Seit Mitte der 1970er
Jahre gibt es sie. Eine Institution in Bergstedt. Doch plötzlich ist alles anders. Das Stadtteilkulturzentrum Begegnungsstätte Bergstedt e.V. hat ernsthafte Probleme vielfältiger Art. Am gravierendsten ist, dass der Nachwuchs fehlt. Der amtierende Vorstand will in diesem Jahr nicht wieder kandidieren und bisher hat sich niemand gefunden, der diese Aufgabe übernehmen will. Doch ohne Vorstand ist ein Verein nicht lebens- und arbeitsfähig und daher handlungsunfähig. Die Liquidierung steht kurz bevor.
Die Krise zeichnet sich jedoch schon länger ab. Schon vor etwa zwei Jahren haben sich die Verantwortlichen an das Bezirksamt Wandsbek gewandt. Grund war schon damals die Überalterung. Die Teilnehmer und Besucher des Hauses bewegen sich im Alterssegment 70plus – Ausnahme Partys und Flohmärkte. Die Überalterung führt zu einer stetigen Verringerung der Kursgrößen. Mehr Abgänge als Neueinsteiger. Auch die Kursleiter werden älter. Sie stellen aus „alter Verbundenheit“ ein kleines Honorar für eine Zeitstunde in Rechnung. „Die Verpflichtung neuer Lehrer hat sich als aussichtslos herausgestellt, denn die Erwartung pensionierter Lehrer liegt bei mindestens 33 Euro in Anlehnung an die Honorare der VHS Hamburg“ beschreibt Karin Brennecke-Oeter, die seit vielen Jahren für die Finanzen im Haus zuständig ist, die Misere.
Hinzu kommt, dass das Refugium der Begegnungsstätte an der Bergstedter Chaussee – das ehemalige Bergstedter Armenhaus – unter Denkmalschutz steht, und aus diversen Gründen nicht saniert werden kann. Eine Photovoltaikanlage wurde vom Denkmalschutzamt abgelehnt und eine Wärmepumpe für ein Haus aus dem Jahr 1882 ist nicht möglich. Viele Gründe, die u.a. zu extrem hohen Heizkosten führen.
Weitere Probleme sind die offene Kinder- und Jugendarbeit, die seit März 2024 wegen fehlender sozialpädagogischer Betreuung (eine halbe Stelle) eingestellt wurde und die geringen Gehälter für die Angestellten, die es schwierig bis unmöglich machen, offene Stellen neu zu besetzen.
Für den Doppelhaushalt 2028/2029 wurde von der Hamburger Kulturbehörde bereits eine Reduzierung der Kulturausgaben angekündigt. Geringere Zuwendung bei steigenden Kosten.
Das sind nur einige Gründe, warum der Vorstand Ende April zur außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen hat. Einziger Tagesordnungspunkt: die Liquidierung des Vereins und damit das Ende des Stadtteilkulturzentrums Begegnungsstätte Bergstedt. So wie es aussieht, sollen die Kurse und Veranstaltungen noch bis Ende November fortgeführt werden.
Ein bitteres Ende nicht nur für Bergstedt. Nicht nur die Kinder- und Jugendarbeit, die jetzt schon fehlt, auch das vielfältige Kursangebot, die Veranstaltungen, Konzerte, Kindertheater, Flohmärkte und Partys werden schmerzlich vermisst werden. Zudem gibt es viele Gruppen, die hier ein Dach über dem Kopf gefunden haben, allen voran, die engagierten Omas gegen Rechts, die sich hier einmal im Monat treffen.
Alles in Allem ein bitteres Ende für eine Institution, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Menschen vor Ort eine kulturell-kreative Heimat zu bieten und den Zusammenhalt im Stadtteil zu fördern. (du)