeckelung der A7. Die kürzliche Fertigstellung der Weströhre unter dem Schnelsener Deckel hat für die Anliegerinnen und Anlieger der stark befahrenen Autobahn schon jetzt erheblich mehr Lebensqualität und Ruhe gebracht. Nach Fertigstellung der drei Deckel in Schnelsen, Stellingen und Altona werden nicht nur die unmittelbaren Anliegerinnen und Anlieger der Autobahn vor Lärm geschützt. Der Lärmschutz kommt auch weiter entfernt liegenden Stadtgebieten zugute. In fast allen Wohnstraßen darf schon heute nur Tempo 30 gefahren werden. Darüber hinaus sorgt der Senat mit der gezielten Einrichtung von zehn nächtlichen Tempo 30-Abschnitten an stark befahrenen Straßen in der Nacht für mehr Ruhe. Damit die Geschwindigkeitsbegrenzungen auch eingehalten werden, wird die Innenbehörde mit der zusätzlichen Einstellung von 360 sog. „Angestellten im Polizeidienst“ auch für mehr Geschwindigkeitskontrollen im Stadtgebiet sorgen. Mit der Kontrollgruppe „Autoposer“ bekämpft die Hamburger Polizei das „Aufmotzen“ von Fahrzeugen zu „dröhnenden Boliden“. Auch das trägt zum Lärmschutz bei.

Darüber hinaus plant der Senat, die schon früher aufgelegten Programme zur Förderung des passiven Lärmschutzes für 2019/2020 fortzuführen. Knapp 5 Mio. Euro sind für die kommenden zwei Haushaltsjahre – vorbehaltlich des Beschlusses der Bürgerschaft – vorgesehen. Und am Dauerthema Fluglärmschutz wird derzeit gearbeitet, um auch dort zu Erfolgen zu kommen.

Doch Schaal gibt zu bedenken: „Bei all den Anstrengungen darf man nicht aus den Augen verlieren, dass wir alle vor allem mit unserem individuellen Mobilitätsverhalten Lärm erzeugen. Es liegt auch an uns allen, wie ruhig es in der Stadt ist. Dennoch wird der Kampf gegen Lärm für uns immer ganz oben f auf der politischen Agenda stehen.“

Pressemitteilung SPD-Bürgerschaftsfraktion

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