Hamburg braucht mehr naturnahe Fließgewässer

Tag der Flüsse: NABU renaturiert mit Bachaktionstagen seit 20 Jahren Hamburgs Gewässer
Hamburg ist eine Stadt am Wasser. Neben der Elbe durchziehen zahlreiche Bäche und Gräben das Stadtgebiet. Für viele Tiere und Pflanzen sind sie wichtige Lebensräume und Wanderkorridore. Doch vielerorts sind die Gewässer stark verändert: Ufer sind befestigt und Gewässerläufe begradigt. Dabei können gerade naturnahe Bäche einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt und zu einer klimaangepassten Stadt leisten.

Anlässlich des Internationalen Tages der Flüsse am 27. September fordert der NABU Hamburg deshalb, die ökologische Entwicklung der Hamburger Fließgewässer stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Dass Gewässerentwicklung ganz praktisch funktionieren kann, zeigt der NABU Hamburg seit mittlerweile 20 Jahren mit seinen Bach-Aktionstagen. Seit 2006 haben Freiwillige an mehr als 20 Hamburger Fließgewässern insgesamt rund 250 Aktionstage durchgeführt. Rund 5.000 Menschen haben dabei freiwillig mit angepackt.

„Seit 20 Jahren erleben wir bei unseren Bach-Aktionstagen, wie viel sich verändern lässt, wenn Menschen vor Ort gemeinsam anpacken. Ein einzelner Aktionstag macht aus einem verbauten Bach noch kein naturnahes Gewässer. Aber viele kleine Maßnahmen können langfristig einen Unterschied machen – für die Artenvielfalt und für die Menschen, die ihre Gewässer wieder als lebendige Natur vor Ort erleben können“, sagt Malte Siegert Vorsitzender des NABU Hamburg.

Bei den Einsätzen werden beispielsweise Uferbereiche naturnäher gestaltet, Gehölze gepflanzt, Gewässerstrukturen verbessert oder geeignete Lebensräume für Bachbewohner geschaffen. So entstehen Schritt für Schritt wieder vielfältigere Gewässerabschnitte – und gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, welchen Wert die kleinen Fließgewässer für Hamburgs Natur haben. Die Aktionstage finden in enger Abstimmung mit den Hamburger Bezirken statt.

„Für einen naturnahen Bach ist die Vielfalt an Strukturen entscheidend: unterschiedliche Wassertiefen und Strömungen, Kies und Totholz im Gewässer, naturnahe Ufer und ausreichend Raum für eine eigendynamische Entwicklung. Genau diese Vielfalt fehlt unseren Bächen vielerorts. Renaturierung bedeutet deshalb, Gewässer wieder als Ökosysteme zu entwickeln und nicht nur einzelne Abschnitte optisch aufzuwerten“, sagt Eike Schilling, Referent für Gewässerschutz beim NABU Hamburg.

Gerade kleine Fließgewässer werden häufig unterschätzt. Dabei bilden sie ein engmaschiges Netz, das unterschiedliche Lebensräume miteinander verbindet. Strukturreiche Bachläufe bieten zahlreichen Insekten, Amphibien, Fischen und weiteren Bachbewohnern geeignete Lebensbedingungen. Gleichzeitig können naturnahe Gewässer Wasser länger in der Landschaft halten und bei Starkregenereignissen zusätzliche Rückhalte- und Rückzugsräume schaffen. Damit können sie eine wichtige Aufgabe bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels übernehmen.

Pressemitteilung NABU Hamburg

Foto: Kein naturnaher Bach: Berner Au hinter den Grundstücken an der Krögerkoppel in Sasel-Süd © wuz

Dieser Beitrag wurde unter Natur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.