Amphibienwanderung in Hamburg steht kurz bevor

NABU Hamburg bittet um Rücksicht auf Kröten, Frösche, Molche und solche, die es werden wollen // Ehrenamtliche im Einsatz für den Erhalt der Artenvielfalt

Der kalte Winter hatte Hamburg lange im Griff. Doch mit den nun steigenden Temperaturen machen sich die Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Die Bilanzen der Amphibienwanderungen der letzten Jahre zeigen einen stetigen Rückgang von wandernden Amphibien. Der NABU bittet Rad- und Autofahrer*innen deshalb um besondere Rücksichtnahme. Eine Übersicht, wo Amphibien in Hamburg wandern, ist unter www.NABU-hamburg.de/amphibien zu finden.

Im vergangenen Jahr haben NABU-Aktive an 15 Straßen wochenlang Amphibienzäune betreut und konnten so 7.500 Fröschen, Kröten und Molchen das Leben retten. Wer sich ebenfalls für den Schutz der Amphibien engagieren möchte, findet unter www.NABU-Hamburg.de/fachgruppe-amphibien alle Informationen.

„Besonders viele Arten machen sich in milden Nächten mit leichtem Regen auf den Weg und legen über mehrere Tage verteilt Strecken von bis zu zwei Kilometern zurück. Eine gefahrvolle Reise, denn sie müssen auf ihrer Wanderung viele Straßen überqueren und kommen dabei buchstäblich unter die Räder. Für den Amphibienbestand sind diese Verluste erheblich. Alle in Hamburg vorkommenden Amphibienarten sind besonders geschützt und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten“, sagt Frederik Schawaller, Referent für Moorschutz beim NABU Hamburg.

NABU-Aktive bauen jedes Jahr Schutzzäune auf, um die Anzahl der getöteten Amphibien im Straßenverkehr möglichst gering zu halten. Es werden an Straßen mit großer Wanderaktivität in und um Hamburg Zäune aufgebaut und Eimer eingegraben. Während des gesamten Zeitraums der Laichwanderung werden diese Eimer täglich geleert und die geretteten Tiere gezählt sowie über die Straße gesetzt. Die NABU-Ehrenamtlichen machen diese wichtige Arbeit mit viel Zeitaufwand und Herzblut.

Wenn die Zäune und Eimer erst einmal aufgebaut sind, müssen sie täglich geprüft werden – auch bei erneut fallenden Temperaturen und einer Unterbrechung der Wanderungsaktivitäten. Diese herausfordernde Arbeit lohnt sich, weil dadurch viele Tiere gerettet werden können. Das ist ein wichtiger Beitrag gegen das Artensterben.

Neben der Gefahr bei ihren Wanderungen durch den Straßenverkehr, stehen die meisten Amphibienarten auch durch den Verlust ihrer Lebensräume unter Druck. Besonders die Verschmutzung oder Zerstörung von Tümpeln, Teichen und Gräben hat große Auswirkungen auf die Bestände. Der Klimawandel und besonders die Dürremonate der letzten Jahre verschärfen die Situation noch weiter. Trocknen Laichgewässer aus, können sich die Arten nicht fortpflanzen. Neben aquatischen Lebensräumen brauchen sie auch strukturreiche Landlebensräume. Je nach Art benötigen sie Baumbestände, Hecken, Gebüsche, feuchtes Grünland, Niedermoore, Bruch- und Auwälder, Gebiete mit lockerem Boden, der sich zum Graben eignet oder vegetationsarme Brachflächen. Diese Lebensräume werden in Hamburg immer seltener.

Pressemitteilung NABU Hamburg


Bitte keine Kröten töten!
Rücksichtsvoll fahren, damit verliebte Lurche nicht unter die Räder kommen
Kaum tauen Schnee und Eis langsam weg, hält es Kröten und Molche nicht mehr in ihren Winterquartieren. Sie machen sich in Teilen Deutschlands bereits auf, um an ihren Heimatgewässern zu laichen und so für eine neue Generation Amphibien zu sorgen. Der NABU bittet darum beim Autofahren um Rücksicht.

„Steigt die Temperatur nachts mehrere Tage in Folge über fünf Grad, beginnt die Wanderung. Dabei müssen die Tiere auch Straßen queren, die ihren Lebensraum zerschneiden, so dass leider jedes Jahr Tausende Amphibien getötet werden“, sagt Sascha Schleich, stellvertretender Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie und Ichthyofaunistik.

Finden sich Männchen und Weibchen der Erdkröte schon unterwegs, reist das Männchen bequem auf dem Rücken seiner Auserwählten mit und lässt sich huckepack zum Laichgewässer tragen. Es sammelt seine Kräfte, denn der Zeugungsakt kann mehrere Stunden dauern. Beim Ablaichen legt das Weibchen eine bis zu fünf Meter lange Laichschnur mit bis zu 6.000 Eiern ab, die dann vom Männchen besamt werden. Ist das erledigt, endet die amphibische Liebesromanze und das Krötenpaar geht wieder getrennte Wege.

Mit den ersten Wanderungen ist aufgrund der angekündigten milden Witterung bereits in den nächsten Nächten zu rechnen. Schleich: „Sollten die Temperaturen wieder fallen, könnte die Hauptwanderung noch etwas dauern und regional sehr unterschiedlich einsetzen.“

An entsprechend gekennzeichneten Amphibienwanderstrecken sollten höchstens 30 Stundenkilometer gefahren werden. Das kann viele Leben retten, denn die Tiere sterben nicht nur unter Autoreifen, sondern auch wenn Fahrzeuge sehr schnell unterwegs sind. „Große Geschwindigkeit erzeugt einen hohen Luftdruck, dadurch können die inneren Organe von Fröschen, Kröten und Molchen platzen oder durch den Mund nach außen gestülpt werden. Die Tiere verenden qualvoll“, so Schleich. Angesichts der aktuellen starken Rückgänge der Amphibien gelte es, weitere Verluste wo immer möglich zu vermeiden.

Vorsichtiges Fahren ist auch wegen der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer wichtig. Schleich: „Warnschilder und Tempolimits müssen unbedingt beachtet werden, auch weil die Einsätze meist in der Dämmerung stattfinden, wenn die meisten Tiere unterwegs sind.“

Seit vielen Jahren kämpfen Naturfreundinnen und -freunde gegen den Amphibientod an Straßen. Sie stellen Fangzäune auf, tragen Kröten über die Straße und legen Ersatzlaichgewässer an. Für diese ehrenamtliche Arbeit sind zahlreiche Helferinnen und Helfer nötig. Der NABU informiert darum unter www.NABU.de/Kroetenwanderung über das bundesweite Wandergeschehen. Dort gibt es neben aktuellen Meldungen über besondere Ereignisse und seltene Arten auch eine bundesweite Datenbank, die über den Standort von Krötenzäunen und Aktionen informiert. Helfende sind immer willkommen ebenso wie Meldungen von nicht durch Schutzzäune und Schilder gesicherte und gekennzeichnete Wanderstrecken.

Pressemitteilung NABU Bundesgeschäftsstelle

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