Greenpeace zu IPCC – Sichere Zukunft gibt es nur

… mit Umstieg auf Erneuerbare Energien
Der Weltklimarat (IPCC) hat heute seinen sechsten Sachstandsbericht über Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit veröffentlicht. Der Bericht stellt die bisher umfassendste Bewertung der Klimaauswirkungen dar.

 

Es kommentiert Greenpeace Klimaexperte Karsten Smid:

“Die katastrophalen Folgen der Klimakrise und des Artensterbens sind eine wachsende Bedrohung. Drohende Hitzewellen stellen für Millionen Bewohner von Metropolen eine tödliche Gefahr dar. Starkregen und Dürren nehmen in vielen Regionen zu, der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt sich, Ökosysteme drohen zu kippen. Diese Entwicklungen verlaufen schneller, als es die Klimawissenschaft bislang erwartet hat – das ist die alarmierende Botschaft dieses Berichts.

Der Bericht des Weltklimarats liefert handfeste ökologische Gründe für einen entschlossenen Ausbau der erneuerbaren Energien, die dramatischen Ereignisse in der Ukraine nachdrückliche politische. Fest steht: Eine sichere Zukunft für alle gibt es nur mit einem entschlossenen Umstieg von Kohle, Öl und Gas auf saubere Energien aus Sonne und Wind.

Es liegt jetzt an der deutschen Bundesregierung als G7-Vorsitzende zusammen mit den führenden Industriestaaten den Ausbau der Erneuerbaren Energien konsequent zu beschleunigen und klimaschädliche Subventionen endlich umfassend zu streichen.”

Pressemitteilung Greenpeace


Deutsche Umwelthilfe zum neuen Weltklimarat-Bericht: „Flammender Appell an Bundesregierung, endlich sofort wirksame Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen“

Als Reaktion auf den heute veröffentlichten Bericht des Weltklimarates IPCC fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) von der Bundesregierung, Treibhausgas-Emissionen sofort stärker zu reduzieren und eine Strategie zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise vorzulegen.

Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Der IPCC-Bericht ist nichts weniger als ein flammender Appell auch an die Bundesregierung, endlich sofort wirksame Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausemissionen zu ergreifen und die Klimaschutzziele so zu verschärfen, dass Deutschland damit das 1,5-Grad-Limit von Paris einhält. Die Klimakrise ist auch in Europa bereits spürbar mit verheerenden Überschwemmungen oder Feuern – ganz zu schweigen von den verheerenden Auswirkungen auf die Biodiversität. Und sie schreitet viel schneller voran, als gedacht. Deshalb braucht es nicht nur Maßnahmen, die in zehn Jahren wirken, sondern die ab sofort Treibhausgase reduzieren. Dazu zählen ein generelles Tempolimit und eine Sanierungsoffensive für Gebäude. Zudem müssen wir die Abhängigkeit von Öl und fossilem Gas schnellstmöglich beenden und das gelingt nur mit mehr Effizienz und dem massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien. Nur dies kann die Lehre aus der derzeitigen klimapolitischen und der sicherheitspolitischen Krise sein.“

Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz: „Neben der Treibhausgaseinsparung, die die schlimmsten Auswirkungen der Klimakatastrophe verhindern soll, muss die Bundesregierung auch dringend die im Koalitionsvertrag angekündigte Klimaanpassungsstrategie vorlegen und dafür ausreichende Haushaltsmittel zur Verfügung stellen. Nur so können wir gewährleisten, auch für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein.“

Pressemitteilung Deutsche Umwelthilfe


Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und HAW-Klima- wissenschaftler Prof. Dr. Walter Leal stellen Forschungsergebnisse vor

Erkenntnisse des neuen IPCC-Report des Weltklimarats und die Bedeutung für Hamburg

„Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das menschliche Wohlergehen und die Gesundheit des Planeten. Jede weitere Verzögerung bei konzertierten globalen Maßnahmen wird ein kurzes und sich schnell schließende Zeitfenster zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft verpassen.“ So lautet der eindringliche Befund des Weltklimarates, der heute vorgestellt worden ist. Dieser sechste so genannte Sachstandsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), wurde unter anderem vom Hamburger Klimaforscher Prof. Dr. Dr. Walter Leal federführend betreut. Als einer von 200 Leitautor:innen kuratierte er das Kapitel, das sich mit Armut, Existenzgrundlagen und nachhaltiger Entwicklung befasst. Zudem arbeitete der HAW-Professor an den Kapiteln über Klimawandel, Gesundheit und Afrika mit. Zur Weltklimakonferenz in Glasgow im Herbst vergangenen Jahres hatte er bereits das „Handbuch zum Management des Klimawandels – Forschung, Führung, Transformation“ mit insgesamt 600 Autor:innen herausgegeben, das Beispiele zur Anpassung an den Klimawandel aufzeigt.

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank: „Ich freue mich, dass mit Prof. Dr. Walter Leal ein Hamburger Forscher so einen wichtigen Beitrag zum diesjährigen IPCC-Bericht leisten konnte. Ich möchte ihm und allen anderen Forscher:innen danken, die sich täglich dafür einsetzen, dass wir den Klimawandel besser verstehen und helfen uns mit ihren Analysen und Erkenntnissen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um den Klimawandel zu stoppen. Der sechste Bericht des Weltklimarates gibt weiter Anlass zur Sorge: Armut und Klimawandel sind unteilbar miteinander verwoben. Dass der Klimawandel menschengemacht ist und wir nicht mehr viel Zeit haben, unseren Planeten lebenswert zu halten, daran lässt die Wissenschaft keinen Zweifel. Hamburg ist ein wichtiges Zentrum der weltweiten Klimaforschung und hat einen wesentlichen Beitrag zu den Erkenntnissen geleistet, die heute veröffentlicht wurden. Ohne wissenschaftsbasierten Fakten ist ein effektiver Kampf gegen die Erderwärmung nicht möglich.“

Prof. Dr. (mult.) Dr. h. c. (mult.) Walter Leal, Gesundheitswissenschaftler und Leiter des Forschungs- und Transferzentrums „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement” HAW Hamburg und Mitautor IPPC-Report: „Einige der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Kapitel sind, dass der Klimawandel die Armut verschlimmert und die Ungleichheiten verschärft. Wenn Megatrends wie Urbanisierung oder Migration hinzukommen, wird diese Dynamik noch beschleunigt“, fasst er zusammen. „Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich deshalb nicht nur an den Ökosystemen und der biologischen Vielfalt festmachen. Ebenso sind Ökosysteme bedroht und damit auch die Menschen und ihre diversen Gesellschaften, Kulturen und Siedlungen. COVID-19 hat die bestehende Ungleichheit noch verschärft.“

Prof. Dr.-Ing. Peter Wulf, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Internationales HAW Hamburg: „Walter Leal ist mit fortdauerndem Engagement, Wissen und Überzeugung seit Jahren im Rahmen des IPPC-Reports und der Aufklärung durch Wissenschaft für die Klimakrise unterwegs. Damit gebührt ihm ein hohes Ansehen und großer Respekt. Nicht umsonst wird er bei der Erforschung des Klimawandels und seiner Folgen von Reuters zu den tausend einflussreichsten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit gezählt. Wir sind stolz darauf, ihn bei uns an der HAW Hamburg zu haben.“

Hintergrund

IPCC-Report
Das Kapitel acht des sechsten Sachstandsbericht des IPCC zeigt: Die Art und Weise, wie eine soziale Gruppe vom Klimawandel betroffen ist, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem sozioökonomischen, kulturellen und geografischen Kontext ab. Neue Daten zur globalen Bewertung der menschlichen Anfälligkeit beziehungsweise der Widerstandsfähigkeit bei erzwungener Migration und Armut, die im neuen Sachstandsbericht beschrieben werden, ermöglichen jetzt „regionale Hotspots zu identifizieren, die mit den Hotspots von Klimagefahren einhergehen – eine gefährliche Wechselwirkung, die es aufzulösen gilt“, so Leal.

Erkenntnisse aus dem 6. Sachstandsbericht (AR6) des IPCC

Eine der Kernaussagen des neuen Sachstandsbericht ist, dass die kumulierten wissenschaftlichen Beweise eindeutig sind: Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das menschliche Wohlergehen und die Gesundheit des Planeten. Jede weitere Verzögerung bei konzertierten globalen Maßnahmen wird ein kurzes und sich schnell schließende Zeitfenster zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft verpassen. Weitere wichtige Fakten sind:

1. Die globale Erwärmung um 1,1°C hat bereits gefährliche und weit verbreitete Störungen in der Natur verursacht. Etwa 3,3 Milliarden Menschen gelten als besonders anfällig für den Klimawandel, trotz der Bemühungen um Anpassung.

2. Der neue Sachstandsbericht führt das Konzept der klimaresilienten Entwicklung ein, was bedeutet, dass Klimafragen bei Entwicklungsplänen und internationaler Hilfe besser berücksichtigt werden müssen.

3. Eine klimaverträgliche Entwicklung ist bereits bei einer globalen Erwärmung von weniger als 1,5°C eine Herausforderung.

4. Der neue Sachstandsbericht unterstreicht die Notwendigkeit, dem Anpassungsbedarf der Städte an den Klimawandel Beachtung zu schenken:

5. Der neue Sachstandsbericht zeigt die Verschärfung der Armut

6. Der neue Sachstandsbericht zeigt, dass Ungleichheiten im Zusammenhang mit den sich ändernden Klimabedingungen bestehen: der Klimawandel verschärft die Ungleichheiten nicht nur in armen Entwicklungsländern, sondern auch in reichen Industrieländern.

7. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung leidet irgendwann im Jahr unter schwerer Wasserknappheit, was zum Teil auf den Klimawandel zurückzuführen ist.

8. In allen Regionen der Welt hat der Klimawandel Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen.

9. Die Klimaauswirkungen und -risiken werden immer komplexer und sind schwieriger zu bewältigen.

10. Um zunehmende Verluste, u.a. der Biodiversität und damit einer Verschlechterung der Lage zu vermeiden, müssen dringend beschleunigte Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ergriffen und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen rasch und deutlich gesenkt werden.

Der aktuelle, sechste IPCC-Report des Weltklimarats ist aufrufbar unter: IPCC — Intergovernmental Panel on Climate Change

Zum Autor

Prof. Dr. (mult.) Dr. h. c. (mult.) Walter Leal, Gesundheitswissenschaftler und Leiter des Forschungs- und Transferzentrums „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement” an der HAW Hamburg, bearbeitete in diesem Abschnitt des IPPC-Reports u. a. die Widerstandsfähigkeit von Menschen in Armut gegenüber klimabedingten Extremereignissen. Als Leitautor des jüngsten IPPC-Reports war zuständig für Kapitel zu Armut und nachhaltiger Entwicklung

In dem zur 26. Weltklimakonferenz in Glasgow u. a. von Prof. Dr. Walter Leal herausgegebene Handbuch zum Klimawandelmanagement (Handbook of Climate Change Management, Research, Leadership, Transformation) setzen sich über 600 Autor:innen in insgesamt 229 Kapiteln mit Anpassungs- und Transformationsprozessen auseinander, die durch den Klimawandel erforderlich werden. Das „Handbuch zum Management des Klimawandels – Forschung, Führung, Transformation“ stellt das größte, nicht öffentlich finanzierte redaktionelle Projekt zum Thema Anpassung an den Klimawandel dar. „Der Schwerpunkt des Handbuchs liegt auf den Themen Forschung, Führung und Transformation – allesamt Schlüsselbereiche in Bezug auf Verfahren zur Förderung der Anpassungsfähigkeit an den globalen Klimawandel. Wir wollen unter anderem Regierungsbeamtinnen und -beamte in ihrer Arbeit unterstützen. Das Buch bietet dafür eine ausgezeichnete und solide Informationsquelle“, erklärte Walter Leal auf der COP26 stellvertretend für die vielen Autor:innen des Sammelbands.

https://link.springer.com/referencework/10.1007/978-3-030-57281-5

Weitergehende Informationen
Das Forschungs- und Transferzentrum Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement, kurz FTZ NK, der Fakultät Life Sciences der HAW Hamburg bietet als Forschungs- und Entwicklungseinrichtung lokale, nationale und internationale projektbezogene Lösungsansätze vor allem auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit und des Klimafolgenmanagements.

Klimacluster Hamburg
Das Hamburger Exzellenzcluster zur Klimaforschung CLICCS zielt darauf ab, Klimaveränderungen zu verstehen und bezieht dabei die natürlichen Klimaänderungen, extreme Ereignisse und unerwartete Effekte mit ein. Es spannt einen großen thematischen Bogen: von der Grundlagenforschung zur Dynamik des Klimasystems und zu sozialen Dynamiken bis hin zur transdisziplinären Untersuchung der Wechselwirkungen von Mensch und Umwelt. Leitfrage der Klimaforschung im Exzellenzcluster ist, welche Klimazukünfte möglich und welche plausibel sind.

Alle Informationen zur Hamburger Klimaforschung bzw. zum Exzellenzcluster der Universität Hamburg: CLICCS : Forschung : Universität Hamburg (uni-hamburg.de)

Welche Veränderungen stehen in Deutschland bevor? Das Projekt GERICS des Helmholtz-Zentrum hereon hat jetzt für alle 401 deutschen Landkreise, Kreise, Regionalkreise und kreisfreien Städte einen Klimaausblick veröffentlicht. Jeder Bericht fasst die Ergebnisse für Klimakenngrößen wie z.B. Temperatur, Hitzetage, Trockentage oder Starkregentage auf wenigen Seiten zusammen.

Pressemitteilung der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW)

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