Grün statt Grau schützt Städte vor Hitze

Petzold: Mehr Stadtgrün ist der ökologisch und ökonomisch wirksamste Hitzeschutz
Erneut steht Deutschland eine Hitzewelle mit Temperaturen weit über 30 Grad bevor, in Frankreich und Spanien wüten verheerende Waldbrände: Die unmittelbaren Folgen der Klimakrise sind in Europa schon jetzt deutlich zu spüren. Während Deutschland im vergangenen Monat eine deutlich erhöhte hitzebedingte Sterblichkeit verzeichnete, war die Situation in unserem Nachbarland Frankreich noch dramatischer.

 

Allein während der Hitzewelle vom 17. Juni bis 2. Juli 2026 wurden dort schätzungsweise 5.764 zusätzliche Todesfälle registriert, ein Anstieg der Gesamtsterblichkeit um rund 36 Prozent. Nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern auch unsere Infrastruktur stößt zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Parks, Bäume und Grünflächen bleiben hingegen deutlich kühler. Wärmebilder aus Berlin zeigen, dass die Temperaturunterschiede zwischen versiegelten und begrünten Flächen bis zu 20 Grad betragen können.

„Stadtgrün bedeutet auch wirtschaftliche Daseinsvorsorge: Es schützt Menschen vor extremer Hitze, reduziert die Folgekosten von Gesundheitsvorsorge und Klimakrise und erhält attraktive Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandorte. Wer heute am Stadtgrün spart, verschiebt die Rechnung auf morgen – und die wird deutlich höher ausfallen”, erklärt NABU-Siedlungsexperte Stefan Petzold.“ In der aktuellen Debatte um schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren werden Umweltstandards jedoch häufig als Bremsklotz der Wirtschaft dargestellt, dabei ist sie ihre Grundlage. Die Debatte darf deshalb nicht lauten “Bauen oder Natur”, sondern “Bauen und Natur”. Wer Bäume und Grünflächen als Hindernis für Bau- und Wirtschaftsentwicklung darstellt, verkennt ihren tatsächlichen Wert.”

Der NABU sieht drei zentrale Stellschrauben für hitzeresiliente Städte:

-Erstens: Mehr Grün statt mehr Beton. Grünflächen müssen erhalten und versiegelte Flächen konsequent entsiegelt werden. Parks, Bäume und begrünte Freiräume speichern Wasser, geben Feuchtigkeit an die Luft ab und senken so die Temperaturen in aufgeheizten Städten. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) bietet hierfür eine wichtige Chance.
-Zweitens: Kühle Luft muss freie Bahn haben. Kaltluftschneisen und unbebaute Freiflächen dürfen nicht weiter verbaut werden. Sie sorgen insbesondere nachts dafür, dass kühlere Luft aus dem Umland in dicht bebaute Stadtquartiere strömen kann und tragen damit entscheidend zur Entlastung während Hitzeperioden bei.
-Drittens: Innenentwicklung statt Flächenverbrauch. Deutschland muss seine Siedlungsentwicklung flächensparender gestalten. Noch immer werden laut Statistischem Bundesamt täglich rund 50 Hektar unbebaute Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Anspruch genommen – obwohl gleichzeitig mehr als zwei Millionen Wohnungen leer stehen und ein erhebliches Potenzial zur

Die Mehrheit der Bevölkerung erwartet, dass Politik und Kommunen beim Hitzeschutz handeln: Laut ARD-DeutschlandTrend sprechen sich 89 Prozent der Deutschen dafür aus, mehr in den Schutz vor künftigen Hitzeperioden zu investieren, etwa in eine klimaangepasste Infrastruktur. Der NABU sieht darin einen klaren Auftrag: Städte müssen widerstandsfähiger gegen zunehmende Hitzebelastungen werden.

Pressemitteilung NABU

Foto: begrüntes Hochhaus in Singapur © wuz

Dieser Beitrag wurde unter Bauen / Verkehr / Mobilität, Ernährung / Agrar / Gesundheit, Klima / Energie / Umwelt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.