Verbände setzen gemeinsames Zeichen im p
olitischen Berlin
NABU und Holzindustrie fordern klare Priorität für stoffliche Nutzung
Berlin – Mit einem deutlichen Signal an die Politik haben der NABU (Naturschutzbund Deutschland) und der Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI) in Berlin ihre Forderung nach einer klaren Priorität in der Holznutzung bekräftigt: Holz darf nicht länger in großem Umfang verbrannt werden, sondern soll vorrangig stofflich genutzt werden.
Um ihren Appell sichtbar zu machen, trafen sich Vertreter des NABU und des VHI am gestrigen (22.4.) Nachmittag zu einem Fototermin auf der Marschallbrücke.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger betont die Rolle der Wälder im Klimaschutz: „Wälder sind unverzichtbar für den Klimaschutz und erbringen eine Vielzahl an Ökosystemleistungen, vom Erhalt der Biodiversität über den Wasserhaushalt bis hin zur Kohlenstoffspeicherung. Umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Rohstoff Holz. Eine kluge Nutzung von Biomasse kann zum Klimaschutz beitragen, wenn sie naturverträglich erfolgt, Wälder entlastet und Kohlenstoff möglichst lange gebunden bleibt. Gleichzeitig braucht es ausreichend Raum für natürliche Waldentwicklung, damit Wälder ihre Funktionen dauerhaft erfüllen können.“
Auch der Präsident des Verbandes der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI), Dr. Jan Bergmann, warnt vor einer Fehlentwicklung: „Holz ist zu schade, um es zu verbrennen. Die stoffliche Nutzung von Frisch- und Altholz in Kaskaden im Sinne der Kreislaufwirtschaft bietet volkswirtschaftlich aufgrund der damit verbundenen Wertschöpfung und klimapolitisch durch die langfristige Kohlenstoffbindung den größten Nutzen. Dieses Prinzip wünschen wir uns politisch und gesellschaftlich als Leitbild für die Holzverwendung. Die hocheffiziente energetische Nutzung sollte in der Regel die letzte Option sein.“
Hintergrund ist eine aus Sicht der Verbände alarmierende Entwicklung: In Deutschland wird derzeit rund die Hälfte des anfallenden Holzes direkt verbrannt, obwohl es sich um einen wertvollen und begrenzten Rohstoff handelt. Gleichzeitig droht die Nachfrage nach Holz als Brennstoff weiter zu steigen.
Die zentrale Forderung des gemeinsamen Appells ist klar: eindeutige politische Leitplanken, die sicherstellen, dass Holz künftig zuerst in langlebigen Produkten eingesetzt wird, etwa im Bau, in Möbeln oder in Verpackungen, statt unmittelbar in der Energieerzeugung zu landen. Nur so bleibt Kohlenstoff langfristig gebunden, und nur so lassen sich Klimaschutz und wirtschaftliche Wertschöpfung sinnvoll verbinden.
Die Verbände verweisen darauf, dass auch das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung eine effizientere Nutzung von Biomasse fordert. Jetzt komme es darauf an, diese Vorgaben konkret umzusetzen und Nutzungskonflikte politisch zu lösen, bevor sie sich weiter verschärfen.
Im Zentrum steht dabei das Prinzip der Kaskadennutzung: Holz soll möglichst lange und mehrfach stofflich genutzt werden, bevor es am Ende energetisch verwertet wird. Dieses Prinzip vereint Klimaschutz, Ressourceneffizienz und wirtschaftliche Stabilität. Zugleich warnen die Verbände vor Fehlsteuerungen: Würde Holz verstärkt in Heizkraftwerken und Wärmenetzen eingesetzt, drohten Engpässe für Industrie und Logistik, mit direkten Folgen für Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.
Ihr gemeinsamer Appell richtet sich daher an die Bundesregierung und die Europäische Union: Nur mit klaren politischen Leitplanken lässt sich sicherstellen, dass der Rohstoff Holz effizient genutzt, die Wälder entlastet und die gesteckten Klimaziele erreicht werden.
Pressemitteilung NABU