Amphibienschutz ist jeden Euro wert

Eine Einschätzung zum „Krötentunnel“ in Blankenese von BUND-Experte für Amphibienschutz Wolfram Hammer
Die Amphibienwanderung hat begonnen. Am viel befahrenen Waldweg an den Volksdorfer Teichwiesen werden in den nächsten zwei Monaten über 2.000 Amphibien (Erdkröten, Frösche, Molche) die Straße überqueren. Alljährlich verhelfen ehrenamtliche Aktive des BUND Hamburg den Tieren zu einer sicheren Passage – mit einem Amphibienzaun, der täglich zweimal kontrolliert werden muss. Der BUND drängt auf die Installation eines festen Amphibientunnels am Waldweg.

 

Kürzlich gab es in Blankenese allerdings Diskussionen über die dort angefallenen Kosten für eine solche Querungshilfe. Wolfram Hammer, Experte für Amphibienschutz beim BUND Hamburg, gibt eine Einschätzung.

„Auch behördliche Naturschützer*innen unterliegen der Pflicht zum sparsamen Wirtschaften. Die Investition von 465.000 Euro für 410 Meter fester Amphibienwanderhilfe inklusive vier Tunnel wurde als sinnvoll eingeschätzt. In der Öffentlichkeit wird leider allzu sehr vereinfacht und teilweise fast mit Schaum vor dem Mund kritisiert.

Mehrere Punkte sind dabei zu beachten:

Punkt 1: Es entsteht der Eindruck, die Querungshilfe sei für 616 Tiere, denn so viele wurden zuletzt beim Passieren der Straße gezählt. Das ist in mehrfacher Hinsicht zu kurz gedacht.

Fundierter Naturschutz zielt immer auf den Erhalt der Population, also aller Tiere einer Art in einem bestimmten Gebiet. Diese besteht nicht nur aus den Tieren, die in einem Jahr wandern, sondern einer mehrfach größeren Anzahl. Jungtiere wandern nur selten und auch die erwachsenen Tiere nicht unbedingt in jedem Jahr.
Bei Erfassungen mit mobilen Zäunen können nie alle wandernden Tiere erfasst werden, die Zahl ist also zwangsläufig höher. Meist kann die Rückwanderung der Tiere aus ihren Laichgebieten in den Landlebensraum nicht mit geschützt werden, weil sie zeitlich zu diffus abläuft. Eine feste Einrichtung schützt die Tiere sowohl bei der Hin- und Rückwanderung.
Man kann mit einer Zählung in einem Jahr nicht die Größe einer Population abschätzen. Dafür braucht es bei langlebigen Tieren wie den Erdkröten den Durchschnitt mehrerer Jahre.
Bei dieser Querungshilfe geht es nicht nur um alle Amphibien, sondern auch um eine Vielzahl anderer Kleintiere, die von einem Amphibientunnel profitieren können. Der Begriff “Krötentunnel” ist daher irreführend, es sollte besser Kleintiertunnel heißen.

Punkt 2: In den Diskussionen wird die zeitliche Dimension vergessen. Es entsteht der Eindruck, dass die Querungshilfe einmalig 616 Tieren nützen würde und das Geld dann verbraucht wäre. Aber: Die Tunnel werden Jahrzehnte stehen und vielen Generationen von Kleintieren nützen. Analog zur Abschreibung von Gebäuden ist von mindestens 50 Jahren auszugehen. Die jährlichen Kosten lägen dann bei nicht ganz 10.000 Euro.

Punkt 3: Es wird so getan, als wenn der Schutz der Tiere, wie er bisher ehrenamtlich erfolgte, nichts kosten würde. Aber diese Kosten lägen, wenn man die freiwilligen Aktiven bezahlen würde, auch bei mehreren Tausend Euro pro Jahr. Das aber für einen in der Regel weniger guten Schutz als es ein fester Zaun plus vier Tunnel bietet. Mobile Schutzzäune müssen häufiger repariert und erneuert werden, auch dafür entstehen jährlich Kosten.

Punkt 4: Auch die ökologische Dimension wird zu wenig mitgedacht. Wir bedauern allgemein das Insektensterben und den Rückgang der Arten. Manch einer wundert sich sogar darüber! Aber die Landschaft wird immer kleinteiliger mit Straßen zerschnitten, die für viele querende Kleintiere tödlich sind und alle bodengebundenen Vernetzungen von Natur zerstören. Wenn dann an einem besonders auffälligen Ort wie Blankenese etwas gegen diesen massenhaften Straßentod getan wird, rechnen viele mit ganz spitzem Bleistift – und das dann auch noch falsch!

Fazit: Kritische Betrachtung ist gut und wichtig, aber über die Hintergründe kritisch betrachteter Investitionen sollte sich kundig gemacht werden. Sonst ist eine Berichterstattung einseitig und in vielen Punkten auch schlichtweg falsch. Wir beim BUND setzen uns dafür ein, dass auch am Waldweg, wo wir seit 2021 die Anwanderung von Amphibien in das Naturschutzgebiet Volksdorfer Teichweisen schützen, eine dauerhafte Kleintierdurchlässe unter der Straße geschaffen wird. An Orten, an denen wir noch intakte Populationen von Amphiben haben, müssen wir sie unbedingt erhalten. Denn wenn die Tiere erstmal weg sind, können wir sie für kein Geld der Welt zurückbekommen.“

Wer sich über Amphibien informieren möchte, ist herzlich eingeladen zum Online-Themenabend am Mittwoch, 7. Februar um 19.00 Uhr. Mehr Infos unter www.bund-hamburg.de/termine

Pressemitteilung BUND Hamburg

Dieser Beitrag wurde unter Natur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.