NABU: Verantwortung für die Meere vor unsere
r Haustür
Seit mehr als vier Wochen schaut Deutschland gebannt auf den Überlebenskampf eines Buckelwals in der deutschen Ostsee. Während Emotionen und wechselseitige Vorwürfe der unterschiedlichen Rettungskampagnen eskalieren, hofft der NABU für die Zukunft auf mehr Sensibilität und entschlossenes Handeln für den Schutz der Meere.
Dazu NABU-Leiter Meeresschutz Kim Detloff:
„Einst fischreich und Heimat Zehntausender Schweinswale haben Nährstoffeinträge, Müll, Überfischung und industrielle Nutzung die Ostsee zu einem gefährlichen Ort für viele Meerestiere gemacht. So tragisch das Einzelschicksal, so sehr braucht uns das Ökosystem. Vom Geisternetz und Unterwasserlärm über Narben von Schiffspropellern bis zum langsamen Verhungern, weil Heringe und Dorsche selten geworden sind. Das sichtbar gewordene Leiden des Buckelwals erzählt die dramatische Geschichte zum schlechten Zustand der Ostsee.“
Der NABU schaut mit Sorge auf die aktuelle Rettungsaktion in der Wismarer Bucht. Zu geschwächt und krank scheint der Buckelwal, zu lang sein Leiden, zu auffällig die wiederholten Strandungen. Durch den nachvollziehbaren Drang der Menschen, dem Wal zu helfen, droht das Wohl des Tieres verloren zu gehen.
„Wir können und müssen aus dem Überlebenskampf des Wales lernen“, so Detloff. „Tier- und Naturschutz sind keine Gegner. Jedes Jahr ertrinken Dutzende Schweinswale in Stellnetzen oder sogenannten Geisternetzen. Nur wenn wir gemeinsam Meeresschutzgebiete wirksam machen, die Fischerei nachhaltiger und die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft abstellen, hat die Ostsee eine Zukunft, und mit ihr die Wale, Robben und Seevögel an unseren Küsten.“
Gefragt ist jetzt die Politik in Bund und Ländern. Der NABU fordert konkret Landesumweltminister Backhaus auf, dem Beispiel Schleswig-Holsteins zu folgen und schnellstmöglich mindestens zehn Prozent des Küstenmeeres Mecklenburg-Vorpommerns streng zu schützen, das heißt Schutzgebiete freizuhalten von Fischerei und lärmenden Motorbooten. Die Bundesregierung ist aufgefordert, einen Aktionsplan zum wirksamen Schutz von Nord- und Ostsee vorzulegen. Dringend notwendige Schutzmaßnahmen wurden bereits unter der Ampel-Regierung als Nationale Meeresstrategie diskutiert. Der Moment ist da, die Erwartung der Menschen in Deutschland ist groß. Es ist Zeit zu handeln, so der NABU.
Pressemitteilung NABU
Foto: Schweinswal