BIG kritisiert einseitige Standortpolitik auf Kosten
von Gesundheit und Klima
Der Umweltverband BIG Fluglärm weist die aktuell veröffentlichte Branchenanalyse des Flughafenverbands ADV mit scharfer Kritik zurück. Insbesondere die Darstellung des Hamburger Flughafens als angeblich „benachteiligter Standort“ entlarvt sich bei genauer Betrachtung als wirtschaftlich motivierte Wachstumsrhetorik – ohne Rücksicht auf Umwelt, Klimaschutz oder die Bevölkerung der Metropolregion.
„Die ADV fordert mehr Flüge, mehr Langstrecken, mehr Wettbewerb – aber verliert kein einziges Wort über Fluglärm, Nachtflüge, Emissionen oder gesundheitliche Risiken“, erklärt Martin Mosel, Vorsitzender des Umweltverbands BIG Fluglärm in Hamburg. „Das ist keine Zukunftsstrategie, sondern ein rückwärtsgewandter Wachstumsautomatismus auf Kosten der Menschen in dieser Stadt.“
In dem Papier wird der Hamburger Flughafen als „zentraler Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung“ beschrieben – mit Verweis auf die Luftfahrtindustrie, den Außenhandel und eine angeblich gefährdete internationale Konnektivität. Die Handelskammer Hamburg und das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) untermauern die Position mit Modellrechnungen zur regionalen Bruttowertschöpfung. Doch die BIG kritisiert: „Die ökonomischen Zahlen blenden alle Umwelt- und Gesundheitskosten aus. Kein Wort zu den fast 320 nächtlichen Flugbewegungen im ersten Halbjahr 2025, zu den mehr als 1.000 Nachtflügen im Vorjahr, kein Wort zu den Auswirkungen auf Schlaf, Lebensqualität und Klimabilanz.“
Insbesondere die Forderung nach neuen interkontinentalen Direktverbindungen – etwa nach Nordamerika oder Ostasien – steht aus Sicht der BIG im Widerspruch zur Klimapolitik. „Langstreckenflüge sind klimapolitisch der denkbar schlechteste Verkehrsmodus. Wer jetzt neue transatlantische Verbindungen fordert, sabotiert die europäischen Klimaziele“, so Mosel weiter.
Der Umweltverband kritisiert zudem, dass der Flughafenverband ADV die sogenannte Verspätungsregelung als flexibles Instrument darstellt, das ausgebaut werden sollte. Tatsächlich habe sich diese Regelung in Hamburg zu einem System des Rechtsschutzentzugs entwickelt – mit inzwischen hunderten Flügen nach 23 Uhr, davon viele mit fragwürdigen Begründungen und einer undurchsichtigen Genehmigungslage.
Die BIG fordert:
-Keinen weiteren Ausbau des Streckennetzes am Flughafen Hamburg
-Keine Ausweitung der Betriebszeiten oder Lockerung der Nachtflugbeschränkung
-Echte Alternativen zur Luftfahrt: Nachtzüge, Hochgeschwindigkeit, faire Bahnpreise
-Ein Stopp der wachstumsorientierten Verkehrsrechtevergabe zulasten Hamburgs
-Klimagerechte Luftverkehrspolitik statt Standortwettlauf mit fatalen Folgen
„Hamburg braucht nicht mehr Flüge, sondern mehr Schutz. Was uns fehlt, ist nicht Konnektivität, sondern politische Konsequenz. Die ADV-Analyse ist ein Wunschkatalog der Branche – aber kein Beitrag für eine gerechte, klimagerechte Mobilität“, so das Fazit von Mosel.
Über BIG-Fluglärm:
Der Umweltverband BIG Fluglärm in Hamburg vertritt seit 1988 die Interessen der von Fluglärm betroffenen Menschen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Als Dachverband setzt er sich für wirksamen Lärmschutz, Klimaschutz und eine nachhaltige Luftverkehrsentwicklung ein. Mit seinen Mitwirkungs- und Klagerechten übt er politischen Druck aus, um effektive Schutzmaßnahmen durchzusetzen.
Pressemitteilung BIG-Fluglärm