NABU kritisiert Harley Days

Am kommenden Wochenende wird es wieder laut in der Stadt, schlechte Luft inklusive. Der NABU kritisiert, dass Events wie die Harley Days immer noch in der die Freien und Hansestadt Hamburg genehmigt werden. Es ist ein Anachronismus, dass eine Millionenstadt eine verkehrs- und lärmintensive und gleichzeitig luftbelastende Veranstaltung weiterhin duldet.

 

Hier wird ein denkbar schlechtes Zeichen gesetzt, in einer Zeit, in der gesellschaftlich intensiv und kritisch über Klimafragen, negative Auswirkungen des Verkehrssektors auf die menschliche Gesundheit sowie eine Transformation des Verkehrssektors gesprochen wird. Neben großen Mengen an Feinstaub produzierten mehrere Tausend Zweiräder extrem viel überflüssigen Lärm.

„Es ist doch absurd, wenn der Sinn eines Events vor allem darin besteht, Krach zu machen. Es ist nicht nur die Parade am Nachmittag mit mehreren Tausend Motorrädern, die den ohnehin verlärmten Stadtteil St. Pauli zusätzlich belasten. Es sind vor allem die vielen Motorräder mit ihren oft getunten Maschinen, die als einzelne Lärmquelle die Menschen nachts in Wohngebieten aus dem Tiefschlaf reißen“, sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg.

„Einerseits sind den Behörden die Auswirkungen von Lärm auf die menschliche Gesundheit sehr bewusst. Andererseits interessiert das bei der Genehmigung nicht die Bohne. Hamburg gibt sich gern als moderne Metropole. Wirklich modern wäre es, die Bürger und Bürgerinnen vor Lärm und Gestank zu schützen und von einer solchen Veranstaltungen endlich Abstand zu nehmen“, so Siegert.

Vor allem der Lärm von der Straße wird laut Bundesumweltamt von den Deutschen weit vor Bahn- oder Fluglärm als größte Lärmquelle identifiziert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im letzten Jahr ihre Leitlinien für Umgebungslärm erweitert. Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es deutliche Belege dafür, dass Lärmbelastung zu den wichtigsten umweltbedingten Gefahren für die körperliche und psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung in der Europäischen Region zählt. Vor allem die Auswirkungen auf Herz, Kreislauf und Stoffwechsel seien hinlänglich bekannt. Deswegen empfiehlt die WHO dringend, die durchschnittliche Lärmbelastung grundsätzlich zu verringern.

Auch eine Gruppe bedeutender deutschsprachiger Lärmfachleute unter Führung des baden-württembergischen Lärmschutzbeauftragten Thomas Marwein setzt sich für eine offizielle Reduzierung der Grenzwerte ein. In dem im Februar 2019 veröffentlichten Memorandum fordern Fachleute wie Dr. Mark Brink vom Bundesamt für Umwelt im schweizerischen Bern, Christoph Lechner vom österreichischen Ring für Lärmbekämpfung (ÖAL) oder Dr. Uwe Müller vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt in Köln, die Werte von 70 dB(A) auf 65 am Tage sowie von 60 dB(A) auf 55 in der Nacht verbindlich zu senken.

Memorandum zum Download:
LÄRM UND SEINE AUSWIRKUNGEN AUF DIE GESUNDHEIT. 2015. Ergebnis der Marwein Runde am 21. Februar 2019.
http://www.nabu-hamburg.de/2019-02-21_Memorandum

Pressemitteilung NABU HH

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