Küsten-Schutz vor Folgen des Klimawandels

EU-Projekt „RescueME“ stärkt Widerstandskraft von Hamburgs Nordseeinsel Neuwerk
Nach 42 Monaten intensiver Forschungs- und Praxisarbeit ist das europäische Innovationsprojekt „RescueME“ in diesem Sommer erfolgreich zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie historisch gewachsene Küsten- und Kulturlandschaften wirksam vor den Folgen der Klimakrise geschützt werden können. Für Hamburg und Deutschland diente die Nordseeinsel Neuwerk als zentrale Fallstudie.

Die Ergebnisse wurden im Juni auf der internationalen Abschlusskonferenz im portugiesischen Guimarães vorgestellt. Neben detaillierten Sturmflut-Simulationen der Technischen Universität Hamburg (TU Hamburg) liefert das Projekt konkrete Notfallkonzepte und Handlungsempfehlungen für die Zukunft der Insel.

Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Neuwerk ist ein einzigartiges Naturjuwel im Weltnaturerbe Wattenmeer. Auf Hamburgs einziger bewohnter Nordseeinsel wird besonders greifbar, was die Klimakrise bedeutet: Sturmfluten und der steigende Meeresspiegel stellen die Inselgemeinschaft vor immense Aufgaben. Das Projekt ‚RescueME‘ liefert uns nun konkrete wissenschaftliche Daten statt vager Annahmen: Wir wissen jetzt genau, welchen Belastungen unsere Deiche standhalten und wo wir vorausschauend handeln müssen. Gemeinsam mit der Inselbevölkerung und internationalen Partnern haben wir praxistaugliche Wege erarbeitet, um Neuwerks Natur- und Kulturerbe robust für die kommenden Jahrzehnte aufzustellen.“

Wie sicher ist der Deich bei steigendem Meeresspiegel?

Im Zentrum der Hamburger Fallstudie stand eine Gefahrenmodellierung der TU Hamburg. Anhand eines hochpräzisen digitalen Höhenmodells der Insel simulierten die Forschenden, wie hoch das Wasser bei extremen Wetterlagen am Deich aufläuft. Dabei wurden zwei zentrale Szenarien miteinander verglichen: Bei einer Sturmflut von der Intensität des Sturmtiefs von 2013 reicht der bestehende Schutz vollkommen aus – die Deichkrone wurde in der Modellierung nicht überspült. Berücksichtigt man jedoch die Prognosen des Weltklimarats (IPCC) mit einem Meeresspiegelanstieg um bis zu einen Meter, zeigt sich deutlicher Handlungsbedarf: In diesem Szenario käme es bei einer schweren Sturmflut an einzelnen Stellen bereits zu kurzzeitigen Überspülungen. Diese Daten liefern der BUKEA und den zuständigen Fachdienststellen eine fundierte Grundlage, um künftige Deichverstärkungen und bauliche Anpassungen vorausschauend zu planen.

Von der Forschung in die Praxis

Neben den baulich-technischen Fragen stand die Stärkung der sozialen und organisatorischen Widerstandskraft im Fokus. Seit über 700 Jahren trotzen die Neuwerkerinnen und Neuwerker den Kräften der Nordsee; der historische Leuchtturm dient seit jeher als Zufluchtsort. Über sogenannte Wirkungsketten und ein Planspiel wurden im Projekt akute Risiken für Infrastruktur, Trinkwasser und Naturräume durchgespielt.

In gemeinsamen Workshops von Inselbewohnenden, Wissenschaft und Hamburger Fachbehörden wurden konkrete Notfallszenarien – etwa bei Sturmfluten, Schadstoffunfällen auf See oder dem Ausfall von Versorgungswegen – detailliert analysiert und behördliche Zuständigkeiten geschärft. Ein zentrales Ergebnis: Die Insel verfügt über ein bemerkenswert hohes Maß an sozialer Eigeninitiative und Zusammenhalt. Die Erkenntnisse aus „RescueME“ fließen nun unmittelbar in die künftigen Schutz-, Pflege- und Entwicklungspläne der BUKEA für den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer ein.

Eckdaten zum Projekt „RescueME“

Projektlaufzeit: Februar 2023 bis 31. Juli 2026 (42 Monate).
Europäisches Netzwerk: 16 Partnerorganisationen aus sieben Ländern (Deutschland, Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Kroatien und Belgien).
Fünf Pilotregionen: Neben Neuwerk waren Valencia (Spanien), Portovenere/Cinque Terre (Italien), Zadar (Kroatien) und Psiloritis auf Kreta (Griechenland) beteiligt.
Hamburger Beteiligung: Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), Senatskanzlei sowie die Technische Universität Hamburg (TU Hamburg).
Förderung: Finanziert über das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont Europa“ mit knapp 4 Mio. Euro Gesamtvolumen (davon rund 210.000 Euro für Hamburg).

Mehr Informationen zum Projekt sowie zur Insel Neuwerk stehen unter resilientculturallandscapes.eu und nationalpark-wattenmeer.de/hh/ bereit.

Pressemitteilung Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA)

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