Alle Jahre früher

BUND Hamburg fordert am „Earth Overshoot Day“ vom Senat Ressourcenschutz-Politik
Anlässlich des diesjährigen Earth Overshoot Days am 24. Juli demonstriert der Arbeitskreis Suffizienz des BUND Hamburg um 11 Uhr vor dem Hamburger Rathaus. Der „Erdüberlastungstag“ markiert den Tag, an dem die Menschheit alle erneuerbaren Ressourcen verbraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres zur Verfügung stellt. Der Tag ist ein Symbol für den deutlich zu hohen Konsum und ausufernden Energieverbrauch insbesondere des globalen Nordens.

Bei der Protestaktion vor dem Rathaus werden der Blick auf die ungebremste Ausbeutung der Erde gelenkt und konkrete Forderungen für starken Ressourcenschutz an den Hamburger Senat gestellt.

Dazu Dr. Wolfgang Lührsen, Co-Sprecher des Arbeitskreises Suffizienz des BUND Hamburg: „Der Earth Overshoot Day ist der Tag, an dem ein globaler Shutdown erfolgen müsste zugunsten junger Menschen und aller nachfolgenden Generationen – für den Rest des Jahres. Das passiert natürlich nicht, doch dieses Gedankenspiel verdeutlicht, wie sehr unsere Lebensweise die ökologischen Systeme ausbeutet und zerstört. In Deutschland verbrauchen wir hochgerechnet drei Erden, obwohl es nur eine gibt, dadurch gerät der ganze Planet ins Taumeln. Wir müssen uns die Frage stellen: Was ist genug? Um die existenziellen Lebensgrundlagen zu bewahren und überhaupt Zukunft zu ermöglichen, dürfen nur die Ressourcen verbraucht werden, die die Natur erbringen kann – sozialverträglich, klimagerecht und generationengerecht. Letztlich geht es um die Umsetzung des Grundgesetzes, das in Artikel 20a „in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere“ schützt.“

Für Hamburg würde Ressourcenschutz unter anderem bedeuten, eine Verpackungssteuer einzuführen und Mehrwegverpackungen gezielt zu fördern – der BUND hat eine Petition dazu gestartet. Es würde auch bedeuten, die Versiegelung von Flächen zu stoppen und Entsiegelung zu fördern sowie die Mobilitätswende voranzutreiben anstatt rund um das Auto zu planen; das Festhalten an der Planung der A 26 Ost steht in deutlichem Widerspruch zu starkem Ressourcenschutz.

„Eine echte Ressourcenwende wird blockiert durch den vermeintlichen Zwang steten Wirtschaftswachstums, was immer mehr Rohstoffverbrauch zur Folge hat. Wir müssen unsere Lebensweise umstellen – auch hier in Hamburg. Die rote Linie ist überschritten: Die Politik muss jetzt sofort handeln und sich nicht durch längst überholte Prognosen für die Zukunft. Wir brauchen eine tiefgreifende gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wir künftig leben wollen und was wir Menschen wirklich brauchen, um gut zu leben. Alles andere lassen wir weg. Überfluss ist überflüssig“, so Lührsen.

Bei der Protestaktion am 24. Juli wird es „Coffee to Stay“ aus Mehrwegbechern geben und Wolfgang Lührsen steht für Interviews zur Verfügung. Die Presse und alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Pressemitteilung BUND Hamburg


Ab sofort auf Pump: Erdüberlastungstag immer früher

BUND fordert ehrgeizige Förderung der Kreislaufwirtschaft
Am 24. Juli ist in diesem Jahr globaler Erdüberlastungstag, wieder einmal früher als im Vorjahr. Ab diesem Tag verbrauchen wir mehr natürliche Ressourcen, als die Erde in einem Jahr regenerieren kann. Zum Beispiel fällen wir zu viele Bäume, produzieren zu viel Fleisch und versiegeln zu viele Flächen. Besonders Industriestaaten wie Deutschland leben deutlich über ihre Verhältnisse und zerstören auf diese Weise unsere natürlichen Lebensgrundlagen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert daher rasche Maßnahmen von der Bundesregierung, um den Ressourcenverbrauch deutlich zu senken.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Wir verschwenden unsere Ressourcen als gäbe es kein Morgen. Wir übernutzen unser Wasser, unsere Böden und unsere Wälder. Die katastrophalen Folgen unseres Wirtschaftens wie Starkregen, Überschwemmungen und Trockenheit zeigen sich weltweit und auch bei uns immer deutlicher. Städte müssen sich anpassen; die Landwirtschaft muss sich umstellen; Mikro- und Nanoplastik sind überall. Wir sind abhängig von Rohstoffen, deren Abbau die Natur zerstört und die Klimakrise weiter befeuert.“

Seit 1970 ist der Erdüberlastungstag im Kalender immer weiter nach vorne gerückt. Der weltweite Verbrauch nachwachsender Rohstoffe, wie zum Beispiel Holz, hat sich seitdem ungefähr verdoppelt. Auch andere, nicht nachwachsende Rohstoffe wie Metalle, Gas oder Baustoffe werden immer mehr verbraucht – ihr weltweiter Konsum hat sich insgesamt mehr als verdreifacht. Das sorgt für erhebliche Umweltschäden, Treibhausgasemissionen und soziale Verwerfungen.

Bandt: „Wir leben in einem System, das immer mehr an seine Grenzen kommt. Doch wir können dagegen steuern: Mit besseren Mehrwegsystemen verbrauchen wir weniger Verpackungen und Plastik. Durch gutes Design halten unsere Elektrogeräte länger und sie sind leichter zu reparieren. Das ist nicht nur sinnvoll für die Umwelt, sondern schont auch noch den Geldbeutel.“

In Deutschland gibt es seit letztem Jahr eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). Die neue Regierung erarbeitet dafür gerade ein ‚Eckpunktepapier kurzfristig realisierbarer Maßnahmen’. Der BUND fordert, dass darin ein rechtlicher Rahmen zur Reduktion des Primärrohstoffverbrauchs aufgenommen wird. Zudem sollten Maßnahmen aus der NKWS priorisiert und ein wirkungsvolles Monitoring festgelegt werden. Auch braucht es aus Sicht des Umweltverbandes eine Finanzierung dieser Maßnahmen und eine starke Plattform mit Beteiligung der Zivilgesellschaft.

Bandt: „Es ist gut, dass die Bundesregierung die Kreislaufwirtschaft weiter voranbringen will. Um den Ressourcenverbrauch wirklich zu senken, reichen aber nicht nur ein paar Anreize hier und ein bisschen mehr Recycling da. Auf einem endlichen Planeten können wir mit unserer Wirtschaftsweise nicht auf ewig weiteres Wachstum setzen. Deshalb muss die Ressourcenverschwendung gestoppt werden. Deutschland hat die Köpfe und Unternehmen, die einen unabhängigen und beständigen Wohlstand trotz begrenzter inländischer Ressourcen sichern können.“

Hintergrund:

Erdüberlastungstag wird der Tag genannt, ab dem wir für das übrige Jahr mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald beanspruchen, als rechnerisch zur Verfügung stehen. Zugleich stoßen wir weitaus mehr CO2 aus, als Wälder und Ozeane aufnehmen können. Um ihren Verbrauch zu decken, beansprucht die Weltbevölkerung aktuell 1,8 Erden; Deutschland sogar drei Erden.

Zur Senkung des Ressourcenverbrauchs fordert der BUND verbindliche Reduktionsziele im Rahmen eines Ressourcenschutzgesetzes. Weitere Maßnahmen wären die Förderung von Mehrweg, Recycling und Sekundärrohstoffen. Die Kreislaufwirtschafts-Infrastruktur muss dafür aufgebaut werden und kann zum Beispiel über den Klima- und Transformationsfonds finanziert werden.

Ein wichtiger Hebel für den Ressourcenschutz ist die Kreislaufwirtschaft. Dazu braucht es sowohl in Deutschland als auch in der EU eine zentrale Infrastruktur, die gezielt gefördert und aufgebaut werden muss. Auf diese Weise könnten die vielen Wertstoffe wie Holz, Plastik, Metalle, Elektrogeräte oder Biomüll gesammelt, hochwertig recyceled oder wiederverwenden werden.

Doch auch Kreislaufwirtschaft hat Grenzen. Kreisläufe können physikalisch nicht komplett geschlossen und primäre Rohstoffe nur zum Teil durch sekundäre Rohstoffe ersetzt werden. Die NKWS folgt deshalb richtigerweise dem Leitbild, den Primärrohstoffverbrauch bis 2045 ungefähr zu halbieren. Um die gewünschte Lenkungswirkung der NKWS zu entfalten und Planungssicherheit für die Wirtschaft zu schaffen, fordert der BUND verbindliche Ziele, die mit ambitionierten Maßnahmen unterlegt werden.

Mehr: https://www.bund.net/ressourcen-technik/ressourcenschutzgesetz/

Pressemitteilung BUND


Earth Overshoot Day (24.7.)
Globaler Erdüberlastungstag: NABU warnt vor wachsender ökologischer Schuldenlast
Krüger: Zerstörte Moore, Wälder und Auen wiederherstellen, um Lebensgrundlage zu sichern / Deutschland in besonderer Verantwortung

Morgen, am 24. Juli, ist der globale Erdüberlastungstag („Earth Overshoot Day“). Ab diesem Tag leben wir ökologisch „auf Pump“ – mit fatalen Folgen für Klima, Biodiversität und unsere natürlichen Lebensgrundlagen. In diesem Jahr ist der „Earth Overshoot Day“ sogar noch einen Tag früher als im vergangenen Jahr – ein Alarmsignal, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger:

„In nur sieben Monaten hat die Weltbevölkerung sämtliche natürlichen Ressourcen verbraucht, die der Planet innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Dass der Erdüberlastungstag erneut früher fällt, ist ein Beleg dafür, dass wir unseren Planeten systematisch überfordern. Wohlhabende Industrieländer wie Deutschland tragen hier eine besondere Verantwortung. Unser übermäßiger Ressourcenverbrauch befeuert globale Krisen und zerstört die Grundlagen zukünftigen Lebens. Nur wenn Produktion und Konsum deutlich umweltverträglicher werden, können wir die Erde dauerhaft entlasten. “

Laut NABU braucht es ein entschiedenes politisches und wirtschaftliches Umdenken sowie einen tiefgreifenden Wandel in unseren Lebens- und Wirtschaftsweisen. Gefordert ist eine Abkehr vom Wachstumsparadigma hin zu einer ressourcenschonenden, suffizienten Lebensweise mit bewussterem Konsum, nachhaltiger Mobilität sowie einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig müsse der Umgang mit natürlichen Ressourcen – von Energie und Rohstoffen bis hin zu Böden und Wasser – deutlich naturverträglicher werden. Unverzichtbar sei zudem der Schutz und die Wiederherstellung gesunder Ökosysteme wie Moore, Wälder, Auen und Meere, die als CO₂- und Wasserspeicher sowie Lebensräume für unzählige Arten entscheidend zur Stabilisierung des Klimas und zur Abfederung extremer Wetterereignisse beitragen.

Mit der sogenannten EU-Wiederherstellungsverordnung liegt bereits eine gute gesetzliche Grundlage auf dem Tisch, mit der zerstörte Ökosysteme wieder in einen guten Zustand versetzt werden können, so Krüger weiter: „Das EU-Renaturierungsgesetz ist eine historische Chance, den Trend der Naturzerstörung umzukehren. Die Mitgliedstaaten, allen voran Deutschland, müssen dieses Gesetz jetzt mit Entschlossenheit umsetzen und klare Ziele zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme formulieren.“

Hintergrund
Der Erdüberlastungstag (engl. Earth Overshoot Day) markiert jenen Tag im Jahr, an dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen für das gesamte Jahr rechnerisch aufgebraucht hat. Er wird jährlich von der Organisation Global Footprint Network berechnet. Die verbleibenden Tage des Jahres lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse – auf Kosten kommender Generationen und mit gravierenden ökologischen Folgen.

Pressemitteilung NABU

Grafik und mehr Infos: https://overshoot.footprintnetwork.org/

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