Kiebitzmoor wird Naturdenkmal

Das Kiebitzmoor, im Volksdorfer Osten nördlich Kiebitzmoorder Eulenkrugstraße gelegen, wird Hamburgs elftes Naturdenkmal (ND). Das Naturschutzgebiet (NSG) „Eppendorfer Moor“ direkt an der Alsterkrugchaussee ist von 15,3 ha um gut zwei Drittel (10,7 ha) auf 26 ha vergrößert worden.

 

Das Kiebitzmoor ist während der letzten Eiszeit in einer wasserstauenden Senke entstanden. Der Moorkörper wurde in den 1950er Jahren teilweise abgebaut. Daraus entwickelte sich ein Teich mit einem breiten sumpfigen Ufer, bestanden mit Seggenrieden und Rohrkolbenröhricht. Daran schließen sich Weidengebüsche und feuchter Birken-Bruchwald an. Hier haben sich seltene und gefährdete Pflanzen angesiedelt, die auf nährstoffarme und nasse Standortverhältnisse angewiesen sind. So wachsen hier noch verschiedene Seggen-Arten sowie Sumpfblutauge, Wassernabel und Sumpf-Haarstrang. Das Moor ist Rückzugsgebiet für Amphibien (Grasfrosch, Grünfrösche, Molche) und Libellen. Fledermäuse jagen hier und besonders wasserliebende Vögel wie Graureiher und Blässhuhn nutzen das Kiebitzmoor als Lebensraum.

Hintergrund: Ein Naturdenkmal ist eine ‚Einzelschöpfung‘ der Natur, also alte oder seltene Bäume und Baumgruppen, erdgeschichtliche Aufschlüsse, Gletscherspuren, Findlinge, Quellen, Gewässer, Dünen, Bracks, Tümpel und Moore. Sie werden aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit unter Schutz gestellt. Naturschutzgebiete sind weit größer und dienen dem Schutz seltener oder gar vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie stark gefährdeter Lebensräume.

Die Senatsentscheidung (Eppendorfer Moor) geht auf einen Beschluss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord vom November 2012 zurück. Damit sind weitere 1,7 ha Moorlandschaft in Hamburg geschützt. Die unter Naturschutz stehende Fläche – Naturschutzgebiete und Naturdenkmale zusammengenommen – beträgt damit rund 6.725 ha oder rund 8,9 % der Landesfläche – weiterhin der Spitzenwert aller Bundesländer.

Umweltsenatorin Jutta Blankau: “Auch nach seiner Erweiterung ist das Eppendorfer Moor eines unserer kleinen Naturschutzgebiete, hat aber besondere Bedeutung: Es liegt mitten in der Stadt und zeigt klar, dass wir auch hier Grün und Natur behalten und entwickeln wollen. Damit schützen wir hier mitten in der City und mit dem Kiebitzmoor in Volksdorf einen Landschaftstyp, der längst auch auf dem Land äußerst bedroht ist.“

Das Eppendorfer Moor zeichnet sich besonders durch einen reich strukturierten Moorkomplex aus. Hier wechseln sich Schilfröhricht, Seggen-Riede und Glockenheide-Gesellschaften mit Pfeifengras und Weiden-Faulbaum-Gebüsch auf engem Raum ab. Hier wachsen Sumpf- und Königsfarn, Wasserfeder, Lungenenzian und Gagelstrauch. Das Moor bietet Lebensraum für viele Brutvogelarten. In den letzten zehn Jahren konnten Zwergtaucher, Eisvogel, Grünspecht, Kleiber und Sumpfmeise als Brutvögel nachgewiesen werden. Auch Mäusebussard und Habicht wurden gesichtet.

Im Bereich um den zentralen Teich wurden verschiedene Fledermausarten kartiert. Besonders interessant ist das Eppendorfer Moor aber für Schmetterlinge. 1989 konnten hier 641 Arten, davon 78 der Roten Liste, nachgewiesen werden. Der zentrale Niedermoorbereich ist Lebensraum für 25 verschiedene Libellenarten. Vor Ort gibt es kleine, aber stabile Vorkommen vom seltenen Moorfrosch, vom Gras- und Wasserfrosch sowie der Erdkröte. Auch der Teichmolch ist hier schon beobachtet worden.

Geschichte: Auf der Weltausstellung 1904 im US-amerikanischen St. Louis, Missouri, erhielt das Botanische Staatsinstitut Hamburg eine Goldmedaille für eine Ausstellung über die Flora des Eppendorfer Moors. Botanische Aufnahmen der letzten Jahrhunderte belegen seinen früheren Reichtum an Moorpflanzen und Orchideen. Der Hamburger Botaniker Dreves und sein Berliner Kollege Hayne haben das Moor 1798 für die Botanik entdeckt. Der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) wurde von Hayne neu für die Wissenschaft beschrieben, mit dem Eppendorfer Moor als “locus classicus” dieser Art. Auch heute noch besitzt das Schutzgebiet einen hohen Stellenwert als Lebensraum moortypischer Tier- und Pflanzenarten – keine andere deutsche Großstadt hat ein so zentral gelegenes Naturschutzgebiet.
Mehr Infos: www.hamburg.de/bsu/nofl/4431720/2015-01-06-bsu-moorschutz-in-der-city/
Pressemitteilung Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Dazu Dr. Andreas Dressel, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft und Spitzenkandidat der SPD für den Wahlkreis Alstertal/Walddörfer:
“Die UnDressel_Andreasterschutzstellung des Naturdenkmals Kiebitzmoor reiht sich ein in eine Kette von Entscheidungen für den Naturerhalt in den Walddörfern. Die Naturschutzgebiete Rodenbeker Quellental und Wohldorfer Wald wurden insgesamt um fast 190 Hektar ausgeweitet und wir haben Wort gehalten beim Moratorium für den Bebauungsplan Wohldorf/Ohlstedt 13, den wir im Interesse des Naturerhalts auf Eis gelegt haben. Der Naturschutz in den Walddörfern ist und bleibt uns ein Herzensanliegen. Das Unterschutzstellung des Naturdenkmals Kiebitzmoor macht das noch einmal sehr deutlich. Manche Oppositionskritik läuft angesichts zahlreichen Unterschutzstellungen in dieser Wahlperiode ins Leere – die Fakten sprechen schlicht eine andere Sprache.”

Eppendorfer Moor: Zwar größer, Pflege aber nicht gesichert!

NABU begrüßt Ausweitung und bemängelt aber unzureichenden Etat für Pflege und Entwicklung

Der NABU bewertet die Erweiterung des Naturschutzgebietes Eppendorfer Moor als positiv. Jedoch bemängelt der Umweltverband, dass mit der Ausweitung der Naturschutzgebietsflächen nicht auch gleichzeitig der Etat für Pflege und Entwicklung angehoben wird. Nach Berechnungen des NABU fehlen im städtischen Haushalt insgesamt rund vier Millionen Euro für den Naturschutz. Selbst der Senat geht von einem Defizit von jährlich 800.000 € aus.
Auch die Ausweisung des Kiebitzmoores als Naturdenkmal begrüßt der Verband. Allerdings müsste das das Schutzgebiet nach Ansicht des NABU flächenmäßig größer sein, um das Kiebitzmoor nachhaltig schützen und entwickeln zu können. Die Alexander PorschkeBeschränkung auf das unbedingte Minimum, die umliegenden Nutzungen und die von allen Seiten erfolgende Einschnürung durch Wege engen das Schutzgebiet zu stark ein und beschränken seine Entwicklungsmöglichkeiten.

“Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Senat das Naturschutzgebiet Eppendorfer Moor nun erweitert hat und das Kiebitzmoor zum Naturdenkmal erklärt. Doch an der Pflege und Entwicklung dieser und aller anderen Schutzgebiete als Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen spart der Senat”, lobt und kritisiert der NABU-Vorsitzende Alexander Porschke die Hamburger Regierung zugleich. „Die Vögel nisten doch nicht in der Verordnung.“

Die SPD-Fraktion hat rechtzeitig zum Wahlkampf nun 200.000 Euro zusätzlich für den Naturschutz beantragt. Dieses Budget ist jedoch auf zwei Jahre begrenzt. Legt man die Berechnungen des Senats zu Grunde, werden etwa 170 € pro Hektar Naturschutzfläche für die Pflege und Entwicklung benötigt. Da ist die geplante Mittelaufstockung nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Denn selbst mit der Mittelaufstockung werden nur 80 € pro Hektar zur Verfügung stehen, also etwa die Hälfte der benötigten Ressourcen.
„Wenn wir bei jeder Wahl so einen Minifortschritt erreichen, dauert es noch ca. 100 Jahre, bis der Bedarf gedeckt werden kann“, kalkuliert der NABU-Vorsitzende. Grund genug zum Handeln hat der Senat: in Hamburg werden 35% der vorkommenden Brutvögel, 62% der Libellen, 81% der Schmetterlinge, 86% der Reptilien- und 88% der Amphibienarten als gefährdet eingestuft.
Pressemitteilung NABU Hamburg

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Foto oben: Kiebitzmoor (c) WUZ
WUZ-Info: Der NABU bemüht sich seit Anfang der 90er-Jahre darum, dass das Kiebitzmoor geschützt wird. Siehe auch WUZ 88 (Okt. 2014) und WUZ 58 (Mai 2011)
Andererseits gibt es seit 2011 Bestrebungen in direkter Nachbarschaft (am Buchenkamp) zu bauen. Ein Widerspruch? (WUZ 60, 62, 65, 66, 80, 89)

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