Hamburg sagt Nein zu Olympia

Bürgerinnen und Bürger setzen andere Prioritäten – Stadtgesellschaft setzt erneut Prioritäten für Klima, Lebensqualität und nachhaltige Stadtentwicklung
­Die Hamburgerinnen und Hamburger haben sich im heutigen Referendum mit deutlicher Mehrheit gegen eine Bewerbung der Stadt um Olympische und Paralympische Spiele ausgesprochen. Das Ergebnis beendet eine monatelange Debatte über die Zukunft der Stadt und sendet zugleich ein klares Signal an Politik, Wirtschaft und Sportverbände.

Aus Sicht des Umweltverbands BIG Fluglärm in Hamburg steht die Entscheidung auch im Zusammenhang mit dem Hamburger Zukunftsentscheid. Bereits dort haben die Bürgerinnen und Bürger deutlich gemacht, welche Prioritäten sie für die Entwicklung der Stadt setzen. Die breite Unterstützung für Klimaschutz, nachhaltige Mobilität und lebenswerte Quartiere sowie die heutige Ablehnung einer Olympiabewerbung ergeben ein konsistentes Bild davon, welche Zukunft sich die Mehrheit der Menschen für Hamburg wünschen.

Martin Mosel, Vorsitzender des Umweltverbands BIG Fluglärm in Hamburg, erklärt:

„Die Hamburgerinnen und Hamburger haben gesprochen. Dieses Ergebnis verdient großen Respekt. Die heutige Entscheidung ist für mich kein Nein zum Sport. Viele Menschen haben vielmehr Zweifel daran geäußert, ob ein olympisches Megaereignis die richtigen Antworten auf die sozialen, ökologischen und finanziellen Herausforderungen unserer Stadt liefert.

Vor dem Hintergrund des Hamburger Zukunftsentscheids ist dieses Ergebnis nur folgerichtig. Die Bürgerinnen und Bürger haben damit erneut deutlich gemacht, welche Prioritäten sie für die Zukunft Hamburgs setzen.

Der Senat ist insbesondere die Antworten auf zentrale klima- und umweltpolitische Fragen schuldig geblieben. Das gilt vor allem für die Auswirkungen der Spiele auf den Luftverkehr und den damit verbundenen Emissions-Impact. Obwohl mit einem erheblichen zusätzlichen Flugaufkommen zu rechnen gewesen wäre, wurden diese Folgen weder transparent dargestellt noch öffentlich diskutiert. Eine ehrliche Klimabilanz der Bewerbung hat es nie gegeben.

Jetzt geht es darum, die großen Herausforderungen unserer Stadt unabhängig von Olympia anzugehen. Klimaschutz, Mobilität, Wohnen, Gesundheit und Lebensqualität bleiben auf der Tagesordnung. Dafür erwarten die Menschen konkrete Lösungen.“

Pressemitteilung Umweltverband BIG Fluglärm


Hamburgerinnen und Hamburger stimmen gegen Olympia-Bewerbung

BUND Hamburg: Votum erlaubt Raum für andere Prioritäten im Flächen- und Klimaschutz

Die Bürgerinnen und Bürger Hamburgs haben sich gestern mehrheitlich gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Der BUND Hamburg hatte im Vorfeld des Referendums auf die erheblichen Zielkonflikte zwischen einer Olympia-Bewerbung und den Verpflichtungen aus dem Hamburger Zukunftsentscheid hingewiesen.

„Jetzt ist eine gute Gelegenheit, den Fokus auf das zu legen, was Hamburg wirklich dringend braucht: eine Stadtentwicklung, die Flächen schützt statt verbraucht, und eine Klimapolitik, die ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird. Daran werden wir den Senat weiter messen“, erklärt Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg.

Das Ergebnis sei kein Signal gegen Sport oder internationale Zusammenarbeit. Es sei ein Auftrag an den Senat, die vorhandenen Ressourcen gezielt in die Herausforderungen zu investieren, vor denen Hamburg tatsächlich stehe: bezahlbares Wohnen ohne weitere Grünflächenversiegelung, konsequente Umsetzung des verschärften Klimaschutzgesetzes und der Erhalt der verbliebenen Freiräume in der wachsenden Stadt.
Der Senat hat mit dem Referendum gezeigt welche Kräfte bei intrinsischer Motivation freigesetzt werden können, der BUND Hamburg erwartet, dass die gesetzten Themen wie bezahlbarer Wohnungsraum und die Grünflächenvernetzung weiterhin mit einem solchen Elan für die Hamburger und Hamburgerinnen vorangetrieben werden.

Pressemitteilung BUND Hamburg


Statements zum Ausgang des Hamburger Olympia-Referendums

Das voraussichtliche Ergebnis des Olympia-Referendums steht fest. Die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger stimmt gegen eine Bewerbung beim Deutschen Olympischen Sportbund. Die Auszählung ist live und online einsehbar unter: www.wahlen-hamburg.de.

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister: „Die Hamburgerinnen und Hamburger haben entschieden, dass sich die Freie und Hansestadt Hamburg nicht um Olympische und Paralympische Sommerspiele bewerben soll. Das Votum ist für den Senat verbindlich. Ich habe dem Präsidenten des DOSB, Thomas Weikert, sowie dem Vertreter Deutschlands beim IOC, Michael Mronz, soeben mitgeteilt, dass Hamburg seine Olympia-Bewerbung zurückzieht. Viele Bürgerinnen und Bürger, die sich auf die Spiele gefreut haben, sind über das Ergebnis des Referendums enttäuscht. Auch ich bedaure das Votum sehr, bedanke mich aber bei allen, die das Ziel, die Spiele nach Hamburg zu holen, unterstützt haben. Wir wussten aus dem früheren Referendum, dass die Skepsis gegenüber Olympia in Hamburg größer ist als in vielen anderen Städten. Gleichwohl haben wir uns dafür entschieden, weil Olympische und Paralympische Spiele nach den heutigen Bedingungen eine große Chance für alle sind. Sie hätten vielen Entwicklungen Rückenwind gegeben, die wir auch ohne Olympia für unsere Stadt erreichen wollen. Genau das ist jetzt unser Auftrag. Wir werden unsere Ziele in der Stadtentwicklung und die Umsetzung der großen Infrastrukturprojekte, für die wir die Unterstützung der Bundesregierung benötigen, jetzt auch ohne Olympia mit aller Kraft verfolgen. Wir werden vor allem auch eine Active City bleiben, in der Sport und Bewegung einen hohen Stellenwert haben. Der Breiten- und Spitzensport ist in Hamburg fest verankert. Er inspiriert, motiviert und bringt die Menschen zusammen. Wir freuen uns schon jetzt auf die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer und auf die künftigen großen Sportereignisse, an denen wir uns als Austragungsort oder im Public Viewing beteiligen.“

Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin: „Der Ausgang dieses Referendums ist eine herbe Enttäuschung und eine verpasste Chance für unsere Stadt. Die Mehrheit der Menschen in Hamburg hat sich gegen eine Bewerbung für Olympische und Paralympische ausgesprochen und das respektieren wir selbstverständlich. Wir wünschen uns dennoch Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland und werden die Stadt oder Region unterstützen, die vom DOSB nominiert wird. Danken möchte ich den vielen Ehrenamtlichen, den Sportlerinnen und Sportlern und allen, die die Olympia-Kampagne in den vergangenen Wochen unterstützt haben. Als wir uns dazu entschieden haben, die Olympia-Frage zur Abstimmung zu stellen, wussten wir, dass dieses Referendum auch verloren werden kann, das gehört zum Sport und zur Demokratie dazu. Aber unser gemeinsames Verständnis im Senat ist es, dass Politik im Sinne der Stadt nicht bedeuten kann, alle politischen Risiken möglichst zu vermeiden. Wir tun das, was unserer festen Überzeugung nach der Stadt und den Hamburgerinnen und Hamburger am besten dient. Wir sehen beispielsweise an der höchsten Wahlbeteiligung Deutschlands, dass Olympia in Hamburg so stark emotionalisiert wie nirgends sonst. Die Befürchtungen, dass das Geld an anderer Stelle fehlen würde, die Mieten und das Leben in Hamburg teurer würden oder zu viele Baustellen entstünden, treffen zwar in der Sache nicht zu – überwinden konnten wir sie aber in den vergangenen Wochen bei vielen Menschen nicht. Diese Sachentscheidung heute ändert gleichzeitig nichts daran, dass der Rot-Grüne Senat in Hamburg das stabilste Regierungsbündnis in Deutschland ist und bleibt. Wir haben uns in einem sehr ambitionierten Koalitionsvertrag jede Menge Hausaufgaben für die kommenden Jahre aufgegeben. Und an die werden wir uns jetzt auch weiterhin mit vollem Elan gemeinsam machen. Saubere Mobilität, noch mehr Klimaschutz und moderne Sportstätten für alle. Olympia hätte hierfür sehr geholfen – aber natürlich wollen wir möglichst viel davon auch ohne die Spiele umsetzen.“

Andy Grote, Sportsenator: „Unzählige Engagierte quer durch die gesamte Stadtgesellschaft haben leidenschaftlich für Olympische und Paralympische Spiele und für diese große Chance für Hamburg gekämpft. Ihnen gilt mein ausdrücklicher Dank. Über 250.000 Hamburgerinnen und Hamburger haben sich von der Idee für ein Festival der Vielfalt und des Sports im Herzen der Stadt begeistern lassen und eine Bewerbung mit ihrer Stimme unterstützt. Aber am Ende hat es nicht gereicht. Eine Mehrheit hat sich gegen eine Bewerbung Hamburgs entschieden. Das ist Demokratie und das Ergebnis ist zu akzeptieren. Die enorme positive Energie der vergangenen Wochen und Monate wollen wir dennoch nutzen, um wichtige Projekte aus dem Bewerbungskonzept, insbesondere für die Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen umzusetzen. Wir werden auch weiterhin mit ganzer Kraft daran arbeiten, den Sport in unserer Stadt zu stärken und damit ein gutes Aufwachsen unserer Kinder und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu fördern.“

Mitteilung der Pressestelle des Senats

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