Zusammen mit vielen weiteren Organisationen
ruft der Chaos Computer Club zum Digital Independence Day auf: An jedem ersten Sonntag im Monat wechseln wir von Big-Tech-Plattformen zu freien, lokalen oder auch einfach nur weniger problematischen Alternativen. In vielen Städten unterstützen Ehrenamtliche des CCC mit Rat und Tat. Es reicht.
Europa ist im Würgegriff von Big Tech. Die Plattformen scheren sich nicht um unsere Gesetze, zersetzen unsere Demokratie und damit unsere Freiheit. Die Trump-Administration und die mit ihr verbündeten Tech-Milliardäre scheuen sich nicht davor, uns durch diese Abhängigkeiten zu erpressen. Die Bundesregierung wirkt wie ein Reh im Scheinwerferlicht und traut sich nicht einmal, X zu verlassen. Also müssen wir vorangehen. Wenn wir gemeinsam wechseln, können wir den Netzwerkeffekt aushebeln.
Die Macht und das Missbrauchspotenzial der „sozialen“ Medien zeigt sich eindrücklich am Beispiel Twitter: Nach seinem Kauf veränderte Elon Musk die Plattform in kürzester Zeit grundlegend. Strukturen für Faktenprüfung und respektvollen Austausch wurden abgebaut, Reichweiten verschoben, progressive Stimmen verdrängt.
Trotz massiven Vertrauensverlusts bleibt X gesellschaftlich einflussreich: Politische Accounts geben dem Dienst Legitimität, mediale Zitate stärken seine Relevanz und Reichweite. Diese Reichweite wird immer mehr genutzt, um Ausgrenzung und Desinformation zu verbreiten und gezielt politischen Einfluss zu nehmen.
Kürzlich verhängte die EU eine Strafe gegen X wegen Nichteinhaltens grundlegender Anforderungen des Digital Services Act (DSA), der genau den Gefahren der Machtkonzentration entgegenwirken soll. Seitdem verstärkt X auf wundersame Weise die Reichweite EU-kritischer Stimmen, und Elon Musk forderte sogar die Auflösung der EU. Wenige Tage später folgte dann das Einreiseverbot für den ehemaligen EU-Kommissar Thierry Breton, der den DSA maßgeblich gestaltet hat, sowie für Vertreterinnen von HateAid, die im Rahmen des DSA systematisch illegale Inhalte wie Hass, Hetze und Volksverhetzung zur Prüfung und Entfernung melden.
Diese Eskalation zeigt: Hier geht es längst nicht mehr nur um eine Plattform, sondern um den Einfluss auf öffentliche Debatten, demokratische Prozesse und europäische Rechtsstaatlichkeit.
Und X ist kein Einzelfall. Kommerzielle zentrale „soziale Medien“ optimieren auf Aufmerksamkeit und Abhängigkeit – oft mit nachweislich schädlichen Folgen, insbesondere für junge Menschen.
Natürlich müssen Gesetze durchgesetzt werden, die zu unserem Schutz erlassen wurden. Ebenso liegt es aber an uns, Plattformen den Rücken zu kehren, die uns schaden oder sich sogar derart radikal gegen unsere Demokratie stellen.
Mit KI wächst die Machtkonzentration weiter
Zentralisierte „soziale“ Medien analysieren unsere Beziehungen und Interessen, um die Erkenntnisse möglichst gewinnbringend für Werbevermarktung oder politische Einflussnahme zu nutzen. Künstliche Intelligenz verstärkt diesen Trend: Immer größere Datenmengen können ausgewertet, automatisiert genutzt und wirtschaftlich verwertet werden.
Auch Cloud-Dienste behandeln Nutzerdaten zunehmend als Rohstoff – nicht zuletzt, um Abhängigkeiten weiter zu vertiefen.
Das Netz sind wir
WhatsApp, Instagram, X oder Facebook sind Milliarden wert. Ihr eigentlicher Wert sind wir – die Nutzer*innen.
Natürlich ist der Ausstieg nicht immer leicht: Schulklassen, Freundeskreise, politische Debatten – vieles scheint an einzelne Plattformen gebunden. Doch genau hier liegt unsere gemeinsame Chance: Wenn wir den Netzwerkeffekt bewusst nutzen, statt uns von ihm fesseln zu lassen, können wir neue Wege gehen.
Der Digital Independence Day
Beim 39. Chaos Communication Congress ruft der Autor Marc-Uwe Kling zum Digital Independence Day auf.
An jedem ersten Sonntag im Monat machen wir gemeinsam einen Schritt auf die bessere Seite des Netzes. Wir zeigen, dass Alternativen funktionieren, und nehmen Freund*innen und Bekannte am besten gleich mit. Und damit mehr Leute davon erfahren, nutzen wir die neuen und alten sozialen Medien, um unsere Erfahrungen zu teilen.
„Nicht nur der Wechsel ist wichtig, wir müssen danach auch darüber sprechen. Am besten geben wir sogar damit an, dass wir uns von einem Big-Tech-Dienst befreit haben. #DIDit“, sagte Marc-Uwe Kling.
Auf der Kampagnenseite der von vielen weiteren Organisationen unterstützten Initiative werden Wechselrezepte gesammelt.
Mancher Umzug will vorbereitet sein: neue Netzwerke finden, Kontakte behalten, Gewohnheiten anpassen. In vielen Städten stehen dafür Freiwillige des CCC mit Erfahrung, Beratung und praktischer Unterstützung zur Seite:
Wir helfen beim Umzug von Windows 10 zu sichereren Alternativen, beim Umzug von WhatsApp zum geeigneten Messenger, beim Umzug von Gmail zu einem vertrauenswürdigen Anbieter.
Die ersten Workshops zum Digital Independence Day findet schon am 4. Januar statt. Alle regelmäßigen Termine – auch die der vielen weiteren Partner – werden auf der Kampagnenseite https://di.day/ verlinkt.
Termine (Auswahl) 4. Januar 2026
22765 Hamburg
CCCHH
Zeiseweg 9
22765 Hamburg
Smartphone Einstellungen, GMail-Alternativen, Browser Settings 14:00h bis open end Wir starten mit kleinen mini-Vorträgen und machen dann mit offenem Workshop Nachmittag weiter
23554 Lübeck
Chaotikum
Fackenburger Allee 11
23554 Lübeck
Es wird allgemeine und Schwerpunktthemen geben, die wir pro Termin in Vorträgen und Workshops bearbeiten, dazu wird es Gelegenheiten für Fragen und Themenwünsche geben.
15:00h bis open end Wir starten mit einer kleinen Einführung und einem Themenüberblick mit Fragen und Ideen.
Quelle: https://www.ccc.de/
Übrigens, die Vorträge beim 39. Chaos Communication Congress (27. – 30.12. im CCH) kann man unter https://media.ccc.de/b/congress/2025 auch nach dem Congress noch verfolgen
Unbedingt sehenswert: Marc-Uwe Kling liest neues vom Känguru vor. Vielleicht auch was von Elon und Jeff on Mars. Und dann ruft das Känguru zum Digital Independence Day auf.
www.media.ccc.de/v/39c3-die-kanguru-rebellion-digital-independence-day
Europas größtes Hacker-Treffen
Der 38. Chaos Communication Congress eröffnet am 27.12. in Hamburg
Der Chaos Communication Congress (38C3) ist eine der wichtigsten Veranstaltungen der Hackerszene weltweit und richtet sich an Technikbegeisterte und politisch Interessierte im Spannungsfeld zwischen Technik und Gesellschaft. Er findet vom findet vom 27.12.-30.12.2024 im CCH statt.
Kultur und Medien
Organisiert wird Europas größtes Hacker-Treffen mit über 14.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vom in Hamburg ansässigen Chaos Computer Club (CCC). Er bietet vier Tage lang im Herzen von Hamburg eine Plattform für Wissen, Ideen und Innovationen. Jährlich werden auf dem Congress aktuelle Forschungsergebnisse der IT-Sicherheit vorgestellt, darunter Sicherheitslücken in kritischen und weit verbreiteten IT-Systemen. Auch Politik, Wissenschaft, Kunst, Musik, und Hardware-Technik prägen das Programm.
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der Chaos Communication Congress ist ein ausgezeichneter Ort, um über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung zu diskutieren und Lösungen für eine positive Entwicklung der digitalen Öffentlichkeit zu entwickeln. Eine besondere Qualität des Congresses ist es, dass dieser von einem großen gesellschaftlichen Engagement des Chaos Computer Clubs sowie den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer getragen wird. Schön, dass dieses große und wichtige Treffen hier in Hamburg stattfindet.“
Linus Neumann, Chaos Computer Club: „IT und Digitalisierung prägen alle Bereiche unseres Lebens in zunehmendem Maße. Der Congress hat zum Ziel, durch kritischen, informierten und verspielten Umgang mit Technik die Mündigkeit und Autonomie unserer Gesellschaft zu stärken.“
Der 38C3 bietet ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, Workshops, Musik und Kunstprojekten. Zu den Vortragenden gehören unter anderem die US-amerikanische KI-Forscherin Meredith Whittaker und Jean Peters vom Rechercheverbund Correctiv. Technische Schwerpunkte sind in diesem Jahr unter anderem Gesundheitsdaten, Connected Cars, Energieversorgung und künstliche Intelligenz. Mit dem Junghacker:innentag wird am 28.12.2024 ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche angeboten.
Das Programm ist abrufbar unter: https://fahrplan.events.ccc.de/congress/2024/fahrplan/schedule/
Alle Vorträge werden live gestreamt unter: https://streaming.media.ccc.de
Aufzeichnungen sind im Anschluss verfügbar unter: https://media.ccc.de
Alle Infos zum Event gibt es unter: https://events.ccc.de/congress/2024/infos/startpage.html
Quelle: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/behoerde-fuer-kultur-und-medien/aktuelles/chaos-communication-congress-1004632