Greenpeace-Aktivisten demonstrieren für sichere Radwege

Für einen deutlichen Ausbau sicherer Radwege als Antwort auf die anhaltenden Luftprobleme der Städte demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute gemeinsam mit dem Frankfurter Radentscheid. Die Umweltschützer radeln ab 6:45 Uhr in einer Mahnfahrt von Frankfurts schmutzigster Straße, der Friedberger Landstraße, knapp 40 Kilometer zum Wiesbadener Verwaltungsgericht. Dieses verhandelt heute ab 10 Uhr über drohende Fahrverbote für Diesel-Pkw in Frankfurt.

 

Ein Urteil wird am Nachmittag erwartet. Die Stadt leidet wie Dutzende weitere seit Jahren unter gefährlich überhöhten Stickstoffdioxidwerten. Zugleich ignoriert Frankfurt, dass ein sicheres und attraktives Radwegenetz den innerstädtischen Verkehr enorm entlasten kann. „Wenn Gerichte darüber entscheiden müssen, wie die Bevölkerung vor Autoabgasen geschützt werden kann, dann hat die Politik etwas verschlafen“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. „Das Fahrrad kann eine zentrale Rolle dabei spielen, die Luft in Städten schnell sauber zu bekommen. Dafür aber müssen künftig alle sicher mit dem Rad durch die Stadt fahren können – auch Kinder und ältere Menschen.“

Etwa ein Drittel aller Pkw-Fahrten in Ballungsräumen lässt sich laut Umweltbundesamt auf das Fahrrad verlagern. In Frankfurt lag der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege zuletzt bei lediglich 13 Prozent. Umfragen zeigen, dass Unsicherheit ein Hauptgrund ist, weshalb Menschen nicht häufiger das Fahrrad benutzen. Auch deshalb fordert der Radentscheid Frankfurt, die Strecken für Radfahrende deutlich auszubauen. Bislang unterstützen etwa 40.000 Menschen in Frankfurt diese Forderung. „Die Menschen in Frankfurt wollen mehr Rad fahren, das ist unübersehbar“, sagt Heiko Nickel, Sprecher des Radentscheids. „Wenn die Luftprobleme nur mit weniger Autos in den Griff zu bekommen sind, dann müssen jetzt die Alternativen gestärkt werden. Den Radverkehr auszubauen ist der schnellste und günstigste Einstieg in die nötige Verkehrswende.“

Frankfurt investiert zu wenig in sichere Radwege

Bislang investiert Frankfurt deutlich zu wenig in sicheren Fahrradverkehr. Eine Auswertung der zugänglichen Haushalte der Stadt nach klar ausgewiesenen Ausgaben für Radwege ergibt durchschnittliche pro-Kopf-Investitionen von 4,30 Euro. Selbst das Bundesverkehrsministerium empfiehlt Städten, zwischen 8 und 19 Euro für den Radverkehr auszugeben. Eine Stadt wie Kopenhagen investiert seit Jahren 35 Euro pro Kopf in sichere Radwege. Mit Erfolg: Dort fahren deutlich mehr Menschen mit dem Rad, gleichzeitig verunglücken Radfahrende etwa zehn Mal seltener als in Frankfurt. Dies ist ein Ergebnis der kürzlich veröffentlichten Greenpeace Untersuchung „Radfahrende schützen, Klimaschutz stärken“ (https://act.gp/2MC1kdG).

Greenpeace-Kommentar zum Fahrverbots-Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden

Frankfurt muss seine Einwohner mit einem flächendeckenden Fahrverbot für ältere Diesel und Benziner vor gesundheitsschädlichen Abgasen schützen. Dies hat das Verwaltungsgericht in Wiesbaden heute entschieden. Ab 1. Februar 2019 dürfen demnach Dieselautos der Abgasklasse Euro 4 und älter, sowie Benziner der Euroklasse 1 und 2 einen Teil der Frankfurter Innenstadt nicht mehr befahren. Ab 1. September 2019 gilt das Verbot auch für Euro 5 Diesel. Frankfurt ist die erste deutsche Stadt, die ältere Diesel und Benziner großflächig aussperrt. Im Mai hatte Hamburg zwei Straßenabschnitte für bestimmte Dieselfahrzeuge gesperrt.

Es kommentiert Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan:

„Dieses Urteil lässt die Menschen in Frankfurt aufatmen. Nachdem die Politik viel zu lange akzeptiert hat, dass Zehntausende gefährlich schmutzige Luft atmen müssen, setzt das Gericht jetzt wirksame Hilfe durch. Solange die Bundesregierung Hardwarenachrüstungen schmutziger Autos blockiert, bleiben Fahrverbote die einzige wirksame Maßnahme, um die Gesundheit der Menschen zu schützen.

Frankfurt und alle anderen Städte mit Luftproblemen müssen dieses Urteil als Fanal für eine überfällige Verkehrswende begreifen. Diesel und Benziner haben keinen Platz in modernen Innenstädten. Nur wenn Städte das Angebot an Bussen und Bahnen deutlich erweitern und ihr Radwegenetz konsequent ausbauen, kommen Menschen künftig sicher und sauber durch die Stadt.“

Pressemitteilungen Greenpeace

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