Bundesregierung verfehlt sogar Mindestmaß beim Klimaschutz

BUND-Kommentar zum Gebäude-Sofortprogramm
Der Expertenrat für Klimafragen hat heute seine Bewertung des Gebäude-Sofortprogramms von Bundesinnen- und Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht. Im Gebäudesektor muss eine Klimaschutzlücke für das Jahr 2020 in Höhe von zwei Millionen Tonnen CO2 geschlossen werden. Dazu erklärt BUND-Geschäftsführerin Antje von Broock:

 

„Das Klimaschutz-Sofortprogramm der Bundesregierung für den Gebäudesektor ist ein Witz, angesichts der Herausforderungen der Klimakrise. Wo sind die Fördergelder für den Bestand, um dort Anreize für Klimaschutz zu geben, wo sie am wirksamsten sind? Warum werden fossile Heizungsanlagen weiterhin gefördert und legen so Emissionsquellen für die nächsten Jahrzehnte fest? Wieso wurden die völlig veralteten gesetzlichen Energieeffizienzstandards nicht an das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes angepasst? Erneut wurde die Möglichkeit vertan, für Mietwohnungen eine faire Verteilung der Modernisierungskosten einzuführen. Nur, wenn der CO2-Preis vollständig von den Vermietenden getragen wird, entstehen starke Anreize für energetische Modernisierungen und den Wechsel zu klimafreundlichen Energieträgern.

Es ist Eile geboten. Der jüngst veröffentlichte IPCC-Bericht unterstreicht eindrücklich, dass beim Klimaschutz jede Minute zählt. Die CO2-Emissionen in Deutschland sind im ersten Halbjahr wieder gestiegen. Doch statt nach jahrelangem Versagen endlich nachzusteuern, verteilen Wirtschaftsminister Altmaier und Innenminister Seehofer lediglich Geld mit der Gießkanne. So erfüllt die Bundesregierung noch nicht einmal das gesetzliche Mindestmaß beim Klimaschutz.“

Pressemitteilung BUND


Bundeskabinett verabschiedet Gebäudeeffizienzerlass: Deutsche Umwelthilfe warnt vor klimaschädlicher Abrisswelle und fordert Aktionsplan für Sanierungen
Der heute vom Bundeskabinett beschlossene Gebäudeeffizienzerlass setzt laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) massive Fehlanreize beim Klimaschutz. Mit dem Erlass führt die Bundesregierung neue Effizienzanforderungen für den Neubau und die Sanierung öffentlicher Bundesgebäude ein. Dabei droht eine Abrisswelle von intakten Bundesgebäuden und deren Ersatz durch Neubau: Der Erlass legt einen Fokus auf den Energieverbrauch in der Nutzungsphase und ignoriert den Ressourcenverbrauch beim Neubau völlig. Die DUH fordert deshalb die Bundesregierung auf, einen sofortigen Aktionsplan für die Sanierung aller öffentlichen Gebäude und insbesondere von Schulen aufzusetzen.

Dazu Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Die aktuelle Bundesregierung holt in ihren letzten Tagen die Abrissbirne raus und demoliert Klima- und Ressourcenschutz im Gebäudebereich nun vollständig. Mit dem Gebäudeeffizienzerlass verpasst die Bundesregierung, wichtige Weichen für den Klimaschutz in eigenen Gebäuden zu stellen und damit ein klares Signal für die Bundesländer zu setzen. Der Erlass ignoriert den Energie- und Ressourcenverbrauch der Errichtung und Entsorgung von Gebäuden komplett. Das priorisiert systematisch den Abriss und Ersatzneubau gegenüber einer Sanierung. Die Bundesregierung muss sich aber auf eine Sanierung des Gebäudebestands konzentrieren, denn hier liegt das größte CO2-Einsparpotenzial. Dieser Erlass muss dringend nachgebessert werden, sodass die Folgen für Klima und Umwelt über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude betrachtet werden.“

Die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude ist ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudebereich. Nicht-Wohngebäude wie öffentliche Gebäude verursachen rund ein Drittel der Emissionen des Gebäudesektors, obwohl sie nur 10 Prozent der Gebäude ausmachen. Aktuell streitet die Bundesregierung über das gesetzlich erforderliche Klimaschutz-Sofortprogramm für Gebäude, das der Expertenrat für Klimafragen gerade als unzureichend bezeichnet hat.
Link:

Offener Brief zum Gebäudeeffizienzerlass an die Mitglieder des Bundeskabinetts von Architects For Future (A4F), der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA), die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), NABU, Natureplus e.V., Deutsches Energieberater-Netzwerk e.V. (DEN e.V.) und die Deutsche Umwelthilfe: https://www.duh.de/lebenszyklus-beim-bauen/

Pressemitteilung Deutsche Umwelthilfe

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