Meister: Gesunde Böden sichern langfristig Erträge und
machen Betriebe widerstandsfähiger gegen Dürre und Starkregen
Geringe Niederschläge und extreme Hitze setzen die Böden in Deutschland zunehmend unter Stress. Starke Winde verstärken die Verdunstung. Besonders anfällig ist die intensiv genutzte Agrarlandschaft: Fehlt nach der Ernte die Vegetationsdecke, heizen sich Böden stärker auf und verlieren ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern und das Landschaftsklima zu regulieren.
Unbedeckte Ackerflächen können im Sommer Oberflächentemperaturen von bis zu 60 Grad Celsius erreichen. Damit heizen sie sich teilweise stärker auf als Asphalt. Bewachsene Böden bleiben dagegen rund 30 Grad kühler, wie eine aktuelle vom NABU präsentierte Studie zeigt.
Der vom ECONICS-Institut entwickelte Grün-Feucht-Kühl-Index macht deutlich, dass sich weite Teile der intensiv genutzten Agrarlandschaft ähnlich stark aufheizen wie Städte – nur auf deutlich größerer Fläche. Der NABU fordert deshalb, den Blick stärker auf diese „Hitzelandschaften“ zu richten. Natürlicher Klimaschutz endet nicht an der Stadtgrenze, sondern beginnt auf unseren Äckern.
„Ob ein Boden mit Pflanzen bewachsen ist oder brachliegt, macht einen enormen Unterschied für seine Temperatur, seinen Wasserhaushalt und seine Widerstandsfähigkeit “, erklärt Max Meister, NABU-Referent für regenerative Landwirtschaft. „Unsere Agrarlandschaften müssen deshalb wieder resilienter gegenüber solchen Extremereignissen werden. Dafür brauchen wir mehr dauerhafte Bodenbedeckung, vielfältige Fruchtfolgen, Humusaufbau sowie Hecken und andere Landschaftselemente, die Wasser in der Fläche halten und die Landschaft kühlen. Davon profitieren nicht nur Klima und Artenvielfalt, sondern auch die Landwirtschaft selbst: Gesunde Böden sichern langfristig Erträge und machen Betriebe widerstandsfähiger gegen Dürre und Starkregen.“
Bewachsene und humusreiche Böden können Niederschläge besser aufnehmen, Wasser länger speichern und Erosion wirksam entgegenwirken. Gleichzeitig sichern sie langfristig die Ertragsfähigkeit landwirtschaftlicher Flächen. Eine gemeinsame Studie des NABU und der Boston Consulting Group zeigt, dass eine Erhöhung der organischen Bodensubstanz um nur ein Prozent innerhalb von zehn Jahren volkswirtschaftliche Gewinne von rund 14,7 Milliarden Euro pro Jahr ermöglichen könnte – unter anderem durch höhere Kohlenstoffspeicherung sowie ein verbessertes Nährstoff- und Wassermanagement. Aus Sicht des NABU braucht es deshalb eine Landwirtschaft, die die natürlichen Funktionen der Böden stärkt und so ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre und Starkregen erhöht.
Pressemitteilung NABU