Küss mich, ich bin ein verwunschener Käfer!

NABU-Tipps zu Engerlingen im Garten
Zum Saisonstart wird in Deutschlands Gärten fleißig gegraben und gelockert. Kübelpflanzen werden umgetopft, Obstbäume und Sträucher gepflanzt, Möhren und Radieschen gesät. Beim Wühlen in der Erde kommen neben Regenwürmern und Schneckeneiern auch Insektenlarven zutage. Besonders auffällig sind die Engerlinge, dicke, meist weißliche Maden, die sich im Hochbeet ebenso finden wie im Kompost.

Manche dieser Engerlinge schaden durch Wurzelfraß den Nutz- und Zierpflanzen, andere sind wertvolle Gartenhelfer. Die Käferlarven verbringen teils mehrere Jahre im Boden, während die ausgewachsenen Käfer nur wenige Monate leben. „Auf den ersten Blick lassen sich Engerlinge schwer unterscheiden. Man muss sie aber nicht küssen, um herauszufinden, welcher hübsche Käfer aus ihnen wird. Der Fundort und die Größe der Larven verraten schon viel“, erklärt NABU-Sprecher Helge May.

„Engerlinge in Komposthaufen sind fast immer Rosenkäfer (Foto) oder Nashornkäfer. Beide leben ausschließlich von totem Pflanzenmaterial. Sie helfen also bei der Kompost- und Humusproduktion und können sogar Holz verdauen. Rosenkäferlarven werden bis fünf Zentimeter lang, Nashornkäferlarven kommen auf über zehn Zentimeter und sind damit deutlich größer als die fertigen Käfer mit dem unverwechselbaren Horn. Mit etwas Glück finden sich neben den Engerlingen auch bereits fertige Käfer, die nur noch auf noch wärmere Temperaturen warten, bis sie ausfliegen. Dann ist das Rätsel endgültig gelöst.“

In Beeten, unter dem Rasen und in Töpfen kommen zudem Larven von Gartenlaubkäfern, Maikäfern und den als Junikäfern bekannten Gerippten Brachkäfern vor. Sie ernähren sich von Wurzeln und Sprossen, können also zum Problem werden, wenn es zu viele gibt. Bei der Bestimmung hilft eine „Kriechprobe“: Auf den Boden gelegt, robben Junikäferlarven in Bauchlage davon, Maikäferlarven bewegen sich gekrümmt in Seitenlage fort und Rosenkäferlarven auf dem Rücken.
Während Engerlinge von Rosen- und Nashornkäfer unbedingt wieder zurück in den Schutz des Komposthaufens gehören, müssen Gartenbesitzer*innen bei den Wurzelfressern für sich entscheiden, ob und wie viele sie dulden möchten. Häufig sind Rasenflächen betroffen, wo unschöne gelbe Stellen entstehen. „Dagegen helfen besonders sorgfältige Rasenpflege und aktive Bekämpfung mit parasitären Fadenwürmern“, so May. „Noch besser aber wäre es, den englischen Rasen in eine bunte Wiese umzuwandeln. Die ist widerstandsfähig, pflegeleicht und ein wahres Naturparadies.“

Pressemitteilung NABU

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