“Folgen der Klimakrise können Europa zerreißen”

EU-Umweltagentur veröffentlicht Klimarisiko-Bericht
Die Europäische Umweltagentur hat heute (11.3.) ihren Bericht über die Klimarisiken für die EU vorgestellt. Am Dienstag wird eine Reaktion der Europäischen Kommission mit Handlungsempfehlungen erwartet, um den Klimarisiken zu begegnen.

Delara Burkhardt, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Europaabgeordneten:
„Die Folgen des Klimawandels haben das Potenzial, Europa auseinanderzureißen. Konflikte über die Verteilung von Wasser, Energie oder Lebensmitteln innerhalb und zwischen Mitgliedstaaten der EU könnten schon bald die neue Normalität sein. Wenn in Kommunen bis in den Norden Europas hinein die Wasserhähne abgedreht werden müssen, oder Bauern wegen Ernteausfällen auf die Barrikaden gehen, wird der innere Frieden der EU ernsthaft bedroht. Die Bauernproteste in diesem Winter waren nur ein Vorgeschmack dessen, was noch auf uns zukommen könnte.

Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen jetzt handeln oder die Klimakrise wird zur Klimakatastrophe für unseren Kontinent. Neben Treibhausgas-Minderungen muss die Klima-Anpassung endlich ernst genommen werden. Faktoren wie Alter, Geschlecht, Einkommen oder Gesundheitsstatus können Menschen besonders anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels machen. Das gleiche Potenzial haben gut gemeinte, aber schlecht gemachte Maßnahmen zur Anpassung. Deshalb müssen vulnerable Personen im Mittelpunkt aller Anpassungsstrategien stehen.

Viele Maßnahmen werden nicht einfach sein und zu gesellschaftlichen Auseinandersetzungen führen. Von der Politik erfordert das einen faktenbasierten, verantwortungsvollen Umgang, um die Gesellschaft nicht weiter zu spalten. Die Konservativen versuchen, Konfliktpotenziale auszunutzen und Bevölkerungsgruppen für die eigene Sache gegeneinander auszuspielen, anstatt an echten Lösungen zu arbeiten, wie die Debatten über die EU-Verordnung zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme gezeigt haben. Dabei ist dieses EU-Gesetz so dringend notwendig, um Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft in der EU überhaupt fit für die Zukunft zu machen.“

Pressemitteilung SPD im EU-Parlament


Europa ist nicht auf die sich rasant verschärfenden Klimarisiken vorbereitet

Von allen Kontinenten der Welt erwärmt sich Europa am schnellsten. Die Klimarisiken gefährden die Energie- und Ernährungssicherheit, die Ökosysteme, die Infrastruktur, die Wasserressourcen, die Finanzstabilität und die Gesundheit der Menschen in Europa. Laut der heute veröffentlichten Bewertung der Europäischen Umweltagentur (EUA) haben viele dieser Risiken bereits kritische Niveaus erreicht und könnten ohne sofortige, entschlossene Maßnahmen katastrophale Ausmaße annehmen.

Extreme Hitze, Dürre, Waldbrände und Überschwemmungen, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, werden sich in Europa selbst in den optimistischen Szenarien der globalen Erwärmung verschlimmern und die Lebensbedingungen auf dem gesamten Kontinent beeinträchtigen. Die EUA hat inzwischen die erste European Climate Risk Assessment (EUCRA) (Europäische Klimarisikobewertung) veröffentlicht, die helfen soll, politische Prioritäten für die Anpassung an den Klimawandel und für klimasensible Branchen zu bestimmen.

Aus dieser Bewertung geht hervor, dass die europäischen Strategien und Anpassungsmaßnahmen nicht mit den sich rasant verschärfenden Risiken Schritt halten. In vielen Fällen wird eine schrittweise Anpassung nicht ausreichen, und da viele Maßnahmen zur Verbesserung der Klimaresilienz sehr zeitaufwändig sind, kann auch bei bisher noch nicht kritischen Risiken ein sofortiges Handeln erforderlich sein.

Manche Regionen in Europa sind Hotspots für mehrere Klimarisiken gleichzeitig. Südeuropa ist besonders gefährdet durch Waldbrände und durch die Auswirkungen von Hitze und Wasserknappheit auf die landwirtschaftliche Produktion, die Arbeit im Freien und die menschliche Gesundheit. Überschwemmungen, Erosion und das Eindringen von Salzwasser bedrohen tief gelegene Küstenregionen Europas, darunter viele dicht besiedelte Städte.

Mehr Infos bei der Europäischen Umweltagentur: https://www.eea.europa.eu/de/highlights/europa-ist-nicht-auf-die

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