Ferienstart mit Nebenwirkungen

Flughafenbetrieb in der Nacht startet durch – Belastung für Anwohner*innen wächst
Während der Hamburger Flughafen zum Ferienstart mit gut gelaunter PR die Urlaubslust beflügelt, bleibt eine zentrale Realität ausgeblendet: Für viele zehntausende Menschen unter den Abflug- und Anflugrouten bedeutet der Ferienbeginn vor allem eines – mehr Lärm, mehr Schlafstörungen, mehr gesundheitliche Risiken.

Der innerstädtisch gelegene Flughafen Hamburg erlebte bereits in den vergangenen Sommern eine drastische Zunahme von Nachtflugbewegungen – insbesondere zwischen 23:00 und 24:00 Uhr, dem Zeitraum der sogenannten „Verspätungsregelung“. Was ursprünglich als Ausnahme gedacht war, ist inzwischen zur wiederkehrenden Belastungsroutine geworden.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Im Jahr 2024 wurden 987 nächtliche Flugbewegungen nach 23 Uhr gezählt – ein neuer Höchststand. Auch das erste Halbjahr 2025 lässt eine Fortsetzung des Negativtrends befürchten: Mit bereits 308 Verspätungsflügen bis Ende Juni ist abzusehen, dass die kritische Marke von 1.000 Flügen erneut überschritten wird. Hinzu kommt noch eine steigende Anzahl an Genehmigungen für Flugbewegungen in der eigentlichen Nacht nach 24 Uhr – also tief in die gesetzlich geschützte Kernzeit der Nachtruhe hinein.

In den Sommermonaten der letzten Jahre häuften sich die Verspätungen besonders. Allein im Juli 2024 wurden 169 Flugbewegungen nach 23 Uhr registriert – das entspricht im Schnitt mehr als fünf nächtlichen Flugbewegungen pro Tag. Im August waren es 147. Mit dem Wegfall des behördlichen Kontroll- und Sanktionsregimes im Jahr 2025 sind sogar steigende Zahlen in der sogenannten zweiten Nachtstunde – also im Zeitraum zwischen 23 und 24 Uhr – zu erwarten, da Flugbewegungen in diesem sensiblen Zeitfenster faktisch nicht mehr begrenzt oder überprüft werden. Die Ferienzeit bedeutet am Hamburger Flughafen regelmäßig: Nachtruhe ausgesetzt, Lärmpegel hoch, Kontrolle gleich null.

„Die sogenannte Verspätungsregelung ist zu einer echten und greifbaren Gefahr für die Gesundheit der Menschen geworden – während Fluggesellschaften und Flughafen den Fokus einseitig auf Komfort und Bequemlichkeit ihrer Kundschaft richten, statt den Schutz der Bevölkerung ernst zu nehmen“, erklärt Martin Mosel, Vorsitzender des Umweltverbands BIG Fluglärm in Hamburg.

Tatsächlich liegt das Problem nicht nur im Ausmaß der Flüge, sondern auch in der mangelnden Kontrolle: Genehmigungen werden pauschal erteilt, die Verspätungsgründe durch die Airlines selbst festgestellt, eine unabhängige Prüfung findet nicht mehr statt. Das behördliche Prüf- und Kontrollregime ist ausgesetzt.

BIG Fluglärm in Hamburg fordert vor diesem Hintergrund ein sofortiges Moratorium für Nachtflüge in den Sommermonaten, eine wirksame Reform der Verspätungsregelung und die Wiederaufnahme unabhängiger Prüfverfahren durch die zuständigen Behörden. Der Ferienstart darf nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Nachtruhe sein.

Mehr: www.big-fluglaerm.de

Pressemitteilung BIG Fluglärm

Dieser Beitrag wurde unter Bauen / Verkehr / Mobilität, Ernährung / Agrar / Gesundheit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.