Während Deutschland die nächste Hitzewelle
erlebt, beherrschen die Bilder der verheerenden Brände in Frankreich und Spanien die Nachrichtenlage. Die Ursachen der Katastrophe liegen in einer jahrzehntelang fehlgeleiteten Waldwirtschaft und der Klimakrise, sagt Greenpeace-Waldexperte Harald Gross:
Wir müssen bei den Ursachen der Brände über mehr als Hitze und Dürre sprechen: In Regionen wie der französischen Gironde brennt kein natürlicher Wald. Was dort in Flammen steht, sind künstliche Holzplantagen, die auf künstlich entwässerten Sümpfen und Mooren errichtet wurden. Diese Nadelholz-Monokulturen wirken auf den ausgetrockneten Böden wie ein gigantischer Brandbeschleuniger. Der regionale Wasserhaushalt ist kollabiert – die Flächen brennen sprichwörtlich wie Zunder.
Diese Situation finden wir auch in Deutschland. Die Brände in Frankreich zeigen, was Teilen des Landes bevorsteht, wenn wir nicht umsteuern. Schließlich prägt auch hierzulande die gefährliche Kombination aus entwässerten Mooren, ausgetrockneten Böden und anfälligen Monokulturen ganze Landstriche – allen voran in Brandenburg und Sachsen. Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise braucht Deutschland jetzt zwei Dinge: eine naturnahe Waldbewirtschaftung und einen beschleunigten Ausstieg aus fossilen Energien als deutschen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz.
Pressemitteilung Greenpeace (29.7.)
Waldbrände in Europa: Jetzt die richtigen Lehren ziehen
NABU fordert mehr Tempo bei Klimaanpassung und Wasservorsorge
Die verheerenden Waldbrände in Südeuropa sind ein eindringliches Warnsignal für ganz Europa. Hitze, Dürre und Wasserknappheit sind keine Zukunftsszenarien mehr, sondern bereits Realität. Auch Deutschland muss sich besser auf die Folgen der Klimakrise vorbereiten und seine Vorsorge deutlich stärken.
„Die brennenden Waldgebiete unter anderem in Frankreich, Spanien und Portugal zeigen, wie verletzlich Europa durch die Klimakrise geworden ist. Deutschland muss daraus die richtigen Lehren ziehen. Klimaanpassung ist kein Zukunftsthema mehr, sie ist unmittelbare Krisenvorsorge“, sagt Pauline Schur, Teamleiterin Klima und Verkehr beim NABU.
Beim Schutz vor den unmittelbaren Auswirkungen der Klimakrise besteht hierzulande noch Nachholbedarf. Das betrifft den Umgang mit Wasser ebenso wie den Schutz der Menschen vor zu großer Hitze, den Zustand von Wäldern und die Widerstandsfähigkeit unserer Landschaften. Während in mehreren europäischen Ländern Strategien zur Anpassung an Hitze und Wasserknappheit längst politische Priorität genießen, bleibt es in Deutschland bei kommunalen Pilotprojekten. Deutschland muss beim Wasserrückhalt, der Hitzevorsorge und dem ökologischen Waldumbau erheblich an Tempo gewinnen.
„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Wasser. Regenwasser muss stärker in der Landschaft gehalten werden, statt es möglichst schnell abzuleiten. Moore, Auen und naturnahe Landschaften sind wichtige Wasserspeicher und helfen dabei, die Folgen von Hitze und Dürre abzumildern. Gesunde Ökosysteme sind die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts“, so Schur.
Die Folgen der zunehmenden Wasserknappheit zeigen sich bereits heute. Niedrige Pegelstände beeinträchtigen die Schifffahrt auf wichtigen Wasserstraßen und verschärfen Nutzungskonflikte zwischen Wirtschaft, Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und Natur.
Der NABU fordert die Bundesregierung auf, zeitnah einen nationalen Hitzegipfel einzuberufen. Bund, Länder, Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft müssen an einen Tisch kommen und beraten, wie Deutschland besser auf zunehmende Hitzewellen und Trockenperioden vorbereitet werden kann. Dem Klimaanpassungsgesetz aus dem Jahr 2024 muss jetzt die lang erwartete Strategie mit konkreten regionalen und sektoralen Maßnahmen und deren langfristiger finanzieller Absicherung folgen
„Die Klimakrise wartet nicht. Deutschland braucht jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung für mehr Klimaanpassung. Jeder Euro, den wir heute in Vorsorge investieren, spart morgen ein Vielfaches an irreversiblen Schäden. Die beste Krisenvorsorge sind intakte Ökosysteme, widerstandsfähige Wälder und Landschaften, die Wasser speichern können“, sagt Schur.
Pressemitteilung NABU (30.7.)