“Ein Viertel der Stickoxide produziert die Schifffahrt”

Drohende Fahrverbote aufgrund von Stickoxidbelastung in Hamburg: Rolle des Schiffsverkehrs darf nicht außer Acht gelassen werden

 

Kommentierung des NABU zu drohenden Fahrverboten in Hamburg angesichts der Überschreitung der Stickoxidgrenzwerte an der Max-Brauer-Allee:

Angesichts der latenten Überschreitung europäischer Stickoxidgrenzwerte, deren Einführung für das Jahr 2010 auch Deutschland zugestimmt hat, hält der NABU Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Hamburg grundsätzlich für richtig. „Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass rund 25 Prozent der an der Max-Brauer-Allee gemessenen Stickoxidemissionen laut Luftreinhalteplan 2017 allein aus der Schifffahrt kommen. Wenn entsprechend bei Schiffs- und Hafenverkehren mehr für eine wirkungsvolle Reduzierung der Stickoxidemissionen getan würde, gäbe es an der Max-Brauer-Allee für den Straßenverkehr aller Wahrscheinlichkeit nach keine Überschreitung“, sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg. Laut Luftreinhalteplan kommen 39 Prozent der Stickoxidanteile für die gesamte Stadt aus dem Schiffsverkehr und wirken verstärkt entlang der Wasserkante in den Bereichen Hafencity, Neustadt, St. Pauli und Altona-Süd. Aber auch das Gebiet von Bahrenfeld bis Rissen ist angesichts der erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen durch den ein- und ausfahrenden Schiffsverkehr besonders betroffen. Dabei seien nach Auffassung des NABU hafenbezogene Emissionen durch LKW-Umfuhren von Containern innerhalb des Hafens oder terminalbezogene Stickoxidemissionen nicht eingerechnet. „Häfen sind europäische Sonderzonen. Deswegen gibt es im Hafen auch nur eine einzige Hintergrundmessstation auf dem Kleinen Grasbrook, die regelmäßige Überschreitungen der Stickoxidgrenzwerte ausweist. Wollte man sich seitens des Senats wirklich offen und ehrlich die Karten legen, muss umgehend ein Messnetz für den Hafen her. Für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger wäre Erkenntnisgewinn das Mindeste“, so Siegert.

Der NABU kritisiert zudem, dass im Luftreinhalteplan 2017 die Feinstaubbelastung nicht abgebildet wurde. „Auch wenn beim Feinstaub angeblich die Grenzwerte eingehalten wurden, wäre eine Erfassung hilfreich gewesen. Denn klar ist, dass aus der Schifffahrt riesige Mengen Feinstaub freigesetzt werden, die durch die Südwestwindlage vor allem an den Nordrand der Elbe geweht werden. Das Problem löst sich also nicht in Luft auf, es wird durch den Wind nur weiträumig verteilt“, erklärt Malte Siegert. Vor allem der Anteil ultrafeiner Rußpartikel im Feinstaub wird von der Weltgesundheitsorganisation als so krebserregend wie Asbest eingeschätzt.

Pressemitteilung NABU Hamburg

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