Hamburg renaturiert 34 Hektar Niedermo
or in Neuland
Hamburg treibt den Schutz seiner Moore konsequent voran. Mit der erfolgreichen Wiedervernässung eines rund 34 Hektar großen Niedermoorstandorts in Neuland setzt die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) ein bedeutendes Projekt für den Natur- und Klimaschutz um.
Das Vorhaben wurde mithilfe von rund 1,5 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Naturschutz und Landschaftspflege im Rahmen der Nachsteuerung naturschutzrechtlicher Ausgleichsmaßnahmen entwickelt und realisiert. Die Maßnahme stoppt die kontinuierliche Freisetzung von Treibhausgasen aus dem austrocknenden Torfkörper und schafft wertvollen Lebensraum für bedrohte Arten.
Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Intakte Moore sind hocheffiziente Kohlenstoffspeicher und damit unverzichtbare Partner in unserem Kampf gegen die Klimakrise. Mit der Wiedervernässung in Neuland stoppen wir die Zersetzung des Torfkörpers und binden Treibhausgase langfristig im Boden. Gleichzeitig holen wir bedrohte Arten wie den Kiebitz und den Moorfrosch in ihren angestammten Lebensraum zurück. Wir füllen den ‚Vertrag für Hamburgs Grün‘ konkret mit Leben: Wir überprüfen bestehende Ausgleichsmaßnahmen systematisch und steuern dort nach, wo optimiert werden muss. Das Vorhaben in Neuland ist damit eine wichtige Blaupause für unsere neue Hamburger Moorschutzstrategie.“
Umfassende hydrologische Sanierung stoppt den Wasserverlust
Die Moore in den Gemarkungen Gut Moor und Neuland am Fuß des Harburger Geestrands wurden über Jahrhunderte durch ein dichtes Grabensystem entwässert, um eine landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. Erste in den Jahren 2005 und 2006 umgesetzte Ausgleichsmaßnahmen zeigten im Zuge eines späteren Monitorings Defizite: Das Wasser versickerte unkontrolliert in Richtung des benachbarten Baggersees, wodurch die angestrebte Moorentwicklung ausblieb.
Im Rahmen des Hamburger Programms zur Nachsteuerung von Naturschutzmaßnahmen wurde die Wasserführung von 2024 bis 2026 grundlegend neugestaltet. Um das Versickern dauerhaft zu verhindern, wurde eine rund 700 Meter lange und bis zu vier Meter tiefe Kunststoff-Spundwand eingebracht, die den Moorkörper zum Baggersee hin abdichtet. Das technische Herzstück bildet eine hocheffiziente Elektro-Schraubenpumpe, die Wasser kontrolliert in die Flächen fördert.
Während im Zentrum rund 17 Hektar Moorflächen ganzjährig bis an die Geländeoberfläche angestaut werden, ermöglicht an den westlichen Randbereichen eine flexible Wasserstandsregulierung die Entwicklung von artenreichem Feuchtgrünland, ohne die dortige landwirtschaftliche Nutzung grundsätzlich auszuschließen.
Erste sichtbare Erfolge für den Artenschutz im Hamburger Süden
Wenige Monate nach Inbetriebnahme der Anlage zeigen sich bereits deutliche Erfolge für die Biodiversität. Zuvor dominierende Brennnesselbestände gehen zurück und machen einer vielfältigen Moorlandschaft mit offenen Wasserflächen, Röhrichten und Feuchtvegetation Platz. Davon profitieren zahlreiche Tierarten: Kiebitz und Rotschenkel brüten wieder auf den benachbarten Wiesen, während seltene Arten wie Rohrschwirl und Feldschwirl die neu entstandenen Röhrichte als Lebensraum angenommen haben.
Die in Neuland gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die derzeit in Erarbeitung befindliche Hamburger Moorschutzstrategie ein. Insgesamt verfügt die Hansestadt noch über rund 2.350 Hektar organische Böden, die grundsätzlich für eine Wiedervernässung geeignet sind. Ziel der BUKEA ist es, diese Potenziale schrittweise zu nutzen und entwässerte Moore langfristig wieder als Kohlenstoffsenken und artenreiche Lebensräume zu entwickeln.
Pressemitteilung Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA)
BUND zur Moorwiedervernässung in Neuland: Ausgleichsmaßnahmen müssen dauerhaft funktionieren
Der BUND begrüßt die nun endlich wirksam hergestellte Vernässung einer Moorfläche in Neuland. Sie soll den Verlust von wertvollen Moorböden ausgleichen, die das Mercedes-Werk in Moorburg aus dem Jahr 2010 in Anspruch genommen hatte.
Die Ausgleichsmaßnahme wurde zwar bereits 2015 umgesetzt, doch die dafür installierte Pumpanlage war schon seit 2017 außer Betrieb. Trotz wiederholter Hinweise des BUND an den zuständigen Bezirk erfüllte die Maßnahme über viele Jahre ihre vorgesehene Funktion nicht. Erst jetzt wurde sie grundlegend überarbeitet: Mit einer neu eingezogenen Spundwand und einer leistungsfähigeren Pumpanlage bestehen nun endlich gute Voraussetzungen dafür, dass sich die Moorflächen dauerhaft wieder vernässen und ihre wichtige Funktion für Klima- und Naturschutz erfüllen können.
Dazu Gisela Bertram, Stellvertretende Vorsitzende des BUND Hamburg:
„Es ist sehr gut, dass diese Ausgleichsmaßnahme nun endlich ihre Funktion erfüllen kann. Dass die Vernässung nach mehr als zehn Jahren doch noch umgesetzt wurde, ist ein wichtiger Schritt für den Klimaschutz und den Erhalt wertvoller Moorböden.
Der Fall zeigt aber auch eindrücklich, wie wichtig verlässliche Kontrollen und eine dauerhafte Unterhaltung von Ausgleichsmaßnahmen sind. Über viele Jahre konnte der trockengefallene Torfboden ungebremst klimaschädliche Treibhausgase freisetzen, obwohl die Maßnahme längst hätte wirken müssen. Ausgleichsmaßnahmen dürfen kein Papierversprechen bleiben – sie müssen dauerhaft funktionieren und regelmäßig überprüft werden, sonst verfehlen sie ihren Zweck.
Die jetzt umgesetzte Vernässung zeigt zugleich, welches große Potenzial in der Wiedervernässung von Mooren für den Klimaschutz steckt. Intakte Moore speichern CO₂, trockengelegte und degradierte Moorböden setzen es dagegen kontinuierlich frei. Hamburg sollte diese Erfahrungen nutzen und weitere geeignete Moorflächen, etwa im Moorburger Raum, konsequent für den Klimaschutz wiedervernässen, anstatt für Projekte wie die A26 Ost weitere Torfböden zu zerstören.“
Hintergrund:
Die Wiedervernässung in Neuland ist eine Ausgleichsmaßnahme für den Verlust von Moorböden im Zuge des Bebauungsplans Heimfeld 48 (Mercedes-Werk Moorburg). Weil die Pumpanlage bereits seit 2017 außer Betrieb war, blieb die Maßnahme über viele Jahre weitgehend wirkungslos. Erst die jetzt erfolgte technische Überarbeitung schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Fläche künftig ihre wichtige Funktion für Klima- und Naturschutz erfüllen kann.
Pressemitteilung BUND Hamburg
NABU-Kommentierung zur Wiedervernässung im Niedermoor am Neuländer Baggersee
Siegert: „Nur ein Bruchteil von Ausgleichsmaßnahmen ist wirklich effektiv“
Umweltsenatorin Katharina Fegebank stellt heute das Wiedervernässungsprojekt am Neuländer Baggersee vor. Der NABU Hamburg begrüßt, dass die Ausgleichsmaßnahme für das Mercedes-Werk in Moorburg 16 Jahre später überhaupt noch umgesetzt wird. Grundsätzlich kritisiert Hamburgs größter Umwelt- und Naturschutzverband nämlich die gängige Praxis, dass Ausgleichsmaßnahmen zu oft nicht oder nur mit deutlicher Verzögerung und durch öffentlichen Druck zustande kommen.
Dazu Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg:
„Egal ob für Airbus oder Elbvertiefung, aber auch viele kleinere Vorhaben – lediglich ein Bruchteil der Maßnahmen wird so umgesetzt, dass er dauerhaft den ökologischen Verlust adäquat ausgleicht. Europäische Nachbarn wie die Niederlande oder Dänemark, die gern als Beispiel für zügige und kosteneffiziente Planung und Umsetzung von Projekten angeführt werden, haben beim Ausgleich für Schäden in an der Natur durch Infrastruktur oder Bebauung eine ganz andere Haltung. Sie stellen im Regelfall den Ausgleich für Schäden her, bevor das eigentliche Vorhaben umgesetzt wurde und kompensieren oftmals mehr als gesetzlich vorgeschrieben. Das schafft mehr gesellschaftliche Akzeptanz.
Ausgleichsmaßnahmen werden hier von vielen Beteiligten gern als Bürde und teure Zumutung wahrgenommen. Gerade weil sich aber Natur- und Umweltschutzverbände für die Umsetzung von festgelegten Ausgleichsmaßnahmen einsetzen, entsteht der Eindruck, als würde Ausgleich für Schäden exklusiv für Naturschutzverbände geschehen. Richtig ist aber, dass sich Naturschutzverbände im gesamtgesellschaftlichen Interesse für den Ausgleich von Schäden an der Natur einsetzen. Klimaschäden oder der Verlust von Lebensräumen und Arten fallen der gesamten Gesellschaft vor die Füße. Deswegen wäre es wünschenswert, wenn Ausgleich auch in Deutschland mit voller Überzeugung und entsprechenden finanziellen Mitteln garantiert wird.“
Pressemitteilung NABU Hamburg