Hitze und Dürre haben zu teils erheblichen Einbrüchen bei den Ernteerträgen geführt. Das zeigt die heute vom Deutschen Bauernverband (DBV) vorgestellte Bilanz der diesjährigen Ernte. Der DBV fordert von der Bundesregierung Soforthilfen wie Steuererleichterungen beim Agrardiesel und eine Verdreifachung der EU-Düngemittelbeihilfe. Greenpeace-Agrarexperte Matthias Lambrecht kritisiert, dass Bundesregierung und Bauernverband unverantwortlich auf die Auswirkungen der Klimakrise reagieren:
„Die Landwirtschaft spürt die Erderhitzung härter als jede andere Branche. Deshalb braucht sie Schutz und gezielte Hilfe bei der Anpassung an die neuen Bedingungen. Wenn Kanzler Merz die unübersehbaren Folgen der Klimakrise aber nur beobachtet und Landwirtschaftsminister Rainer zur Dürre lediglich einfällt, er könne es nicht regnen lassen, dann werden beide ihrer Verantwortung für die existentiell bedrohten Landwirt:innen nicht gerecht. Und auch der Bauernverband muss sich fragen lassen, ob er mit Forderungen nach höheren Subventionen für fossilen Diesel, nach staatlich verbilligtem Kunstdünger oder mit der Blockade des Umbaus der Tierhaltung noch die Interessen der bäuerlichen Betriebe vertritt. Wer gesellschaftliche Solidarität einfordert, muss auch zeigen, wie sich die Landwirtschaft als Mitverursacher von Treibhausgasemissionen solidarisch an der Bewältigung der Klimakrise beteiligt.
Besonders fatal ist, dass der Bauernverband Hand in Hand mit Agrarpolitiker:innen der Union ausgerechnet jetzt die Düngeregeln aufweichen will und bestehende Maßnahmen zum Schutz des Wassers streicht. Dürren und anschließender Starkregen verstärken die Folgen der Überdüngung noch. Das ist ein grob fahrlässiger Umgang mit der knapper werdenden Ressource Wasser. Zudem ist es für die Landwirtschaft unabdingbar, Wasser in der Fläche zu halten, Humus aufzubauen und vielfältige Fruchtfolgen zu fördern. Wir müssen die Tierbestände klimagerecht abbauen und raus aus Öl und Gas, denn dort liegt die Ursache der Dürre.“
Pressemitteilung Greenpeace
Erntebericht 2026: Nicht den Diesel subventionieren, sondern Klimaanpassung
Johannes: Dieseldebatte löst kein Dürreproblem. Wir brauchen resiliente Böden, mehr Vielfalt und besseren Wasserrückhalt
Der Deutsche Bauernverband erwartet für 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Getreideernte. Trockenheit im Frühjahr und die Hitzewelle im Juni haben vielerorts zu erheblichen Ertragseinbußen geführt. Der NABU warnt davor, die Folgen des Klimawandels weiterhin vor allem mit Hilfszahlungen und Forderungen nach günstigem Agrardiesel abfedern zu wollen.
„Ernteausfälle durch Dürre werden leider zur neuen Realität. Zeit für echte Lösungen: Statt immer neuer Forderungen nach billigem Agrardiesel und dem nächsten Hilfstopf braucht es wirksame Klimaanpassung. Denn: Betriebe und Gesellschaft profitieren nur von Vorsorge. Beihilfen für Diesel und Dünger sichern hingegen keine Ernten vor Hitze und Dürre“, sagt Pierre Johannes, Teamleiter Landnutzung im NABU-Bundesverband.
Die diesjährige Erntebilanz zeige erneut, wie stark die Landwirtschaft bereits heute von den Folgen der Klimakrise betroffen ist. Die Antwort darauf könne nicht darin bestehen, die bisherigen Instrumente immer wieder mit zusätzlichen Steuergeldern zu stabilisieren. „Das ist eine neue Realität – und sie braucht neue Antworten“, so Johannes.
Der NABU fordert deshalb, Klimaanpassung stärker ins Zentrum der Agrarpolitik zu rücken. Die Agrarförderung müsse gezielt Anreize für widerstandsfähige Betriebe schaffen – etwa für mehr Vielfalt auf den Äckern, humusreiche Böden und einen besseren Wasserrückhalt. „Das wird mit einer weiterhin auf die pauschalen Flächenprämien zentrierten Gemeinsamen Agrarpolitik nicht funktionieren“, sagt Johannes.
Auch bei der aktuell diskutierten Mehrgefahrenversicherung zur Absicherung von Ernteausfällen gilt: Sie kann Schäden absichern, aber nicht deren Ursachen bekämpfen. Mit zunehmenden Wetterextremen dürften auch die Versicherungskosten steigen. Eine flächendeckende staatliche Förderung würde zudem jährlich mehrere hundert Millionen Euro kosten – mit steigender Tendenz. „Der Klimawandel wird sich nicht zurückziehen. Deshalb sollten wir jetzt in widerstandsfähige Betriebe und Landschaften investieren, statt später immer höhere Summen für Klimaschäden zu zahlen“, so Johannes. Der NABU fordert daher, die Agrarförderung konsequent auf Klimaanpassung und Resilienz auszurichten. Eine Mehrgefahrenversicherung dürfe nicht im Zentrum stehen, sondern nur dazu dienen, Restrisiken abzusichern.
Pressemitteilung NABU