In einer Resolution anlässlich der Grünen Woche 2026 fordert ein Bündnis aus 45 Verbänden, die Gentechnik-Deregulierung zu stoppen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) appelliert gemeinsam mit Verbänden aus Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Lebensmittelerzeugung, Imkerei, Züchtung, Umwelt-, Natur-, Tier- und Klimaschutz sowie Entwicklungszusammenarbeit in dem Schreiben an alle verantwortlichen Politiker*innen im Bundestag sowie in den Landtagen und im Europaparlament, dem Gesetzesvorschlag für eine künftige Deregulierung neuer Gentechnik (NGT) nicht zuzustimmen.
Zentrale Forderungen von Landwirtschaft, Unternehmen, Verbraucher*innen sowie Natur- und Umweltschutz sind im Gesetzesvorschlag nicht berücksichtigt. Dazu gehören u.a. eine Risikoprüfung für alle Pflanzen aus neuer Gentechnik, eine Kennzeichnung entlang der gesamten Lebensmittelkette, Entscheidungsfreiheit und Transparenz, Verpflichtende EU-weit einheitliche Koexistenz- und Haftungsregeln, Monitoring und Rückholbarkeit, ein globales, öffentlich zugängliches Register sowie ein Verbot von Patenten und die Entwicklung von Nachweisverfahren.
Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND: „Die vorgeschlagene Deregulierung ignoriert die große Mehrheit der Verbrauch*innen, die selber entscheiden wollen, was sie essen. Dafür braucht es die komplette Kennzeichnung aller gentechnisch veränderten Lebensmittel. Der Entwurf gefährdet die genetische und biologische Vielfalt und genau jene Ansätze von Züchtung und Landwirtschaft, die aus Sicht des BUND zur Lösung der Klima- und Biodiversitätskrisen dringend benötigt werden.“
Sollte dieser mangelhafte Gesetzesvorschlag dennoch auf EU-Ebene angenommen werden, fordern die Verbände Gegenmaßnahmen: Deutschland muss sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, um eine gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft weiter zu ermöglichen, die Umwelt zu schützen und Transparenz für Verbraucher*innen zu gewährleisten.
Bandt: „Gentechnikfreie ökologische und konventionelle Lebensmittelproduktion sind Wachstumsmärkte, sie garantieren europäische Qualität. Betriebe haben sich auf den Verbraucherwunsch nach Kennzeichnung eingestellt und sich ein wirtschaftliches Standbein abseits vom schlechten Preisniveau des Weltmarkts aufgebaut. Die drohende Deregulierung bedeutet für diese Betriebe mindestens immense Mehrkosten bis hin zum Verlust der Möglichkeit, weiter zu produzieren.“
In den vergangenen Monaten haben Vertreter*innen der EU-Mitgliedsstaaten, der EU-Kommission sowie des Europaparlaments (EP) im Schnellverfahren einen Gesetzesvorschlag ausgehandelt. Die Forderungen des EP nach einer Kennzeichnung und einem Verbot von Patenten wurden nicht aufgegriffen. Dem Gesetzesvorschlag muss nun final im EP zugestimmt werden.
Pressemitteilung BUND
Gentechnikfreie Lebensmittel im Supermarkt in Gefahr
Supermarkt-Check: Aldi und Rewe fordern strikte Regeln, Edeka und Lidl bleiben vage
Die großen Supermarktketten stehen sehr unterschiedlich zum Einsatz neuer Gentechnik. Aldi Nord und Süd schließen neue Gentechnik für ihre Produkte konsequent aus und fordern gemeinsam mit Rewe und Penny eine Kennzeichnung und strikte Regulierung. Dagegen positionieren sich Edeka und Netto sowie Lidl und Kaufland weder zur generellen Nutzung noch zur Kennzeichnung und Regulation. Das zeigt der heute veröffentlichte Gentechnik-Supermarkt-Check von Greenpeace (https://act.gp/4bszrPg), der die Positionen der deutschen Supermarktketten bei neuer Gentechnik beleuchtet. Der Sortiments-Check belegt zudem, wie sich die Supermarktregale schon heute bei Gentechnikfreiheit unterscheiden.
„Umfragen zeigen, dass Verbraucher:innen wissen wollen, was auf ihren Tellern landet. Doch die jüngsten Pläne der EU bedrohen die Transparenz bei der Gentechnik massiv”, sagt Anne Hamester, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. Die geplanten EU-Vorgaben sehen vor, dass die meisten Pflanzen aus Verfahren der neuen Gentechnik künftig weder strengen Standards noch einer Kennzeichnungspflicht unterliegen. Für Konsument:innen wäre damit beim Einkauf nicht mehr erkennbar, ob ein Produkt gentechnisch verändert wurde oder nicht. „Marktriesen wie Edeka, Lidl und Kaufland müssen jetzt Farbe bekennen. Es braucht ein klares und geschlossenes Signal an die Politik: Wir wollen keine Gentechnik durch die Hintertür!“.
Kennzeichnungspflicht als Garant für Wahlfreiheit
Welche Folgen eine Ausnahme von der Kennzeichnungspflicht nach sich zieht, zeigt der aktuelle Sortiments-Check bei Fleisch, Milch und Eiern von Greenpeace. Da tierische Produkte nicht unter die gesetzliche EU-Kennzeichnungspflicht für Gentechnik fallen, ist es den Handelsunternehmen überlassen, ob sie gentechnikfreie Sortimente mit freiwilligen Siegeln kennzeichnen. Der Greenpeace-Check belegt: Gerade bei Ware, für die viel Gen-Soja gefüttert wird – etwa bei Schweinefleisch – fehlen gentechnikfreie Produkte in nennenswerter Zahl. Der Vergleich zeigt deutliche Unterschiede im Einzelhandel: Während einige Ketten bereits hohe Standards bei der Gentechnikfreiheit setzen, bildet Edeka das Schlusslicht.
“Die Politik steht in der Pflicht, die Wahlfreiheit bei Gentechnik für Landwirtschaft, Handel und Verbraucher durch eine lückenlose Kennzeichnungspflicht zu sichern“, so Hamester. „Die Gentechnikfreiheit ist ein ökonomischer und ökologischer Erfolg, den wir jetzt verteidigen müssen.“
Ein breites Verbändebündnis wendet sich mit einer Resolution gegen die Pläne der EU zur Deregulation neuer Gentechnik. Nachdem Anfang Dezember 2025 der EU-Trilog eine umfassende Deregulierung durchgeboxt hat, hängt es nun am Parlament. Anfang März wird eine abschließende Abstimmung im Plenum erwartet.
Pressemitteilung Greenpeace