„EU-Flottengrenzwerte verteidigen“

Zum Start der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in München fordert Verena Graichen, Geschäftsführerin Politik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Bundeskanzler Friedrich Merz auf, die EU-Flottengrenzwerte für Pkw zu verteidigen:

„Während sich die Autokonzerne auf der IAA innovativ und modern präsentieren, arbeiten die gleichen Unternehmen und deren Lobbyorganisationen in Brüssel daran, die Zeit zurück zu drehen: Mögliche Strafzahlungen sollen ausgesetzt, demokratisch ausgehandelten Flottengrenzwerte verschoben werden. Ohne diese CO2-Mindeststandards können die nationalen und internationalen Klimaabkommen jedoch nur mit einer Reihe anderer, weitaus einschneidenderer Maßnahmen eingehalten werden. Das wissen die Autobosse und werden die IAA und den angekündigten Autogipfel trotzdem nutzen, um auf Bundeskanzler Merz einzuwirken.

Statt Vorgaben jetzt wieder aufzuweichen, müssen sich Bundesregierung und Autobauer gemeinsam anstrengen und für kleine und vor allem bezahlbare E-Autos sorgen. Menschen, die nicht auf Busse und Bahnen umsteigen können, müssen mit kleinen, energie- und ressourcensparenden Elektrofahrzeugen auch bei steigenden Spritpreisen mobil bleiben können. Wer jetzt gegen die CO2-Mindeststandards kämpft, handelt kurzsichtig. Das gilt für die internationale Wettbewerbsfähigkeit, es gilt aber umso mehr für das Erreichen der verbindlichen EU-Klimaziele im Verkehr, die Deutschland aktuell verfehlt. Hier drohen milliardenschwere Strafzahlungen oder der Kauf von teuren Verschmutzungszertifikaten.“

Hintergrund:

Der die IAA ausrichtende Verband der Automobilindustrie (VdA), die European Automobile Manufacturers‘ Association (ACEA) und einige CEOs großer Autokonzerne haben sich mit Briefen an politische Entscheider*innen wie Ursula von der Leyen und Veröffentlichungen für eine Abschwächung der EU-CO2-Mindeststandards ausgesprochen. Gefordert wird unter anderem ein Aussetzen von Strafzahlungen und eine Abschaffung des Verkaufsverbots von neuen Verbrennern nach 2035. An den Verhandlungen zu den Vorgaben war die Autolobby beteiligt und es wurden bereits Zugeständnisse gemacht. So dürfen beispielsweise Verbrenner auch nach 2035 weiter verkauft werden, wenn sie nachweislich nur mit e-Fuels betankbar sind.

Pressemitteilung BUND


IAA Mobility: Deutsche Umwelthilfe fordert echte Mobilitätswende statt Greenwashing-Schaulaufen

Zum Auftakt der IAA Mobility in München am Dienstag, den 9. September, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das Greenwashing der Automobilbranche und fordert ein deutliches Bekenntnis zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. In den vergangenen Monaten hatten vor allem deutsche Automobilkonzerne aggressiv gegen bestehende Klimaschutzmaßnahmen auf EU-Ebene lobbyiert.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH:

„Die deutschen Autokonzerne wollen die IAA Mobility als Feigenblatt nutzen, um ihr fossiles Geschäftsmodell zu verschleiern. Trotz großspuriger Ankündigungen für mehr E-Mobilität bleibt die IAA vor allem ein Greenwashing-Spektakel. Gleichzeitig lobbyiert die Autoindustrie in der EU massiv gegen wichtige Klimaschutzmaßnahmen wie die CO2-Mindeststandards für Verbrenner-Autos. Wir fordern von der Bundesregierung eine klare Ansage an die Autobosse, endlich mehr zum Klimaschutz beizutragen. Dazu gehören ein Verbrenner-Aus spätestens 2030, ein Tempolimit von 100 auf Autobahnen und 80 außerorts sowie die Abschaffung klimaschädlicher Subventionen wie dem Dienstwagenprivileg. Spätestens durch unsere Klagen für mehr Klimaschutz im Verkehrssektor muss sich die Bundesregierung bewegen.“

Laut aktuellen Prognosen der Bundesregierung werden im Verkehr bis 2030 voraussichtlich 180 Millionen Tonnen CO2 zu viel ausgestoßen. Aufgrund europarechtlicher Klimaschutzvorgaben drohen Deutschland besonders wegen des mangelhaften Klimaschutzes im Verkehr Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Nach Klagen der DUH wurde die Bundesregierung deswegen bereits zu mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich verurteilt. Diese Klagen sind nach Revision der Bundesregierung am Bundesverwaltungsgericht anhängig. Mit einem höchstrichterlichen Urteil ist 2026 zu rechnen.

Pressemitteilung DUH


NABU zum Start der IAA: Elektrisch in die Zukunft!
Schur: Betriebliche Flotten sind Schlüssel zur klimafreundlichen Mobilitätswende

Zum Auftakt der IAA Mobility in München fordert der NABU die deutsche Automobilindustrie und die Politik auf, den Kurs in Richtung batteriebetriebener Elektromobilität konsequent weiterzuführen. Nur mit klaren Zielen, Planungssicherheit und massentauglichen Fahrzeugangeboten kann die Branche ihren Beitrag zu Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit leisten.

Pauline Schur, Teamleiterin Klima & Verkehr: „Die Elektromobilität ist die Technologie für klimafreundlicheren Verkehr. Sie muss jetzt konsequent skaliert werden – vor allem im Bereich der betrieblichen Flotten. Diese machen zwei Drittel der jährlichen Neuzulassungen aus und sind damit der wichtigste Hebel, um die Nachfrage nach E-Autos in Deutschland schnell hochzufahren. Nur wenn Flottenbetreiber weiter vorangehen, gelingt der endgültige Durchbruch im Markt.“

Christian Kopp, Referent für Klima & Verkehr, ergänzt: „Die europäischen Flottengrenzwerte müssen bestehen bleiben! Ein Zurück in die Verbrenner-Vergangenheit darf es nicht geben, vielmehr heißt es: Elektrisch in die Zukunft! Scheinlösungen wie E-Fuels oder Biokraftstoffe sind keine Alternative, sie lenken von echten klimafreundlicheren Technologien ab und führen in eine Sackgasse. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autohersteller ist der Massenmarkt für bezahlbare Kleinwagen. Wir begrüßen es ausdrücklich, dass einige Hersteller diese Lücke in der Modellpalette nun endlich schließen.“

Der NABU betont, dass es jetzt auf eine klare politische Rahmensetzung ankommt: Ambitionierte CO₂-Grenzwerte, eine beschleunigte Elektrifizierung der Flotten und attraktive Fahrzeugangebote sind die Schlüssel, um die Transformation der Automobilindustrie zum Erfolg zu machen – für Klima, Wirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher.

Der NABU lädt am 12. September um 11.30 Uhr herzlich zur Podiumsdiskussion „Elektrisch in die Zukunft – Betriebliche Flotten im Fokus“ auf der IAA ein. Auf der Bühne diskutieren

Isabel Cademartori (Mitglied des Bundestags, SPD)
Aaron Bongers (Leitung Region Nord/Ost, Vertrieb Deutschland Großkunden bei Volkswagen Leasing GmbH)
Peter Krücker, (Sustainability Consultant bei cdg Caritas Dienstleistungsgenossenschaft NRW)
Pauline Schur (Teamleiterin Klima & Verkehr, NABU)

Pressemitteilung NABU


Zum Start der IAA 2025: VCD fordert mehr E-Mobilität, ein Bonus-Malus-System bei der Kfz-Steuer und strenge CO2-Grenzwerte

Wenn morgen (9.9.) in München die IAA eröffnet, hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Ton gesetzt: Er will am Auto als Hauptverkehrsmittel und am Verbrenner als Antrieb festhalten. Der ökologische Verkehrsclub VCD hält dagegen: Das Auto hat nur eine Zukunft, wenn es emissionsfrei, sicher und stadtverträglich wird. Der öffentliche Verkehr muss in Stadt und Land zur komfortablen Alternative werden. Der VCD fordert mehr E-Mobilität, ein Bonus-Malus-System bei der Kfz-Steuer und strenge CO2-Ziele.

Kerstin Haarmann, VCD-Bundesvorsitzende, hält wenig vom neuen Image der IAA als vermeintlichem Innovator für die Verkehrswende: „Alle zwei Jahre feiert sich die Automobilindustrie als Fortschrittsgarant. Doch die Realität sieht anders aus. Die Autokonzerne wollen die Vorgaben der europäischen CO2-Mindeststandards abschwächen, um den Verbrenner künstlich am Leben zu erhalten. Dafür erhalten sie von Markus Söder Schützenhilfe – und merken anscheinend nicht, dass sie sich mit dieser rückwärtsgewandten Haltung ins Aus manövrieren. Es gilt, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen, also die Elektrifizierung des Autos und dessen Integration in eine nachhaltige Mobilitätswelt voranzutreiben. Dies sollte die IAA abbilden, sonst wird sie zum Auslaufmodell.“

Der VCD sieht in den europäischen CO2-Mindeststandards eines der effektivsten Instrumente, um die Verbreitung von Elektroautos zu fördern. Allein in Deutschland haben die Vorgaben für 2025 einen Anstieg um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bewirkt. Der Marktanteil beträgt aktuell 18 Prozent, bis 2035 – also in 10 Jahren – sollen es 100 sein.

Der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Michael Müller-Görnert, ergänzt: „Dieses Ziel ist nur dann erreichbar, wenn mehr kleine und günstige E-Autos auf den Markt kommen. Vor allem die kompakten Modelle französischer und koreanischer Hersteller sind derzeit gefragt, entsprechende Fahrzeuge aus deutscher Produktion dagegen Mangelware. Wo bleiben die kleinen bezahlbaren E-Autos von VW & Co, die Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz bereits auf der vergangenen IAA einforderte? Dass VW erst ab dem kommenden Jahr peu-a-peu mit erschwinglichen und massentauglichen E-Autos auf den Markt kommen will, ist (zu) spät.“

Müller-Görnert sieht auch die Politik in der Pflicht: „Der Gesetzgeber kann die Antriebswende mit klugen Anreizen beschleunigen. Dazu gehört zuallererst ein Bonus-Malus-System, wie es bereits Frankreich, die Niederlande oder die nordischen Staaten eingeführt haben.“ Dort zahlen Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß bei der Neuzulassung einmalig mehr und finanzieren damit den Bonus für sparsame und emissionsfreie Autos. Der Marktanteil von E-Autos liegt in diesen Ländern weit höher als in Deutschland. Ein Modell, das der VCD befürwortet.

Pressemitteilung VCD

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