Aktuell starker Einflug aus Skandinavien /
NABU hofft auf geflügelpestfreien Herbstzug
Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang versammeln sich an den großen Rastplätzen immer mehr Kraniche. Bevor im Oktober und November die Reise Richtung Frankreich und Spanien fortgesetzt wird, schöpfen sie dort neu Kraft. Am Ostseebodden wurden zuletzt knapp 10.000 Kraniche gezählt.
„Das ist noch nicht sonderlich viel. Lange stand der Wind schlecht für den Überflug aus Südschweden“, erläutert Günter Nowald vom NABU-Erlebniszentrum „Kranichwelten“ in Günz nahe Stralsund. „Jetzt löst sich der Stau aber auf, immer neue Kranichgruppen erreichen fast im Minutentakt die deutsche Küste.“
Weiter südwestlich rund um die Linumer Teiche nahe Berlin ergab die sogenannte Synchronzählung am Dienstag lediglich 3200 Kraniche. Für diesem Zeitpunkt ist das der mit Abstand niedrigste Wert seit über zehn Jahren. Die Linumer Rastvögel fliegen aus Osteuropa und dem Baltikum ein. Warum sie Verspätung haben, ist unklar. Ähnlich wie an der Ostseeküste kann sich das Bild aber auch im brandenburgischen Havelland innerhalb weniger Tage ändern.
Unweigerlich werden Erinnerungen wach an den Ausbruch der Geflügelpest im Herbst 2025. Entlang des Zugweges starben zehntausende Kraniche und die deutschen Rastplätze waren besonders betroffen. Allerdings gibt es laut Nowald für einen erneuten Ausbruch der Seuche bisher „null Hinweise“. Der NABU hofft auf einen ähnlichen Verlauf wie auf der Kranich-Ostroute, wo seit einem großen Ausbruch im israelischen Hulatal 2021 kaum mehr Todesfälle auftraten.
Sorgen bereitet Kranichexperte Nowald der geringe Bruterfolg der deutschen Kranichpaare: „Hauptproblem ist die Trockenheit. Ohne Wasser rund ums Nest sind Eier und Kranichküken gegenüber Füchsen, Wildschweinen oder Waschbären weitgehend schutzlos.“ Besonders wenig Nachwuchs gab es nach Beobachtungen bei der Jungvogelberingung in der Elbtalaue, auch in der Boddenregion waren die Werte nicht gut. „Insgesamt ist das dieses Jahr zu wenig, um den Bestand zu erhalten – vom Ausgleich der Geflügelpestverluste gar nicht zu reden.“
Wie es europaweit um den Nachwuchs bestellt ist, werden die Rastplatzzählungen der kommenden Wochen zeigen. Die Vorhut besteht aus Single-Kranichen und Paaren ohne Nachwuchs, die Familien machen sich etwas später auf den Weg. Jung und Alt lassen sich gut unterscheiden. Kopf und Hals der Jungkraniche sind bräunlich gefärbt, die typische rote Kopfplatte der Erwachsenen fehlt noch.
Zusatzinformationen:
Das Naturerlebniszentrum „Kranichwelten“ mit interaktiver Ausstellung und Bistro ist im September und Oktober täglich von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet. Multimediale Bereiche mit VR-Animation, digitalem Quiz, Basteltischen und Filmen vermitteln Spannendes über Zugwege und Schutz der Kraniche. Im Außengelände samt Spielplatz lassen sich verschiedene Lebensräume erkunden. Hier leben auch zwei handzahme Jungkraniche, die als Waisen aufgenommen wurden. Weitere Infos auf kraniche.de.
Gleich neben den Kranichwelten liegt das „Kranorama“. Die barrierefreie Beobachtungsstation hat zur Herbstrast täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Das Kranorama bietet einen freien Blick auf die Günzer Seewiesen, wo neben Gänsen und Enten zahlreiche Kraniche rasten. Mittwochfrüh waren direkt vor dem Kranorama mehr als 2300 Kraniche zu sehen. (Anmerkung wuz: Das Kranichzentrum liegt nordwestlich von Stralsund)
Pressemitteilung NABU
Mehr: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/nabu-zentren/mecklenburg-vorpommern/24036.html
sowie: https://hamburg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/kranich/index.html