Vor zehn Jahren haben sich Behörden, Bezirke
und Landesbetriebe zusammengetan, um Hamburg für Radfahrende und Fußgänger spürbar besser zu machen. Heute zieht das Bündnis für den Rad- und Fußverkehr Bilanz: Seit 2016 sind in Hamburg fast 500 Kilometer neue oder erneuerte Radwege entstanden, das Radnetz wurde um über 200 Kilometer erweitert und umfasst heute 23 Hauptrouten, zahlreiche Fahrradstraßen und eine moderne Wegweisung.
Rund 30.000 neue Fahrradstellplätze an U- und S-Bahnstationen sowie der Ausbau von StadtRAD auf 4.300 Räder an über 350 Stationen machen das Radfahren in der Stadt einfacher.
Im selben Zeitraum ist der Radverkehr in Hamburg um 42 Prozent gestiegen. Verlässliche Zahlen dazu liefern heute 180 Dauerzählstellen an 110 Standorten, die die Radverkehrsinfrastruktur kontinuierlich im Blick behalten.
Mehr Aufenthaltsqualität und Sicherheit
Bedeutende städtebauliche Maßnahmen wie die Umgestaltung des Jungfernstiegs oder die noch in diesem Jahr in die Umsetzung gehende Steinstraße mit breiten Radwegen und verbesserten Flächen für Fußverkehr und Aufenthalt, setzen klare Prioritäten für Nahmobilität und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.
In allen Hamburger Bezirken wurden wegweisende Projekte realisiert, die Klimaresilienz, Aufenthaltsqualität und aktive Mobilität fördern. Die Louise-Schroeder-Straße steht für die klimagerechte Umgestaltung des Straßenraums: Rad- und Autoverkehr wurden konsequent getrennt, rund 3.700 Quadratmeter Fläche entsiegelt. Am Harvestehuder Weg zeigt sich die Nachfrage nach guter Radinfrastruktur besonders deutlich – mit bis zu 10.000 Radfahrenden pro Tag ist die Fahrradstraße Hamburgs meistbefahrene und Teil des Projekts Alster Fahrradachsen entlang der Außenalster. Innovative Lösungen wie Hamburgs erste „Protected Bike Lanes“ an der Hannoverschen Straße oder Esplanade schaffen geschützte Radfahrstreifen, entlasten die Gehwege und erhöhen somit Sicherheit und Komfort für alle Verkehrsteilnehmer.
Die Einführung von Radspuren auf der Reeperbahn haben nicht nur den Radverkehr attraktiver gemacht, sondern auch die Aufenthaltsqualität für Fußgänger deutlich verbessert und eine durchgängige Radverbindung zwischen Altona und der Innenstadt vervollständigt.
Darüber hinaus wurde die Mansteinstraße umfassend modernisiert: Verbreiterte und barrierefreie Gehwege, der Erhalt des alten Baumbestands sowie die Modernisierung von Bushaltestellen tragen zu einer integrativen und nachhaltigen Mobilitätsinfrastruktur bei.
Neben diesen Maßnahmen wurden viele weitere Straßenräume in allen Bezirken, im Hafengebiet und durch den Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer in den Vergangenen zehn Jahren aufgewertet. Darunter folgende Highlights:
-Bezirk Hamburg-Mitte: Ballindamm, Jungfernstieg, Alexandra-Stieg, Billstedter Hauptstraße, Halskestraße, Horner Weg, Jungiusstraße, Marseiller Promenade, Nord-Süd-Durchquerung Wilhelmsburg
-Kurz vor Fertigstellung befindet sich die Brücke Entenwerder zwischen HafenCity und Rothenburgsort
-Bezirk Altona: Louise-Schroeder-Straße, Fahrradstraßen Chemnitz- und Thadenstraße, Eulenstraße, Reventlowstraße, Geh- und Radweg entlang der S1
-Bezirk Eimsbüttel: Rellinger Straße (Schulstraße), Langenfelder Damm, Högenstraße, Mansteinstraße, Schlüterstraße
-Bezirk Hamburg-Nord: Leinpfad, Fuhlsbüttler Damm, Uferstraße, Radweg Pergolenviertel, Hufnerstraße
-Bezirk Wandsbek: Frahmredder, Stormarner Straße, Eulenkamp, Fabriciusstraße, Gustav-Seitz-Weg, Schimmelmannstraße, Am Stadtrand
-Bezirk Bergedorf: Kurt-A.-Körber-Chaussee, Ludwig-Rosenberg-Ring, Oberer Landweg, Geh- und Radwege Boberger Niederung
-Bezirk Harburg: Veritaskai (Harburger Binnenhafen), Gleisstieg, Denickestraße, Am Radeland, Hannoversche Straße
-Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer: Alster Fahrradachsen, Dammtordamm, Esplanade, Hohenfelder Bucht, Elbchaussee, Königstraße, Max-Brauer-Allee, Eppendorfer Marktplatz (kurz vor Fertigstellung), Hallerstraße, Rothenbaumchaussee
-Hamburg Port Authority: Reiherdamm, Hermann-Blohm-Straße, Argentinienbrücke
Bündnis für den Rad- und Fußverkehr
Das Bündnis aus 28 Behörden, Bezirken, Landesbetrieben und Institutionen agiert als zentraler Baustein der Mobilitätswende in Hamburg. Über dieses Bündnis werden zahlreiche Maßnahmen der Bezirke und anderer Realisierungsträger finanziert ebenso wie Personalstellen ermöglicht. Mehr Infos über das Bündnis ist hier zu finden: Radfahren in Hamburg jetzt & in Zukunft | Radkultur Hamburg
Pressemitteilung Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg ist noch lange keine Fahrrad- und Fußgängerstadt
BUND-Kommentar zum 10-jährigen Jubiläum des Bündnisses für Rad- und Fußverkehr
Die Fortschritte der vergangenen zehn Jahre sind grundsätzlich zu begrüßen. Jeder neue sichere Radweg, jede Entsiegelung und jede Verbesserung für den Fußverkehr ist ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor viel zu viele Strecken, auf denen sich Menschen auf dem Rad oder zu Fuß unsicher fühlen oder gar gefährdet werden. Solange Hauptverkehrsachsen ohne geschützte Radwege bestehen und der Straßenraum vom Autoverkehr dominiert wird, bleibt die Mobilitätswende unvollendet.
Ein besonders drastisches Beispiel bleibt der Straßenzug An der Verbindungsbahn – Bundesstraße – Edmund-Siemers-Allee. Trotz Verbesserungen müssen Radfahrer dort auf weiten Abschnitten unmittelbar neben vier bis sechs Fahrstreifen des Autoverkehrs fahren. Geschützte, durchgehend baulich getrennte Radwege fehlen. Wer hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, fühlt sich vielerorts alles andere als sicher, insbesondere Kinder, ältere Menschen oder Menschen, die nicht täglich Rad fahren. Genau solche Hauptverkehrsachsen halten viele davon ab, überhaupt aufs Fahrrad umzusteigen.
Der BUND fordert seit Jahren, dass Radverkehr auf Hauptverkehrsstraßen konsequent baulich geschützt geführt wird. Nur sogenannte „Protected Bike Lanes“ schaffen die Sicherheit, die notwendig ist, damit wirklich alle Menschen das Fahrrad selbstverständlich nutzen können.
Hinzu kommt, dass Hamburg innerstädtisch weiterhin von überdimensionierten, mehrspurigen Magistralen geprägt ist. Sie zerschneiden Quartiere, verursachen Lärm und Luftschadstoffe und binden enorme Flächen, die für Bäume, Grün, Aufenthaltsqualität oder sichere Wege für den Umweltverbund fehlen. Gleichzeitig ist die Stadt noch immer stark versiegelt, mit negativen Folgen für Hitzebelastung, Starkregen und die Lebensqualität.
Eine echte Mobilitätswende bedeutet deshalb mehr als Kilometerstatistiken. Sie erfordert eine konsequente Umverteilung des Straßenraums: weniger Platz für den motorisierten Individualverkehr, weniger Parkflächen, mehr entsiegelte und begrünte Flächen sowie durchgehend sichere Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr.
Pressemitteilung BUND
Foto: „Radweg“ in Sasel © Ini felS – kein Einzelfall in den Walddörfern und im Alstertal. Vielfach existiert weder ein Fußweg noch ein Fahrradweg