Krüger: Wenn wir der
Hitze etwas entgegensetzen wollen, brauchen wir unsere Natur
Deutschland steht eine außergewöhnliche Hitzewelle bevor: Für das Wochenende werden regional Temperaturen von 39 bis 41 °C erwartet. Damit könnte der bisherige Hitzerekord in Deutschland deutlich übertroffen werden. Der NABU beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge und warnt vor den zunehmenden Folgen der Klimakrise. Gleichzeitig betont er die Bedeutung intakter Natur als zentraler Teil der Lösung.
“Was wir gerade in Deutschland und Europa erleben, ist nicht ‘nur ein weiterer heißer Sommer’. Es könnte die größte Hitzewelle werden, die wir seit Beginn der Wetteraufzeichnung erleben – und der Sommer fängt gerade erst an”, warnt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. “Klar ist: Wenn wir der Hitze flächendeckend etwas entgegensetzen wollen, brauchen wir unsere Natur. Schon heute mildern Bäume, Grünflächen, Moore und naturnahe Landschaften die Hitze. Sie kühlen, speichern Wasser und stärken die Widerstandsfähigkeit von Städten und Regionen gegenüber immer häufigeren Extremwettern. Doch unserer Natur geht es schlecht: Mehr als zwei Drittel der geschützten Lebensräume in Deutschland befinden sich in einem schlechten Zustand. Zum Glück hat die Politik mit der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ein Werkzeug in der Hand, um degradierte Moore, Wälder und Flüsse zu renaturieren und ihre natürlichen Funktionen zu reaktivieren. Zeit anzupacken!“
Besonders in Großstädten werde die Bedeutung von Natur während extremer Hitze für Mensch und Tier spürbar. Die Zahl der Hitzetage und Tropennächte über 20 Grad Celsius hat sich im Vergleich zum vorherigen Jahrhundert verdreifacht. Asphalt und Beton können an Sommertagen mehr als 60 Grad heiß werden und speichern die hohen Temperaturen auch noch für den Tag darauf. Parks, Stadtbäume und Gewässer können die Temperaturen hingegen lokal senken und die Lebensqualität in dicht besiedelten Quartieren merkbar verbessern. „Wer Städte klimaresilient machen will, muss Grünflächen schützen, Bäume erhalten und Natur wieder mehr Raum geben. Jeder zusätzliche Quadratmeter Grün hilft dabei, Hitzeinseln zu entschärfen und so die Belastung für alle zu reduzieren“, so Krüger.
Wie eng Vegetation, Bodenfeuchte und Kühlung in Deutschland zusammenhängen, wird der NABU gemeinsam mit dem ECONICS INSTITUTE Mitte Juli mit dem neuen Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) in Berlin vorstellen. Der Index macht auf Basis satellitengestützter Daten sichtbar, welchen messbaren Beitrag intakte Landschaften für Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung leisten.
Pressemitteilung NABU
Hitzeschutz im Bundestag – Deutsche Umwelthilfe: „Bäume und Stadtgrün sind kritische Infrastruktur“
Inmitten der aktuellen Hitzewelle hat der Bundestag gestern unter anderem den Antrag der Grünen Bundestagsfraktion „Städte klimafit machen“ behandelt und an den Umweltausschuss überwiesen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt die darin enthaltenen Maßnahmen zur Entsiegelung und Begrünung und fordert die Abgeordneten auf, diese jetzt im Eiltempo voranzutreiben.
Dazu DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz:
„Stadtgrün ist keine Deko, sondern überlebenswichtig. Für Gesundheit, Klimaanpassung und soziale Gerechtigkeit reicht es nicht aus, nach jeder Fällung symbolisch neue Bäumchen zu pflanzen. Alte große Bäume sind unsere natürlichen Klimaanlagen und nicht kurzfristig zu ersetzen. Der Grundsatz muss lauten: Baumschutz vor Baurecht und Baumerhalt vor Neupflanzung. Wir brauchen endlich flächendeckende Baumkataster und jährliche Baumzustandsberichte, damit der Verlust von Stadtgrün nicht länger im Verwaltungsnebel verschwindet. Hitzebetroffenheit muss systematisch erfasst werden – und daraus müssen konkrete Maßnahmen folgen. Für private Grundstücke braucht es einen verbindlichen Grünflächenfaktor. Für die öffentliche Hand fordern wir klare Mindeststandards, orientiert an der 3-30-300-Regel: drei sichtbare Bäume vom Wohn- und Arbeitsplatz aus, 30 Prozent Baumbedeckung im Stadtteil und maximal 300 Meter bis zur nächsten Grünfläche müssen für jede Bürgerin und jeden Bürger zutreffen. Wer Städte vor Hitze schützen will, muss Stadtgrün endlich wie kritische Infrastruktur behandeln. Mit Blick auf die Rekord-Hitzewellen, die unmittelbar und auch langfristig vor uns liegen, müssen die Mitglieder des Bundestags jetzt sofort Verantwortung übernehmen.“
Pressemitteilung DUH
Foto: Planten un Blomen im Sommer 2026© wuz