NABU-Kommentierung zum Freibad an der Alster
Die Hansestadt Hamburg erwägt den Bau eines Schwimmbads am ursprünglichen historischen Standort Schwanenwik. Der Hamburger Senat und Bäderland stellen heute erste Visualisierungen vor. Durch zahlreiche Interessengruppen auf und um die Alster gibt es bereits eine intensive Nutzung und teils erhebliche Nutzungskonflikte. Für Natur findet sich wenig Raum und ökologisch sensible Zonen leiden bisher unter der intensiven Nutzung.
Dazu Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg:
„Wegen des hohen Nutzungsdrucks auf und um der Außenalster sehen wir bereits heute die negativen Auswirkungen auf das Gewässer sowie die wenigen wertvollen ökologischen Bereiche. Ein zusätzliches Angebot sehen wir daher grundsätzlich kritisch. Aber: Wenn ein öffentliches Schwimmbad realisiert würde, dann sollten sowohl Mensch als auch Natur profitieren. Das bedeutet sich im Zusammenhang mit dem Schwimmbad von Beginn an adäquate Maßnahmen für eine ökologische Aufwertung des Gewässers und seiner Uferzonen zu überlegen. Gleichzeitig sollte es ein kluges Konzept geben, wie eine Übernutzung in einem ohnehin schon stark frequentierten Naherholungsbereich gerade während der schönen Sommertage vermieden werden kann, um nicht noch mehr Druck auf multifunktional genutzten Flächen zu machen“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender vom NABU Hamburg.
Pressemitteilung NABU Hamburg
Ein Freibad in der Außenalster: Senat und Bäderland stellen erste Bilder der möglichen neuen Badestelle vor
Die Planungen für eine neue Badestelle in der Außenalster werden konkreter: Am heutigen Montag haben Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, die Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank sowie Sportsenator Andy Grote gemeinsam mit Bäderland eine erste Idee für eine Badestelle an der Außenalster vorgestellt. Damit könnte am Standort Schwanenwik ein modernes, öffentliches Naturfreibad nach skandinavischem Vorbild für die Hamburgerinnen und Hamburger geschaffen werden.
Am Schwanenwik wurde bereits 1869 eine öffentliche Badeanstalt eröffnet. Die ersten Ideen beinhalten ein direkt in die Außenalster integriertes Konzept inklusive Schwimmbecken und die Neugestaltung der Alsterwiese. Im Zentrum der Überlegungen steht ein biologisches Filtersystem, das das Alsterwasser für den Badebetrieb aufbereiten soll. Eine Kombination aus Schilfzonen am Ufer und ergänzender Filtertechnik im Bereich der Steganlagen soll die Wasserqualität verlässlich sichern und gleichzeitig Natur- und Uferbereiche schützen.
Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister: „Das Büro gmp hat eine interessante Idee für eine öffentliche Badestelle an der Außenalster entwickelt. Erste Prüfungen haben ergeben, dass der Entwurf mit den Anforderungen des Naturschutzes und den sonstigen Nutzungen auf der Außenalster vereinbar ist. Damit ergibt sich eine realistische Perspektive, den Auftrag der Bürgerschaft und den Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen und einen historischen Ort wieder für eine hoch attraktive öffentliche Nutzung zu öffnen. Ein Freibad an der Außenalster passt zu Hamburg als attraktive Stadt am Wasser und würde die Lebensqualität für die Hamburgerinnen und Hamburger weiter erhöhen. Ich danke den Behörden und dem Büro gmp sehr herzlich für ihre Arbeit und wünsche dem Projekt viel Erfolg.“
Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin: „Hamburg ist eine Stadt am Wasser und es ist wichtig, dass wir dieses Wasser auch wirklich gemeinsam nutzen. Bald wieder sicher in der Alster zu schwimmen – das ist für viele Menschen in unserer Stadt ein echter Traum. Die Idee des Alsterbades am Schwanenwik knüpft an eine alte Hamburger Tradition an und schafft einen offenen, öffentlichen Ort zum Erholen, Begegnen und Abschalten. Entscheidend ist, dass das Ganze auch für Natur und Umwelt funktioniert: mit einem Konzept, das die Wasserqualität dauerhaft verlässlich sichert und Ufer- sowie Naturbereiche schützt, damit die Alster ihren Charakter behält. Wenn das gelingt, ist das ein echter Gewinn für Hamburg – und auch ein erster Schritt hin zu weiteren öffentlichen Badestellen in der Stadt.“
Andy Grote, Sportsenator: „Das Alster-Freibad ist ein faszinierendes Projekt für ganz Hamburg und zeigt: Olympia bringt die Dinge in Bewegung und schafft nachhaltige Mehrwerte. Die Alster spielt als Austragungsort der Eröffnungsfeier und mehrerer Wettkämpfe eine zentrale Rolle im Bewerbungskonzept – genauso wie das Ziel, dass alle Hamburger Kinder sicher schwimmen können. Jetzt bringen wir beides zusammen und schaffen eine dauerhafte Schwimmmöglichkeit hier am Schwanenwik. Dann könnten sogar die Hamburger Kinder in der Alster schwimmen lernen. Nach vielen Jahren der Diskussion über die Idee eines Schwimmbades in der Alster gehen wir jetzt im Kontext der Olympia-Bewerbung den entscheidenden Schritt weiter und nehmen das Projekt mit einem realistischen Konzept konkret in Angriff.“
Susan Zetzmann, Geschäftsführerin Bäderland: „Ein neues Naturbad an der Alster kann für alle Hamburgerinnen und Hamburger ein tolles Erlebnis werden – offen, einladend und bewusst kein Edeltempel. Ein neues Naturbad kann ein tolles Angebot für Hamburg werden, das sich naturnah und ökologisch in seine Umgebung einfügt, die freien Blickbeziehungen zur Alster bewahrt und die Natur bewusst in den Mittelpunkt stellt. Unser Ziel ist ein Ort zum Schwimmen, Begegnen und Verweilen – mit einer hohen Aufenthaltsqualität und idealerweise ganzjährigen Angeboten.“
Magdalena Weiss, Executive Partnerin, gmp: „Mit wenigen Eingriffen kann hier ein wunderbarer Badeort im Einklang mit seiner Umgebung entstehen. Die Schilfzone am Ufer bleibt bestehen, unter dem Becken entsteht ein geschützter Raum für Fische. Die Konstruktion aus Holz und Stahl ist rückbaubar, ein natürliches Filtersystem, betrieben mit Solarenergie, ermöglicht einen weitgehend eigenständigen Betrieb des bewusst unbeheizten Bads.“
Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor: „Einfach großartig! Eben weil es sich so gut einfügt und respektvoll mit dem Landschaftsraum umgeht. Baden in der Außenalster – das ist Hamburg, wie es besser nicht sein kann.“
Architektur und Nutzung
Die Visualisierungen sehen ein unbeheiztes Schwimmbecken sowie zwei separate Kinderbecken vor. Um die Schwanenwikwiese als Treffpunkt zu erhalten, ist die Platzierung der Badestelle in der Landschaft bewusst zurückhaltend geplant. Ein begehbarer Hügel im nordöstlichen Bereich könnte zusätzliche Aufenthaltsqualität schaffen und einen weiten Blick über die Außenalster ermöglichen. In den Entwürfen ist vorgesehen, in diesem Bereich auch Infrastruktur für Umkleiden, Duschen, Sanitäranlagen und ein gastronomisches Angebot unterzubringen.
Teil der Idee ist es, den Ort nicht nur in der Badesaison, sondern ganzjährig als attraktiven Anlaufpunkt zu gestalten. Vergleichbare Möglichkeiten gibt es zum Beispiel in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen oder in Norwegens Hauptstadt Oslo.
Hintergrund und Ausblick
Die ursprüngliche Badeanstalt am Schwanenwik wurde im Zweiten Weltkrieg zurückgebaut. Mit dem Naturbad soll die Tradition des innerstädtischen Badens wieder aufgenommen und zugleich eine zusätzliche, öffentliche Freizeitmöglichkeit geschaffen werden, die sich harmonisch in das Stadtbild einfügt.
Im nächsten Schritt werden die Detail- und Machbarkeitsplanungen vertieft, einschließlich Fragen der Wasseraufbereitung, des Naturschutzes, der Sicherheit und des Betriebs sowie dessen Finanzierung. In dieser Phase werden auch die Belange anderer Nutzer der Außenalster in das Projekt integriert, darunter beispielsweise die der weißen Flotte der Alsterdampfer oder die Interessen der zahlreichen Wassersportler. Parallel prüfen Bäderland und die zuständigen Behörden weitere Standorte im gesamten Stadtgebiet, um zusätzliche Badestellen für die Hamburgerinnen und Hamburger zu ermöglichen. Neben naheliegenden Stadtentwicklungsgebieten, zum Beispiel im Harburger Binnenhafen oder am Billebogen, werden im Rahmen dieses Prozesses alle grundsätzlich in Frage kommenden Wasserflächen ermittelt und geeignete Konzepte evaluiert.
Pressemitteilung Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA)
Alsterpool am Schwanewik geplant
Domm: „Hamburg wird Badestadt“
Die heute vom Hamburger Senat vorgestellten Pläne für eine neue öffentliche Badestelle haben großes Potenzial: Am Schwanenwik soll ein abgetrenntes 50-Meter Schwimmbecken, zwei Kinderbecken, sowie eine großzügige Fläche aus Holzstegen und Liegewiese mit Gastronomie entstehen. Die neue Badestelle soll sich optisch in die Umgebung einfügen und weder die Natur noch die Wassersportler*innen auf der Alster beeinträchtigen. Der Entwurf geht auf einen Antrag der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen zurück (Drs 23/2489). Für die konkrete Umsetzung geht es im nächsten Schritt unter anderem darum, das Betreiberkonzept und die Wasseraufbereitung in Machbarkeitsplanungen zu untersuchen.
Dazu Rosa Domm, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen Fraktion Hamburg: „Hamburg wird Badestadt: Der Entwurf für die neue Badestelle an der Außenalster zeigt das große Potenzial unserer Stadt. Wenn man die heute vorgestellten Bilder sieht, würde man am liebsten direkt in den neuen Alsterpool springen. Es freut mich sehr, dass so schnell ein erster Entwurf als Antwort auf unseren Bürgerschaftsantrag entwickelt wurde. Die Badestelle ist eine Einladung an alle Hamburger*innen, die Wasserstadt Hamburg in der Freizeit zu erleben. Zugleich ist mir wichtig: Mit diesem ersten Entwurf ist die Entwicklung neuer öffentlicher Badestellen in Hamburg längst nicht abgeschlossen. Wir nehmen die ganze Stadt in den Blick und suchen nach weiteren Badeorten auch abseits der Innenstadt, zum Beispiel an Bille, Dove-Elbe und den Hamburger Kanälen. So erhöhen wir die Attraktivität unserer Stadt für alle und bringen noch mehr Abkühlung, Sport und Badespaß in den Alltag der Hamburger*innen.“
Pressemitteilung Grüne Bürgerschaftsfraktion