Neuer Index macht den Zustand der Natür
lichen Infrastruktur messbar
Deutschland verliert die natürliche Schutzfunktion seiner Landschaften: Der heute (14.7.) vom NABU und dem ECONICS INSTITUTE im Eiskeller in Berlin-Spandau vorgestellte ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index 2026 zeigt bundesweit auf Grundlage von Umweltdaten, wo die Ökosysteme besonders leistungsfähig sind und wo sie dringend der Wiederherstellung bedürfen. Der erstmals berechnete Fünfjahrestrend von 2021 bis 2025 alarmiert: Viele Ökosysteme büßen ihre Arbeitsfähigkeit ein.
Die Hitzewelle Ende Juni in weiten Teilen Mitteleuropas hat erneut vor Augen geführt, wie stark anhaltende Hitze und Trockenheit Mensch, Natur und Wirtschaft belasten. Der GFKI zeigt nun, welche Rolle intakte Landschaften dabei spielen, solche Extremereignisse lokal abzumildern.
„Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index verdeutlicht das „Geschäftsklima“ für die Natur. Der sich verschlechternde Zustand in weiten Teilen des Landes ist kein abstraktes Naturschutzproblem, sondern es geht um handfeste Konsequenzen für die menschliche Gesundheit, unsere Versorgung und Sicherheit“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Pierre Ibisch vom ECONICS INSTITUTE.
„Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index macht sichtbar, dass wir die natürlichen Schutzfunktionen unserer Landschaften nicht länger als selbstverständlich betrachten können. Wenn wir unsere natürliche Infrastruktur erhalten und wiederherstellen, schaffen wir mehr Schutz vor den Folgen der Klimakrise und stärken die Widerstandsfähigkeit unseres Landes“, sagt NABU-Präsident Krüger.
Der Eiskeller in Spandau ist für die Vorstellung der neuen Ergebnisse bewusst gewählt worden. Die Landschaft im Berliner Nordwesten zeigt, welche Bedeutung naturnahe Grün- und Feuchtgebiete für das lokale Klima haben. Gerade in einer wachsenden Stadt wie Berlin sind Landschaftsräume, die Wasser speichern und Temperaturen ausgleichen können, ein wichtiger Bestandteil der Klimaanpassung.
„Der Eiskeller zeigt beispielhaft, was Natur leisten kann: Wo Grünräume, Feuchtigkeit und natürliche Prozesse erhalten sind, entstehen wertvolle Klimapuffer. Auch in Städten brauchen wir Natur nicht als Nice-to-have, sondern als Infrastruktur, die uns vor Hitze und Extremwetter schützt“, sagt NABU-Präsident Krüger.
„Die Ergebnisse des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index‘ und seines Veränderungstrends beruhen nicht auf Experteneinschätzungen, sondern werden gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret vorschlagen, welche Gebiete mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden müssen“, sagt Prof. Dr. Pierre Ibisch.
Der NABU und das ECONICS INSTITUTE fordern, die natürliche Infrastruktur in Deutschland konsequent zu stärken: durch die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung, ein Bundesgesetz für Natürliche Infrastruktur sowie eine Beschleunigung von Renaturierung und Vernetzung von funktionstüchtigen Landschaften.
Pressemitteilung NABU