Böllerverbot wie in den Niederlanden

Deutsche Umwelthilfe und Bündnis aus mehr als 55 Organisationen fordert Innenministerkonferenz zum Handeln auf
Kurz vor dem Start der Innenministerkonferenz fordern die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und ein breites Bündnis aus 55 weiteren Organisationen von den Innenministerinnen und Innenministern der Länder sowie vom Bundesinnenminister ein bundesweites Verbot privater Silvesterböller und -raketen. Die Niederlande haben bereits erkannt, dass die verheerenden Folgen von privatem Silvesterfeuerwerk nur durch ein flächendeckendes Verbot gestoppt werden können und handeln ab 2026 entsprechend. Innenminister Alexander Dobrindt weigert sich jedoch weiterhin, Konsequenzen zu ziehen.

Die Folge: Einsatzkräfte werden mit Raketen und Böllern attackiert, Millionen Haus-, Nutz- und Wildtiere geraten in panische Angst und an keinem Tag des Jahres ist die Luft so stark mit Feinstaub belastet wie in der Silvesternacht. Hinzu kommen tausende Verletzte, darunter viele Kinder, die sich an liegengebliebenen, vermeintlich nicht explodierten Böllern schwer verletzen. Erstmals beteiligt sich daher auch das Deutsche Kinderhilfswerk als erste Kinderrechtsorganisation am Bündnis.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die Niederlande handeln und schützen ihre Bevölkerung, ihre Tiere, die Einsatzkräfte und die Umwelt. Deutschland hingegen lässt weiter zu, dass für den Spaß einer sehr kleinen Minderheit jedes Jahr tausende Menschen verletzt werden, Städte im Feinstaub versinken und Millionen Tiere in panische Flucht geraten. Ich erwarte von den Innenministerinnen und Innenministern, dass sie den Willen der Mehrheit anerkennen und endlich handeln. Ein Verkaufs- und Anwendungsverbot privater Pyrotechnik ist längst überfällig. Wer immer noch Zweifel hat, soll am 1. Januar eine Notaufnahme besuchen und sich anschauen, was jedes Jahr angerichtet wird. Wer jetzt weiter wegschaut, nimmt die nächste Horrornacht billigend in Kauf.“

Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Es ist höchste Zeit, der massiven Silvestergewalt wirksam entgegenzutreten. Die Innenministerkonferenz muss das Thema Böllerverbot endlich ernst nehmen und den Regionen ermöglichen, regionale Lösungen umzusetzen. Wir Polizistinnen und Polizisten sind es leid, jedes Jahr am eigenen Leib zu spüren, was politische Untätigkeit anrichtet.“

Jan Tjeerd de Faber, Kinderaugenarzt und Mitinitiator des Vuurwerkmanifest: „In meiner ersten Schicht an Silvester 2003 sollte ich einem kleinen Jungen am OP-Tisch ein durch Böller stark verletztes Auge retten, ohne Erfolg. Das war der Auslöser: Seitdem setze ich mich vehement gegen privates Feuerwerk ein. Jahr um Jahr musste ich erleben, dass Kinder und völlig Unbeteiligte durch Böllerei die schlimmsten Schicksalsschläge erleiden. Nach 20 Jahren haben niederländisches Parlament und Senat das Gesetz „Veilige Jaarwisseling“ (Deutsch: Sicheres Silvester) beschlossen und damit privates Feuerwerk verboten. In Deutschland ist die Lage bei den Verletzungen mindestens so fatal wie in den Niederladen. Das muss ein Ende finden.“

Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes: „Kinder und Jugendliche gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen durch Silvesterböller. Vor allem Kleinkinder, neurodiverse Kinder, Kinder mit Traumaerfahrung oder einfach hoher Sensibilität leiden stark unter der Böllerei. Aufgrund ihres höheren Atemvolumens im Verhältnis zur Körpergröße und ihrer höheren Atemfrequenz atmen Kinder und Jugendliche die extremen Feinstaubkonzentrationen besonders schnell ein, zudem kommt es jedes Jahr bei ihnen überproportional zu schweren Augenverletzungen. Ein Verbot privater Feuerwerke schützt somit nicht nur Umwelt und Tiere, sondern vor allem die Gesundheit der Jüngsten.“

Volker Gaßner, Geschäftsleitung VIER PFOTEN Deutschland: „Rund um den Jahreswechsel bedeuten buntes Feuerwerk und laute Böllerschüsse für viele Heimtiere, Wildtiere und Tiere in der Landwirtschaft einen tagelangen Ausnahmezustand. Ihr empfindliches Gehör nimmt die Explosionen deutlich lauter wahr als Menschen, die grellen Lichtblitze und der Geruch von Rauch verstärken den Stress zusätzlich. Silvesterfeuerwerk ist ein ernstes Tierschutz-Problem, dass die Politik endlich durch ein privates Böllerverbot bekämpfen muss – für das Wohl tausender Tiere, der Umwelt und Menschen.“

Hintergrund:

Seit Jahren zeigen repräsentative Umfragen stabile Mehrheiten von rund 60 Prozent für ein Verbot privater Pyrotechnik. Auch eine aktuelle Umfrage aus diesem Jahr bestätigt erneut: Die allermeisten Menschen planen, den Jahreswechsel ohne eigenes Feuerwerk zu feiern – und lediglich 5 Prozent geben an, in diesem Jahr auf jeden Fall zu böllern. Das Bündnis erwartet von Bund und Ländern, diese eindeutige Stimmungslage ernst zu nehmen und endlich entsprechend zu handeln.

Dem wachsenden Aktionsbündnis für ein böllerfreies Silvester gehören neben der DUH 55 weitere Organisationen an: Gewerkschaft der Polizei, Bundesärztekammer, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, TASSO, Jane Goodall Institut Deutschland, Deutscher Tierschutzbund, PETA Deutschland, Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner, Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Menschen für Tierrechte – Baden-Württemberg, Bundesverband Tierschutz e.V., NaturFreunde Deutschlands, Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln, Pro Wildlife e.V., Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V., Deutsche Tinnitus-Liga e.v., Bundesverband Bürohund e. V., Haustierregister FINDEFIX, Deutscher Naturschutzring (DNR) e. V., Retinologische Gesellschaft e. V., Welttierschutzgesellschaft e. V., Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft, Land der Tiere, Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V., Wildtierschutz Deutschland e. V., Deutsche Atemwegsliga, Deutsche Lungenstiftung, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD), Senior*innenvertretung Tempelhof-Schöneberg, Die Augenchirurginnen, Landesseniorenbeirat Berlin, Animals United e. V., Deutsche Tier-Lobby e. V., Fortuna hilft e. V., Stiftung Hof Butenland, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e. V., fuss e. V., KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, NAJU (Naturschutzjugend im NABU), Health for Future, holi.social, Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Verband Neurodiversität, Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), Andreas Reuland (Augenarzt), Norbert Mülleneisen (Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde und Umweltmediziner), International Fund for Animal Welfare (IFAW), Bundesverbands für Umweltberatung (bfub) e.V., Zero Waste Germany e. V., Naida e.V., Tierschutz-Entwicklungshilfe e.V., Berliner Behindertenverband e.V, KynoLogisch gemeinnützige GmbH

Pressemitteilung DUH


NABU bittet um Verzicht auf privates Silvesterfeuerwerk

Vögel, Wildtiere und Menschen leiden unter lauter Knallerei // Appell an Politik: Feuerwerke grundsätzlich reduzieren

Bunte Feuerräder, zischende Raketen und krachende Böller: Feuerwerk gehört für viele Menschen an Silvester und anderen Festen dazu. Rund 43 000 Tonnen Feuerwerkskörper werden allein in diesem Jahr nach Deutschland transportiert. Der NABU bittet alle Hamburgerinnen und Hamburger, auf privates Feuerwerk zu Silvester zu verzichten. Grundsätzlich setzt sich der NABU dafür ein, dass Feuerwerke in der Hansestadt zukünftig im gesamten Jahresverlauf deutlich reduziert werden sollten. Denn auch in der Gesellschaft ist das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von Feuerwerk schon länger präsent. Unter dem Hashtag #böllerciao hat sich gerade außerdem ein breites gesellschaftliches Bündnis für ein Verbot privater Feuerwerke ausgesprochen.

Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von YouGov kam erneut zum Ergebnis, dass es gesellschaftliche Mehrheiten für ein Verbot von privatem Feuerwerk gibt. So sprachen sich 24 Prozent der Befragten für ein vollständiges Verbot von Silvesterfeuerwerk aus. Weitere 34 Prozent würden ausschließlich organisierte, öffentliche Feuerwerke zulassen. Fast ein Drittel (29 Prozent) befürwortet lokale Böller-Verbotszonen und nur neun Prozent wünschen sich Silvester ganz ohne Einschränkungen. Diese Ergebnisse zeigen deutlich: Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland steht hinter einer deutlichen Reduzierung privater Feuerwerke. In den Niederlanden ist man schon weiter. Ab dem Jahreswechsel 2026/2027 ist bei unseren Nachbarn privates Feuerwerk vollständig verboten.

Im Zusammenhang mit der erstmals in Hamburg stattfindenden ZDF-Silvestershow begrüßt der NABU, dass dort ein zentrales, professionell organisiertes Feuerwerk geplant ist. Auch wenn eine Licht- und Drohnenshow die umweltfreundlichere Alternative gewesen wäre, sieht der NABU in dieser Lösung einen Kompromiss, der einen Schritt in die richtige Richtung darstellt. „Zentrale Veranstaltungen zu Silvester können dazu beitragen, die Menge an privatem Feuerwerk deutlich zu reduzieren. Lieber ein großes zentrales Feuerwerk als zehntausend kleine vor der Haustür. Das ist für Natur, Tiere und Anwohnerinnen und Anwohner allemal besser“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg.

Die Konzentration auf einen bestimmten Ort reduziert Müll und Lärm. So kann das neue Jahr umwelt- und naturfreundlicher begrüßt werden. Und gleichzeitig ist der Verzicht auf privates Feuerwerk auch ein konkreter Beitrag zum Artenschutz. „Wenn wir die biologische Vielfalt erhalten und schützen wollen, müssen wir auch liebgewonnene kulturelle Rituale hinterfragen und auch mal ändern“, so Siegert weiter.

Feuerwerke belasten Umwelt und Natur in erheblichem Maße. So bringt vor allem Silvester jedes Jahr starke Feinstaubbelastung und enorme Müllmengen mit sich. Auch die Beeinträchtigungen für Wild- und Haustiere sind erheblich. „Bei Vögeln löst der heftige Lärm den Fluchtreflex aus. Sie fliehen in große Höhen, landen für lange Zeit nicht und kehren nur zögerlich zu ihren Rast- und Schlafplätzen zurück. Dadurch verbrauchen sie viel Energie, mit der sie besonders in der kalten Jahreszeit sehr sorgsam umgehen müssen. Energieverlust und Stress kann schnell lebensbedrohend werden. Feuerwerke während der Brutzeit können wiederum dazu führen, dass Vögel ihre Nester aufgeben und es keine Nachkommen gibt“, sagt Marco Sommerfeld, Vogelschutzexperte beim NABU Hamburg.

Das ausführliche Standpunktpapier des NABU-Bundesverbandes zum Thema Feuerwerk gibt es unter: http://www.nabu.de/feuerwerk.

Quelle zur YouGov-Umfrage: https://www.zeit.de/news/2025-11/12/umfrage-grossteil-der-deutschen-feiert-silvester-ohne-boeller

Pressemitteilung NABU Hamburg

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