Mehrweg statt Einweg reduziert die Klimabelastung

Eine neue Studie von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) und des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Auftrag des NABU belegt: Auch jenseits der Getränkeflasche gibt es ein großes Potenzial, durch den Einsatz von Mehrweg- statt Einwegglas Treibhausgasemissionen einzusparen. Glas ist ein gutes und robustes Verpackungsmaterial, das allerdings vor allem durch die Herstellung mit einer hohen Klimabelastung verbunden ist.

Am Beispiel von Obst- und Gemüsekonserven sowie Brotaufstrichen wurde in der Studie berechnet, wie sich die klimarelevanten Emissionen der Verpackung mit dem Einsatz von Mehrweggläsern reduzieren ließen.

„Wir brauchen Mehrwegangebote nicht nur für Getränke, sondern auch für vorverpackte Lebensmittel wie Obst- und Gemüsekonserven oder Brotaufstriche. Mit Mehrweg- statt Einweggläsern könnten hier die durch die Glasverpackung verursachten Treibhausgasemissionen um teils mehr als die Hälfte gesenkt werden“, führt NABU-Verpackungsexpertin Katharina Istel aus. Das Ergebnis der Studie: Wird ein Mehrwegglas für Obst- und Gemüsekonserven zwölfmal genutzt, ersetzt es zwölf Einweggläser und reduziert die Klimaemissionen der Verpackung um fast 60 Prozent, trotz zusätzlicher Transporte und Reinigung. Auch bei Brotaufstrichen fällt die Bilanz deutlich aus: Ein neunmal genutztes Mehrwegglas verursacht nur etwa halb so viele Treibhausgasemissionen wie neun Einweggläser. Weitere Einsparungen wären möglich, wenn auch die bislang üblichen Einwegdeckel durch Mehrweglösungen ersetzt würden.

„Bisher sind nur circa zehn Prozent der Glasverpackungen in Deutschland Mehrwegverpackungen, davon 99 Prozent für Getränke. Mehr Lebensmittel in Mehrweggläsern und -flaschen abzupacken, ist mit Aufwand und hohen Kosten für die Umstellung der Logistik verbunden. Daher sollten Initiativen, die skalierbare und unternehmensübergreifende Mehrwegsysteme entwickeln, sowie die Koordination der relevanten Akteure finanziell gefördert werden“, fordert Istel. „Letztlich brauchen wir einen Mix an politischen Steuerungsinstrumenten, um Mehrweg wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen, wozu im besten Fall auch eine Verpackungsabgabe gehört, die Mehrwegverpackungen gegenüber Einwegverpackungen finanziell begünstigt. Eine weitere Finanzierungsquelle wären die Zahlungen der dualen Systeme für Präventionsmaßnahmen nach der EU-Verpackungsverordnung“, konkretisiert Istel.

Zwar gibt es vereinzelt bereits Produkte wie Tomatensaucen, Brotaufstriche oder Fertigsuppen im Mehrwegglas. Jedoch sind das bisher Nischenangebote und im Alltag noch nicht flächendeckend verfügbar. Was Verbraucherinnen und Verbraucher aber schon heute tun können: Mehrwegflaschen und -gläser müssen konsequent im Handel zurückgeben werden, damit sie gereinigt und wiederverwendet werden können. Einwegglas gehört in die Altglastonne, idealerweise nach Farben getrennt, da für die Herstellung von Weiß- und Braunglas sehr gut sortiertes Altglas benötigt wird.

Pressemitteilung NABU

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