ADFC fordert: Mehr Platz für innovative Lastenrad-Logistik

Hamburg Verkehrsbehörde setzt bei der „letzten Meile“ auf elektrische Kleinstfahrzeuge und Lastenräder. Die aktuell gebaute Radinfrastruktur reicht dafür aber nicht aus.

 

Immer mehr Logistikunternehmen entdecken das Lastenrad als wettbewerbsfähiges Verkehrsmittel für die Verteilung von Gütern auf der sogenannten letzten Meile. Fahrradkuriere und entsprechende Lieferdienste mit elektrisch angetriebenen Kleinstfahrzeugen gehören mittlerweile zum Hamburger Stadtbild. Erst kürzlich hat die Hamburger Morgenpost diesen Trend thematisiert (Bericht).

„Das Lastenrad kann einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen im Bereich des gewerblichen Lieferverkehrs leisten“, sagt Cajus Pruin vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg. „Voraussetzung ist aber, dass die Rahmenbedingungen stimmen.”

Grundsätzliches Problem sei, dass die Hamburger Regelwerke für Planung und Entwurf von Stadtstraßen (ReStra) derzeit nur eine Regelbreite von lediglich 2,50 Metern für Radwege und 2,75 Meter für Radfahrstreifen vorsehen. Bei engen Platzverhältnissen erlaubt die ReStra sogar eine Unterschreitung dieser Maße mit einer Mindestbreite von 1,85 Metern für Radfahrstreifen.

„Wer in Hamburg mit dem Rad unterwegs ist, weiß, dass auf solchen Wegen ein Überholen unter Einhaltung der Mindestabstände schon für Radfahrende untereinander unmöglich ist“, so Pruin. „Für breitere Lastenräder und mehrspurige Kleinstfahrzeugen sind Konflikte planerisch vorprogrammiert”.

Der Fahrradclub schlägt zwei Lösungen vor: Entweder Radfahrende und auch Lastenräder erhalten konsequent mehr Platz auf der Fahrbahn oder die Radwegeinfrastruktur wird so gebaut, dass sie die steigende Zahl an Radfahrenden aufnehmen kann und für diese dann sicher und komfortabel ist. Für die erste Option müsse stadtweit eine Geschwindigkeitsangleichung der Verkehrsmittel passieren – also Tempo 30 –, für die zweite Option müsse die Regelbreite von Radverkehrsanlagen zukunftsfähig gemacht, das heißt auf mindestens drei Meter erhöht werden. „Dabei reicht es nicht, nur die Regelwerke anzupassen”, ergänzt Pruin. „Diese Breiten müssen auch tatsächlich gebaut werden: Selbst Radfahrstreifen in der aktuell vorgeschriebenen Regelbreite von nur 2,75 Meter lassen sich aber bislang in Hamburg noch an einer Hand aufzählen.“

Pruin: „Das Problem sind also nicht immer mehr Lastenräder auf Hamburgs Straßen, das Problem ist eine nicht ausreichend leistungsfähige Infrastruktur für sie.“ Senat und Verwaltung müssten endlich mehr Tempo in ihre Bemühungen zur Verkehrswende bringen, sonst würde Hamburg die Entwicklung verschlafen. „Paris stellt breite Fahrstreifen in der City für diese moderne Transportlogistik und den Radverkehr zur Verfügung, in Hamburg wird auch der Lieferverkehr per Lastenrad auf der letzten Meile dagegen immer noch ausgebremst.“

Pressemitteilung ADFC Hamburg

Foto: Der Ursprung aller Lastenräder: Christiania-bike in Kopenhagen © wuz

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