Hitzeaktionstag 2026: Bäume schützen vor Hitze

BUND Umweltverband ruft zum Mitmachen mit der Mein-Baum-App auf
Hitzewellen, tropische Nächte, aufgeheizte Wohnungen und Arbeitsräume machen uns Menschen zu schaffen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weist zum bundesweiten Hitzeaktionstag am 11. Juni auf die Bedeutung von Bäumen als wirksamen Schutz gegen Hitze hin. Bäume sind natürliche Klimaanlagen – sie leiden aber unter Trockenheit, Hitze und schwierigen Standortbedingungen. Mit der “Mein Baum“-App des BUND können Bürger*innen Bäume schützen helfen.

Besonders betroffen von der Hitze sind Städte. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzeperioden gefährden die Gesundheit der Bevölkerung. Versiegelung von Flächen, fehlender Schatten, weniger Verdunstung und Durchlüftung schaffen sogenannte Hitzeinseleffekte. Vor allem Personengruppen mit erhöhtem Risiko wie ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Menschen mit Behinderungen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder sind stark gefährdet. Die mit Hitze einhergehenden psychischen und physischen Belastungen wirken sich aber auch bei völlig gesunden Menschen aus, beispielsweise auf die Arbeitsfähigkeit.

Straßenbäume sind natürliche Klimaanlagen

Straßenbäume und Parks wirken dagegen als natürliche Klimaanlagen. Durch Verdunstung von Wasser von der Blattoberfläche kühlen sie ihre Umgebungstemperatur an heißen Tagen um mehrere Grad Celsius, außerdem spenden sie Schatten. Dennoch verschwinden Jahr für Jahr viele Bäume für immer aus dem Stadtbild. In Berlin etwa wurden letztes Jahr 5643 Bäume gefällt und lediglich 2736 gepflanzt. Weniger als die Hälfte der gefällten Bäume ist ersetzt worden. Bis diese die Funktionen großgewachsener Bäume erfüllen können, wird es aber noch Jahrzehnte dauern.

Christian Hönig, Abteilungsleiter Biodiversität beim BUND: „In Stadtzentren ist es in Sommernächten nicht selten bis zu zehn Grad wärmer als auf dem Land. Deshalb ist vor allem in den Städten der Schutz von Stadtnatur und Bäumen wichtig. Umso erstaunlicher, dass nur wenige Gemeinden wirksame Baumschutzverordnungen haben, viele Baumkataster erfassen nicht den gesamten Baumbestand einer Stadt.“

„Mein Baum“-App: Bäume kartieren und Art und Zustand erfassen

Hier setzt die App „Mein Baum“ an. Gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) laden der BUND und der BUND Naturschutz in Bayern Bürger*innen ein, zum Schutz von Stadtbäumen beizutragen. Über die gleichnamige kostenlose Smartphone- und Web-App können Nutzer*innen Bäume kartieren und Angaben zu Art, Zustand und Standort machen.

Hönig: „Mit unserem Projekt schaffen wir ein starkes Netzwerk für den Schutz unserer Stadtbäume. Bürgerwissenschaft kann hier ganz konkret helfen, Wissenslücken zu schließen und Maßnahmen voranzubringen.“

Mit der App können Bürger*innen gezielt zur Verbesserung der Datengrundlage für Stadtbäume beitragen. Neben der klassischen Erfassung lassen sich auch ganze Alleen dokumentieren und Wunschbäume melden. Die Standorte werden per GPS oder manuell erfasst und auf einer interaktiven Karte sichtbar gemacht. Bestehende Einträge können jederzeit aktualisiert werden. Ziel des Projekts ist es, eine Datenbank für unsere Bäume im urbanen Raum zu erstellen und Wissenschaftler*innen, Bürger*innen und Planer*innen für Forschung, Austausch und Schutz zu vernetzen.


BUND-Ökotipp: Bäume sind natürliche Klimanlagen und wertvolle Schattenspender | Hitzeaktionstag 2026

Stadtleben bei Trockenheit: So helfen Sie Bäumen und Tieren
Mehr Stadtnatur hilft, die Auswirkungen der Klimakrise zu mindern
Mit der „Mein Baum“-App Baumschützer*in werden

Der Beginn des Jahres 2026 war zu trocken. Die Aussichten für den Sommer: Die Trockenheit bleibt. Auch mit Blick auf den bundesweiten Hitzeaktionstag am 11. Juni hebt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Wert von Bäumen und Stadtgrün hervor. Insbesondere Stadtbäume leiden unter Hitze und Trockenheit. Dabei sind sie wirksame natürliche Klimaanlagen und wertvolle Schattenspender. Christian Hönig, Abteilungsleiter Biodiversität beim BUND, erklärt, was Menschen für mehr Grün in der Stadt tun kann.

In Zeiten der Klimakrise sind es vor allem die Bäume, die durch Verschattung oder Verdunstung die Temperatur in der Stadt merklich reduzieren können. Am Extremstandort Stadt mit wenig Wurzelraum und Bodenverdichtung leiden die Bäume jedoch stark unter der wiederkehrenden Trockenheit. Die Kommunen müssen große Anstrengungen unternehmen, damit sie nicht einfach absterben.

Hönig: „Wenn Bürger*innen in Nothilfe Bäume gießen, dann ist das ein toller Einsatz für die Natur. Wenn Sie gießen, dann bitte lieber einmal ausgiebig – 80 bis 100 Liter, das sind 8-10 Gießkannen – als mehrmals wenig. So versickert das Wasser in den Wurzelraum und verdunstet nicht an der Oberfläche.“

Lebensraum Stadt – für Menschen, Pflanzen und Tiere

Neben den Bäumen wirken naturnahe Grünflächen, entsiegelte Höfe und sogar Dachbegrünung als natürlicher Klimaschutz. Außerdem sind sie unerlässlich, um im Lebensraum Stadt, Habitate und Biotope für Insekten und Tiere anzubieten.

Hönig: „Reden Sie mit Ihrem Vermieter, Ihrer Vermieterin oder Ihrer Wohnungsbaugenossenschaft und fragen Sie nach, ob Sie Ihren Innenhof begrünen und versiegelte Fläche aufbrechen dürfen. Oftmals gibt es auch lokale Fördermöglichkeiten, um kleine Projekte für die Stadtnatur zu finanzieren, beispielsweise Dachbegrünung oder die Aufstellung von Hochbeeten im Straßenraum. Auch eine Regentonne aufzustellen, um Wasser zum Gießen zu sammeln, ist eine gute Idee.“

Naturliebhabende können sich auch bei ihrer Kommune melden, um die Baumscheibe vor dem eigenen Mietshaus zu begrünen.

Hönig: „Wir raten dazu regionale Wildpflanzen auszusäen oder zu pflanzen. Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und kommen oftmals besser mit den Bodenverhältnissen und Trockenheit klar, als hochgezüchtete Pflanzen.“

Die eigentliche kommunale Aufgabe besteht darin, unsere Städte und Siedlungen fit für den Klimawandel zu machen. Neuer Wohnraum muss immer auch zusammen mit grünen Freiflächen entwickelt und (Regen)Wasser konsequent mitgedacht werden, etwa indem in der Stadtentwicklung das Prinzip der Schwammstadt angewendet wird.

Hönig: „Wir raten den Menschen: Setzen Sie sich in Bezirksversammlungen, Gemeindesitzungen oder bei anderen Treffen dafür ein, dass ihre Nachbarschaft grün und naturnäher gestaltet wird. Oder werden Sie Mitglied in einem Umweltverband, finden eine aktive Gruppe und helfen so, unsere Lebensgrundlagen zu schützen.“

„Mein Baum“-App: Bürger*innen schützen Bäume

Eine weitere Möglichkeit, sich aktiv für Stadtnatur einzusetzen, bietet die „Mein Baum-App“ des BUND: Gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) laden BUND und Bund Naturschutz Bayern (BN) Bürger*innen ein, zum Schutz von Stadtbäumen beizutragen. Über die gleichnamige kostenlose Smartphone- und Web-App können Nutzer*innen Bäume kartieren und Angaben zu Art, Zustand und Standort machen.

Hönig: „Mit dem Projekt ‚Mein Baum‘ schaffen wir ein starkes Netzwerk für den Schutz unserer Stadtbäume. Bürgerwissenschaft kann hier ganz konkret helfen, Wissenslücken zu schließen und Maßnahmen voranzubringen. Mit der App können Bürger*innen gezielt zur Verbesserung der Datengrundlage für Stadtbäume beitragen.“

Neben der klassischen Erfassung lassen sich auch ganze Alleen dokumentieren und Wunschbäume melden. Die Standorte werden per GPS oder manuell erfasst und auf einer interaktiven Karte sichtbar gemacht. Bestehende Einträge können jederzeit aktualisiert werden. Ziel des Projekts ist es, eine Datenbank für Bäume im urbanen Raum zu erstellen und Wissenschaftler*innen, Bürger*innen und Planer*innen für Forschung, Austausch und Schutz zu vernetzen.

Pressemitteilungen BUND


Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe: Fast eine Million Bäume aus deutschen Städten verschwunden

DUH deckt auf: Städte verlieren massiv Bäume und Grünflächen, Versiegelung schreitet voran, Hitzebetroffenheit der Menschen sogar gestiegen
Hitze-Hotspots sind Offenburg und Mannheim, Positivbeispiele sind Kiel und Wuppertal
DUH fordert von Bauministerin Hubertz und Gesundheitsministerin Warken sofort wirksamen Hitzeschutz-Masterplan mit verbindlichen Standards für Stadtgrün

In fast allen deutschen Städten finden Bürgerinnen und Bürger immer weniger Schutz vor den Folgen der Klimakrise. Das zeigt der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf den Baum- und Grünflächenbestand sowie die Entwicklung in den Städten legt. Mehr als 900.000 Bäume sind demnach zwischen 2018 und 2025 aus den untersuchten 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verschwunden. In der Gesamtauswertung schneiden die Städte Offenburg, Lahr und Mannheim besonders schlecht ab. Positiv stechen Kiel und Wuppertal hervor.

Im Unterschied zum Vorjahr hat die DUH nicht nur die Hitzebetroffenheit der Menschen untersucht, sondern erstmals auch die Baumüberschirmung (Grad der Bodenbedeckung mit Vegetation von mehr als 2,5 Metern Höhe) sowie den prozentualen Zuwachs der Flächenversiegelung in den vergangenen sieben Jahren. Nur sieben Städte erreichen den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumbeschirmung – darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. Da in allen untersuchten Städten neue Flächen versiegelt wurden, konnte die DUH beim Versiegelungstrend keine einzige grüne Karte verteilen. Beim Hitzebetroffenheitsindex, der sich aus den Indikatoren Versiegelung, Grünflächenvolumen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte zusammensetzt, verschlechtert sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr sogar: Obwohl insgesamt fünf Städte mehr untersucht wurden als noch 2025, ist die Zahl der grünen Karten von 28 auf 21 gesunken.

Die DUH sieht in den Ergebnissen einen Weckruf insbesondere für Bauministerin Verena Hubertz und Gesundheitsministerin Nina Warken, wirksame Hitzeschutzmaßnahmen in den Städten durchzusetzen. Dazu gehört die Umsetzung der 3-30-300 Regel: Bürgerinnen und Bürger sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Während wir in diesem Jahr bereits im Mai die ersten extremen Hitzetage erlebt haben, schaut die Bundesregierung dieser Entwicklung tatenlos zu. Wir machen den Hitze-Check inzwischen zum dritten Mal, weil wir Politikerinnen und Politiker wachrütteln müssen. Die Bauministerin treibt mit ihrer Politik des Neubau-Wahns die Flächenversiegelung massiv voran. Besonders alarmierend ist, dass in den untersuchten Städten in den vergangenen sieben Jahren nahezu eine Million Bäume verschwunden sind. Diese Tatsache lässt sich nicht schnell wieder umkehren, denn Bäume brauchen Zeit, um zu wachsen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in menschenfeindlichen Betonwüsten. Bäume sind unsere grünen Lungen. Wir fordern von der Bauministerin verbindliche Vorgaben für die Entsiegelung, mehr Stadtgrün und damit mehr Schatten – bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt. Es ist erschreckend, mit welcher Ignoranz gegenüber der Realität von Hitzetoten, überhitzten Innenstädten und gesundheitlichen Risiken noch immer Politik gemacht wird. Das muss sich sofort ändern.“

Annett Frick, Bereichsleitung Fernerkundung bei der LUP – Luftbild Umwelt Planung GmbH: „Dank hochaufgelöster Satellitendaten können wir den Baumbestand in Städten flächendeckend abschätzen. Der daraus berechnete Beschirmungsgrad liefert wichtige Rückschlüsse, wie das Wohnumfeld der Menschen durch Baumkronen verschattet wird. Diese Informationen zeigen, wo Bäume bereits wirksam zur Kühlung und zum thermischen Komfort beitragen und wo besonders hitzebelastete Bereiche noch zu wenig beschattet sind. Durch die wiederholte Auswertung über die Zeit lässt sich zudem nachvollziehen, wie sich das städtische Grün entwickelt und welchen Beitrag es zur Wärmeentlastung der Bevölkerung leistet. Damit erhalten Städte und Gemeinden eine wichtige Datengrundlage und Unterstützung, um Defizite und besonders betroffene Stadtteile zu identifizieren.“

Unter dem Motto „Bäume retten Leben“ startet die DUH eine Petition für den Erhalt schattenspendender Bäume unter www.mitmachen.duh.de/stadtgruen. Außerdem ruft die DUH Bürgerinnen und Bürger auf, deutschlandweit fällungsbedrohte Bäume zu melden und nach dem Beispiel des Berliner Baumentscheids aktiv zu werden für mehr Grün in ihren Städten.

Heinrich Strößenreuther, Gründer und Vorstand BaumEntscheid e.V.: „Der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe macht sichtbar, was wir in Berlin täglich erleben: Der grüne Hitzeschutz durch Bäume schwindet, Städte ohne ausreichend Baumschatten werden ungesunde bis unerträgliche Städte. In Berlin haben wir mit unserem erfolgreichen Volksentscheid bewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger das ändern können: Parteiübergreifend und einstimmig wurde unser Gesetz beschlossen – das erste per Volksentscheid erkämpfte Klimaanpassungsgesetz Deutschlands, das die 3-30-300-Regel gesetzlich umsetzt und für eine Million Straßenbäume und 4.000 Miniparks sorgt. Jetzt wollen wir in weiteren deutschen Städten BaumEntscheide starten: Wir rufen die Menschen auf, sich mit ihrer Stadt zu bewerben und vor Ort einen Bürgerentscheid für mehr Bäume, mehr Schatten und mehr Lebensqualität zu starten.“

Hintergrund:

Für den diesjährigen Hitze-Check hat die DUH aus den neuen Indikatoren Baumüberschirmung und Versiegelungstrend sowie dem bereits im Vorjahr eingeführten Hitzebetroffenheitsindex eine Gesamtwertung gebildet. Durch die Hochrechnung des Beschirmungsgrades anhand einer durchschnittlichen Baumkronengröße konnte die absolute Zahl an Bäumen berechnet werden, die zwischen 2018 und 2025 verloren gegangen ist.

Die DUH entwickelt den Hitze-Check jährlich weiter. Beim ersten Hitze-Check 2024 wurden die Versiegelung und das Grünflächenvolumen betrachtet. Im zweiten Hitze-Check stand der Hitzebetroffenheitsindex im Mittelpunkt. Für dessen Berechnung werden bewohnte Flächen einer Stadt in 100 Quadratmeter große Raster unterteilt und anhand von vier Indikatoren ausgewertet: Neben der Versiegelung und dem Grünflächenvolumen sind hierfür die Oberflächentemperatur und die Bevölkerungsdichte hinzugekommen.

Pressemitteilung DUH

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