BUND-Umfrage: Kennzeichnun
g auf allen Produkten muss verpflichtend werden
Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland ist für eine Kennzeichnung der Tierhaltung auf Produkten im Lebensmitteleinzelhandel und in Restaurants. In einer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Auftrag gegebenen Umfrage des Instituts Civey sprechen sich 70 Prozent der Befragten für ein einheitliches staatliches Kennzeichen aus. Fast die Hälfte (46 Prozent) misstraut den zahlreichen aktuellen Labeln und Kennzeichen, insbesondere in der Altersgruppe der 18-29 jährigen ist das Vertrauen (16 Prozent) besonders gering.
Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Die aktuelle Bundesregierung verschleppt das in der letzten Legislatur beschlossene Gesetz immer weiter. Dabei will die Mehrheit der Verbraucher*innen eine staatliche, transparente Kennzeichnung. Es müssen schnellstmöglich die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden, um die Haltungsbedingungen der Tiere in der Landwirtschaft transparent zu machen. Dringend müssen dabei alle Verzehrwege vom Supermarkt bis zur Außer-Haus-Verpflegung in Kantinen und Restaurants einbezogen werden.”
Regierung verschiebt Umsetzung statt Herausforderungen anzugehen
Die BUND-Umfrage zeigt deutlich, dass sich die Menschen beim Einkauf zur Orientierung eine Kennzeichen auf Produkten oder in Speisekarten wünschen. Das Vertrauen in bestehende Kennzeichen ist dagegen gering. Eine einheitliche Kennzeichnung der Haltungsbedingungen der Tiere fehlt bisher. Auch wenn der Lebensmitteleinzelhandel mit der privatwirtschaftlichen “Haltungsform” vorangegangen ist, gibt es weiterhin hunderte verschiedene Label, Siegel und Kennzeichen. Dieser Labeldschungel wirkt sich negativ auf das Vertrauen der Verbraucher*innen aus.
Mehr: https://app.civey.com/dashboards/bund-01-2026-tierwohl-kennzeichnung-24021
Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung ist der Ausweg: mit ihr könnte einheitlich, transparent und über die verschiedenen Verkaufswege hinweg gekennzeichnet werden, was im Produkt drin ist. Doch nachdem in der letzten Legislatur ein entsprechendes Gesetz beschlossen wurde, das bereits im letzten Jahr hätte in Kraft treten sollen, hat die aktuelle Regierung den Starttermin nun auf den 01. Januar 2027 verschoben.
Bandt: „Wir brauchen schnellstens einen umfassenden, EU-rechtskonformen Gesetzentwurf zur Verbesserung des bestehenden Gesetzes – sonst ist die Einführung der Kennzeichnung zum 01. Januar 2027 erneut in Gefahr. Der Minister muss sicherstellen, dass nun zunächst alles umgesetzt wird, was vergleichsweise einfach möglich ist, damit Verbraucher*innen möglichst schnell die gewünschte einheitliche Kennzeichnung erhalten. Verbraucher*innen wollen eine Kennzeichnung auch im Restaurant – dahin sollte die staatliche Kennzeichnung jetzt so schnell als möglich ausgebaut werden. Auch dafür gehen wir morgen gemeinsam mit vielen anderen Organisationen unter dem Motto ‚Haltung zeigen‘ bei der ‚Wir-haben-es-satt‘-Demo auf die Straße.“
Mehr: https://www.wir-haben-es-satt.de/informieren/aufruf
und: https://www.bund.net/massentierhaltung/haltungskennzeichnung/
Pressemitteilung BUND
Greenpeace: „Haltung zeigen, Herr Minister!“
Protest zur Grünen Woche für mehr Tierwohl und Transparenz
Damit die Beendigung von Tierleid in Ställen nicht länger blockiert wird, protestieren heute zwölf Greenpeace-Aktive zur Eröffnung der Grünen Woche. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) verschiebt und verwässert derzeit das Gesetz zur verpflichtenden Haltungskennzeichnung von Fleisch- und Milchprodukten und streicht Fördermittel zum notwendigen Umbau der Tierhaltung. Vor dem Nordeingang des Messegeländes zeigt ein Jahrmarktwagen den Minister als Hampelmann der Fleisch- und Milchindustrie. Die Figur versucht immer wieder, den Vorhang vor eine 3 mal 2 Meter große Videowand zu ziehen, die Aufnahmen aus Schweineställen der tierschutzwidrigen Haltungsform 2 zeigt. “Herr Minister: Haltung zeigen!” fordern die Banner der Aktivist:innen.
“Alois Rainer macht sich zum Erfüllungsgehilfen von Fleisch- und Milchindustriekonzernen, die ohne Rücksicht auf massenhaftes Tierleid ihr profitables Geschäft betreiben und die elenden Zustände in vielen Ställen weiter verbergen wollen”, sagt Matthias Lambrecht, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. “Er sollte endlich seine Verantwortung als Ernährungsminister wahrnehmen und Transparenz schaffen. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wissen, wie die Tiere gehalten werden.”
Fleisch aus tierschutzwidrigen Haltungsformen in Supermarktregalen
Greenpeace waren die Aufnahmen von verletzten, erkrankten oder toten Schweinen aus Mastställen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen zugespielt worden, die große Lebensmitteleinzelhändler beliefern. Ein Rechtsgutachten im Auftrag von Greenpeace bewertet die dort praktizierte Haltungsform 2 als verfassungs- und tierschutzwidrig. … schwarz-rote Regierungskoalition hat gestern im Bundestag beschlossen, das Inkrafttreten des von der Vorgängerregierung bereits 2023 verabschiedeten Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes erneut auf 2027 zu verschieben. Rainers Ministerium war es zuvor über sechs Monate nicht gelungen, einen praxisgerechten Entwurf für die Überarbeitung des Gesetzes vorzulegen. “Mit dieser Arbeitsverweigerung folgt der CSU-Minister offenbar den Vorgaben seiner Partei, die das Gesetz ganz abschaffen will”, so Lambrecht.
Rainer lässt nicht nur die Verbraucher:innen, im Stich, er richtet mit seiner Verzögerungstaktik auch erheblichen wirtschaftlichen Schaden an. Große Supermarktketten und viele bäuerliche Betriebe haben auf verlässliche Rahmenbedingungen und faire Wettbewerbungsbedingungen gesetzt, als sie in Kennzeichnung und bessere Haltungsformen investiert haben.
Greenpeace fordert Transparenz über die Haltungsbedingungen durch eine umfassende verpflichtende Kennzeichnung aller tierischen Lebensmittel in Handel und Außer-Haus-Verpflegung sowie die gezielte Förderung besserer Haltungsformen, die Rainer im vergangenen Jahr gestrichen hat.
Pressemitteilung Greenpeace